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Alte Kunstwerke unter neuem Dach

Sanierung Alte Kunstwerke unter neuem Dach

Die Scheune des Regionalmuseums "Hinz Hoob" hat einen neuen Dachstuhl, nun sind die Dachdecker an der Reihe.

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Bei strahlendem Sonnenschein schlugen die Zimmerleute den neuen Dachstuhl der Museumsscheune auf.Fotos: Ingrid Lang

Weidenhausen. Seit ein paar Tagen gibt es auf „Hinz Hoob“ in Weidenhausen wieder eine große Baustelle auf der Zimmerer und Dachdecker zu Gange sind: Das marode Scheunendach des Museums wird komplett neu aufgebaut. „Die Ausschreibungsergebnisse für diese Arbeiten lagen unter der Kostenschätzung“, erinnert Gladenbachs Bauamtsleiter Ulrich Weber. Am Dienstag war Submission für ein Gewerk zum Ausbau des Dachgeschosses, das als ein Raum erhalten bleibt, aber mit Nischen versehen wird. Abweichend vom ursprünglichen Plan wurde auf den Bau von Gauben verzichtet. Anstatt dessen soll ein Lichtband für die Ausleuchtung des Dachgeschosses sorgen. Die Mehrkosten würden durch die Einsparungen aufgefangen, erklärt Weber.

Rainer Bastian vom Vorstand des Heimatvereins berichtet, dass es wohl noch einige Monate dauert, bis das Lichtband geliefert wird. Es ist nämlich eine Maßanfertigung, die Teile werden mithilfe eines Krans aufs Dach gehievt. Dann muss noch einmal der Dachdecker ran. Der wird in dieser Woche das Dach eindecken und das Gebäude damit wetterfest machen.

Im Anschluss gehts an den Innenausbau. Auch da sei man auf einem guten Weg, sagt Rainer Bastian und berichtet von einem guten Gespräch mit Planer und anderen am Bau beteiligten am Montagabend. Im Dachgeschoss können sich die Mitglieder des Heimatvereins wieder mit Eigenleistung einbringen. Unter anderem beim Verputzen des Treppenaufgangs zum Obergeschoss.

Wegen des wetterbedingt etwas späteren Beginns der Bauarbeiten - eigentlich sollte es Ende April losgehen - wird der vom Heimatverein für kommenden Sonntag geplante Flohmarkt auf Sonntag, 27. Juli, verlegt. Am Freitag, 6. Juni, um 16.30 Uhr soll ein Richtfest stattfinden.

„Hinz Hoob“ ist heute schon eines der schönsten Museen der Region. Mithilfe von Geld aus Brüssel und Sponsoren geht der Heimatverein Weidenhausen den zweiten Bauabschnitt an.

Das Erdgeschoss der Scheune des Regionalmuseums „Hinz Hoob“ in Weidenhausen wird längst für Ausstellungen genutzt. Während unten alles in Schuss ist, gab es oben massive Probleme: Das Dach war undicht, Sparren zum Teil stark angefault, die Statik entsprach nicht den Erfordernissen eines öffentlichen Gebäudes. Der Heimatverein als Pächter und Betreiber des Museums sowie die Stadt Gladenbach als Besitzer des Anwesens waren also im Zugzwang.

Statische Mängel waren die Gründe für den Neubau

Das Flicken der Löcher im Dach hätte nicht ausgereicht, es blieben die statischen Mängel. Um herabtropfendes Regenwasser aufzufangen, stellten die Mitglieder des Heimatvereins Kübel und Eimer auf. Gleichwohl bestand die Gefahr, dass sich neue Löcher auftaten, Wasser in die aufwendig isolierte Decke eindringen und dann große Schäden entstehen konnten. „Letztlich gabt es keinen anderen Weg, als das Dach vollkommen neu aufzubauen“, erinnert der Ehrenvorsitzende des Vereins, Helmut Bernhard. Der Heimatverein wusste das spätestens seit 2009, damals ging ein beauftragter Architekt von 80000 Euro an Kosten aus. Später ging man von 100000 Euro an Kosten alleine für das Dach aus. Für den Ausbau des Obergeschosses der Scheune wurde ein mittlerer fünfstelliger Betrag kalkuliert. Diese Informationen über den zweiten großen Bauabschnitt trug Helmut Bernhardt dem damaligen Landrat Robert Fischbach vor. Bernhard war nämlich zu Ohren gekommen, dass ein neuer Platz für die Gemälde der Karl-Lenz-Stiftung gesucht wurde. Nach ersten erfolgversprechenden Gesprächen machte Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer im Regionalmuseum Station. Quasi als kleine Anschubfinanzierung für das Projekt brachte er 1000 Euro mit, die aus Lotto- und Troncmitteln (Abgabe der Spielbanken) stammen.

Stadt muss keineeigenen Mittel aufbringen

Vor gut 20 Jahren begann die Suche des Heimatvereins nach geeigneten Räumen für ein Museum, in dem man die Geschichte der Landwirtschaft und Industrie der Region zeigen sowie Gegenstände aus dieser Zeit vor dem Verfall bewahren wollte. 2004 ergab sich die Möglichkeit, das Anwesen „Hinz Hoob“ im alten Ortskern Weidenhausens zu erwerben, Anträge zu stellen und die politisch Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass der Verein das angestrebte Museumsprojekt schultern könnte. Die Stadt erwarb die Immobilie, der Verein zahlt nun Zins und Tilgung für die aufgewendete Summe, die als Kommunaldarlehen gewährt wurde. Als feststand, dass das Projekt in das Förderprogramm „Leaderplus“ aufgenommen werden sollte, kam erste Freude auf. Der Zuwendungsbescheid über 122000 Euro war aber an die Klausel gebunden, dass bis zum 15. August 2008 das Museum fertig sein musste. Der Verein war zuversichtlich, wusste aber nicht, welche Schwierigkeiten auf ihn zukamen. Da waren beispielsweise 180 Tonnen Schiefer-Boden, die in Handarbeit aus dem Gebäude entfernt werden mussten. Zahlreiche Vereinsmitglieder arbeiteten dort in ihrer Freizeit fast zwei Jahre lang ununterbrochen. Mit 250000 Euro schlug der erste Bauabschnitt zu Buche.

Die Fertigstellung des ersten Museumsteils feierte man Anfang August 2008. Den anschließenden Ausbau des Wohnhauses stemmte der Verein mit viel Eigenleistung und eigenen Mitteln. Rund 10000 Stunden an Eigenleistung wurden mittlerweile investiert. Der Sanierungsdruck und die gute Aussicht, dass erneut über ein Programm der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) diesmal sogar 75 Prozent der Kosten geschultert werden könnten, bewog den Verein, sich gemeinsam mit der Stadt auf die Suche nach weiteren Förderern zu begeben und eine Reihe von Gesprächen zu führen. 120000 Euro sollen nun über den Fachdienst Dorferneuerung und Regionalentwicklung beim Landkreis aus dem Programm ELER als Zuschuss fließen. Mit 20 000 Euro will die Sparkasse Marburg-Biedenkopf das Projekt, fördern, 10000 Euro stehen von Spendern zur Verfügung. 25000 Euro steuert die Karl-Lenz-Stiftung hinzu. Im ausgebauten Obergeschoss der Museums-Scheune sollen die Bilder von Karl und Berta Lenz dauerhaft ausgestellt werden. Sie sind derzeit noch im Künstlerhaus Lenz in Erdhausen untergebracht, aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich, weil das Haus mit seiner Gaststätte geschlossen ist. Laut Finanzierungsplan besteht ein Überschuss von 15000 Euro, der als Reserve für mögliche Kostenerhöhungen dient.

von Hartmut Berge

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