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Am Ende sind alle Mobbing-Opfer

Weimarer kultur-Express Am Ende sind alle Mobbing-Opfer

Mit ihrer Inszenierung „Mobbing“ redeten die Schauspieler den Hinterlandschülern in Breidenbach ins Gewissen. Grundlage waren Vorfälle, die in vielen Schulen an der Tagesordnung sind.

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Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Charakteren spitzt sich zu. Franzi wird immer feindseliger gegenüber Laura. Foto: Sascha Valentin

Quelle: Sascha Valentin

Breidenbach. Laura ist eine­ Musterschülerin: arbeitsam und strebsam. Sie wird von den Eltern, beide Wissenschaftler, gefördert, aber auch gefordert. Nur um den sozialen Anschluss unter den Klassenkameraden ist es bei ihr nicht sonderlich gut bestellt. Bei ihnen gilt sie als ­typische Streberin.

Ganz anders ist das bei Franzi. Ihre Beliebtheit hat sie zur Klassensprecherin gemacht und als solche mischt sie sich überall ein. Ihren Eltern sind ihre schulischen Leistungen weitgehend egal, solange sie nicht unterirdische Maßstäbe erreichen.

Zu Beginn des neuen Schuljahres treffen die beiden grundverschiedenen Charaktere aufeinander und sitzen im Unterricht sogar Seite an Seite. Statt einer Freundschaft entwickelt sich bei Franzi aber schnell eine deutlich spürbare Abneigung gegen das Verhalten der strebsamen Laura, die sie in allem überflügelt und dabei stets ohne große Anstrengungen gute Noten einheimst.

Anfangs bringt die überzogen dargestellte Figur der Franzi­ das Publikum noch zum Lachen - so herrlich enthemmt regt sie sich über ihre vermeintliche Konkurrentin auf. Doch dieses Lachen erstickt, je mehr sich die Auseinandersetzung zwischen den beiden Mädchen hochschaukelt.

Franzi greift zu immer drastischeren Methoden, um Laura­ eins auszuwischen und sie vor den anderen Mitschülern schlecht dastehen zu lassen: Sie verbreitet Lügen, postet verfängliche Bilder in den sozialen Netzwerken und stachelt die Mitschüler gegen Laura auf. Immer mehr wird diese von Selbstzweifeln geplagt, kann nachts nicht mehr schlafen, klagt über Übelkeit und hat sogar Angst vor der Schule, die ihr vorher wie eine Heimat war.

Die Auseinandersetzung gipfelt in einem Herzschlagfinale, das als solches durch einen immer schneller schlagenden Puls auch akustisch dargestellt wird. Am Ende gelangen dann beide Charaktere zu der Einsicht, dass sie aus der Situation verschwinden müssen - und verlassen passend dazu die Bühne.

Das Stück endet damit zwar, nicht aber die Lehrstunde für die jungen Zuschauer. Für die schlossen die beiden Darstellerinnen eine Diskussionsrunde an, in der sie unter anderem nach den Gründen fragten, warum Laura wohl gemobbt wurde. Dazu stellten sie die Frage in den Raum, wie es zwischen den beiden Figuren weitergehen könnte.

Die Schüler überraschten mit einer großen Bandbreite möglicher Ausgänge, die vom Einschalten der Polizei über einen Schulwechsel bis hin zum Suizid reichten. Letzteres sei die schlimmste Möglichkeit, betonten die Schauspielerinnen. Aber es gebe tatsächlich Fälle, in denen Mobbing-Opfer genau dazu getrieben wurden, weil sie die Situation und die Anfeindungen nicht mehr aushielten.

Das Stück führte den Schülern nachvollziehbar vor Augen, wie schnell sich aus einer leichten Abneigung, einem Nicht-Leiden-Können eine vertrackte­ Situation entwickeln kann, in der alle Beteiligten letztlich nur noch Opfer sind.

von Sascha Valentin

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