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Alte Stücke in ein neues Licht rücken

Hinterlandmuseum Biedenkopf Alte Stücke in ein neues Licht rücken

Der Landkreis als Besitzer des Schlosses überarbeitet die Ausstellungsräume im Hinterlandmuseum. Auch der Grenzgangsraum ­erhält ein neues Gesicht.

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Die Ritterrüstung im Hinterlandmuseum stammt nicht aus der Region.

Quelle: Susan Abbe

Biedenkopf. Gut 25 Jahre ist es her, dass der Landreis umfangreiche Sanierungsarbeiten am Schloss vorgenommen und auch die Ausstellung des Hinterlandmuseums neu gestaltet hat. Seither hat sich im Schloss eine Menge getan: Unter anderem ist der Schlosshof befestigt worden, ein neuer Eingangsbereich für das Museum ist entstanden und – unter Federführung der Stadt Biedenkopf – das Schlossfestival wurde etabliert.

Nach all den Jahren sei es nun an der Zeit, auch die Ausstellung des Hinterlandmuseums zu überarbeiten, sagen Landrätin Kirsten Fründt (SPD) und Kreiskulturreferent Markus Morr. Denn die Museumslandschaft und auch das Besucherverhalten haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert.

Veränderungen im Erdgeschoss sichtbar

Heute gebe es ganz andere technische Möglichkeiten – etwa moderne Licht- und Medientechnik –, um historische Themen zu präsentieren, erklärt Morr. Gleichzeitig kommen die Besucher heute mit anderen Erwartungen in die Museen. Die Menschen sind inzwischen den Umgang mit Medien, die viele Sinne gleichzeitig ansprechen, gewohnt. Der Ansatz „Wir stellen alles in Vitrinen aus“ sei schon lange passé, sagt Morr. Museen müssten Geschichte zugänglicher präsentieren, gerade für jüngere Besucher.

Und so geht es bei der Neukonzeption des Hinterlandmuseums nicht zuletzt darum, die Besucherzahlen von derzeit 13.000 bis 15.000 Gästen pro Jahr zu halten oder wenn möglich zu steigern. Tipps, wie das nach modernen museumspädagogischen Erkenntnissen erfolgen kann, holt sich der Landkreis dazu bei Experten vom Hessischen Museumsverband.

Sichtbar sind erste Veränderungen bereits im Erdgeschoss des Museums, wo der Besucher vom modernen Kassenbereich, der 2015 neu eingerichtet wurde, als erstes in die ehemalige Schlossküche gelangt. Dort findet der Besucher nun mehrere neue Tafeln vor, die einführende Informationen zur Geschichte des Schlosses und des Museums enthalten. Wichtig dabei ist laut Morr: Die Textmenge ist überschaubar und die Tafeln enthalten auch Bilder und Grafiken, damit der Besucher die Informationen nicht nur liest, sondern auch gut verstehen kann.

Dunkles Loch in Szene gesetzt

Ausstellungsstücke sind in der alten Küche nur spärlich verteilt. Für den Besucher auffällig bleibt deshalb der große Abzug, über den seinerzeit Rauch und Küchendämpfe nach draußen entwichen. Heute kann sich der Besucher unter den Abzug stellen. Schaut er nach oben, sieht er allerdings nicht viel mehr als ein dunkles, verrußtes Loch.

Der Abzug ist laut Kulturreferent Morr ein schönes Beispiel für frühere und heutige Museumspädagogik. „Früher war das so in Ordnung, heute versucht man, auch solch einen Abzug erlebbarer zu machen.“ Denn mit moderner Lichttechnik lasse sich auch ein dunkles Loch in Szene setzen, sagt Morr und berichtet von Überlegungen, den Abzug mit kleinen LEDs zu beleuchten, um einen Eindruck von den Ausmaßen zu vermitteln.

Von der Küche gelangt der Besucher schließlich in den benachbarten großen Raum, der früher die Eingangshalle des Museums war. Auch dort hat es Veränderungen gegeben. Die Absperrungen, die den Besucher bisher von zwei Feuerwehr-Spritzenwagen aus dem 18. und 19. Jahrhundert trennten, sind verschwunden. Die alten Geräte stehen auf leicht geneigten Podesten, auf denen sie gut zur Geltung kommen. Der Besucher kann sich die alten Geräte nun ganz aus der Nähe anschauen. Wenn er wollte, könnte er sie sogar berühren – was indes nach wie vor verboten bleibt.

Des Risikos, dass die ohne Absperrung ausgestellten Exponate durch unvernünftige Besucher Schaden nehmen könnten, sind sich die Verantwortlichen durchaus bewusst. Es sei für Museen immer ein Spagat, auf der einen Seite die Exponate zu schützen, auf der anderen Seite die

Ritterrüstungen stammen aus Österreich

Gegenstände und ihre Geschichte dem Besucher so nahe wie möglich zu bringen, sagt Landrätin Kirsten Fründt. Auch eine alte Postkutsche kann der Besucher aus der Nähe betrachten und dabei feststellen, dass die Kutsche nicht nur auf Rädern unterwegs war, sondern im Winter mit Kufen zum Schlitten umfunktioniert werden konnte. „Solche Postkutschen gab es aber nur selten“, erklärt Museumsleiter Gerald Bamberger. Entsprechend sei bei der Neukonzeptionierung der Ausstellung darauf Wert gelegt worden, diese Besonderheit herauszustellen.

Möglich sind in diesem Museumsraum – zwischen Postkutsche ( Foto: Abbe) und alten Spritzenwagen – übrigens auch Trauungen. Gleiches gilt für den Festsaal im Obergeschoss, der im Volksmund als Rittersaal bekannt ist – wenngleich das Biedenkopfer Schloss nie Ort höfischen Lebens mit Rittern und Burgfräuleins war. Ritterrüstungen, die im Schloss zu sehen sind, stammen deshalb nicht aus dem Hinterland, sondern wurden in Österreich gekauft.

Wirklich nahe an der Realität des Hinterlandes ist indes der Ausstellungsraum, der dem Biedenkopfer Grenzgang gewidmet ist. Gerade wegen der Bedeutung dieses Raumes für die Region soll dort in den kommenden zwei Jahren besonderer Aufwand betrieben werden, um die Ausstellung – in Zusammenarbeit mit dem Biedenkopfer Grenzgangsverein – zu überarbeiten.

„Hier wird es größere Veränderungen geben, um den Grenzgang noch besser darzustellen“, kündigt Kulturreferent Morr an. Vorgesehen sei etwa, einen Bildschirm zu installieren, um Filme vom Grenzgang zu zeigen. Rechtzeitig zum Grenzgang 2019 soll der Grenzgangsraum fertig sein.

von Susan Abbe

Hintergrund

Öffnungszeiten: Die Ausstellungen und der Bergfried des Biedenkopfer Schlosses sind vom 1. April bis 15. November dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Aber auch in der Winterpause können Gruppen ab zehn Personen nach Anmeldung das Museum besichtigen. Eine Anmeldung ist unter der Telefonnummer 
06461/924651 möglich.

Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro; Kinder 1,30 Euro; für Gruppen gibt es gesonderte Tarife.

Programm: Es gibt verschiedene Themenführungen, auch für Kinder. Zudem besteht die Möglichkeit, Kindergeburtstage im Museum auszurichten. Auch standesamtliche Trauungen sind möglich.

 
 
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