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Als Rentner zum Schnitzer gewandelt

Hobbykünstler Als Rentner zum Schnitzer gewandelt

Der Biedenkopfer Hobbyschnitzer Manfred Jahn folgt einem festen Prinzip: Alles hat zwei Seiten. Oft bleibt bei seinen Holzfiguren eine Seite naturbelassen.

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Herzen gehören zu den bevorzugten Motiven des Biedenkopfer Hobbyschnitzers Manfred Jahn.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Biedenkopf. Früher, sagt Manfred Jahn, habe er staunend vor Schnitzereien gestanden und habe deren Schöpfer für ihr Handwerk bewundert. Vor zwei Jahren machte der Biedenkopfer eigene Schnitzversuche. Seine erste Arbeit war die Darstellung eines Grenzgangs-Mohren. Sein nächstes Werk war schon das Biedenkopfer Landgrafenschloss. Jahn stellte fest, dass ihm das Schnitzer-Handwerk lag. Der frischgebackene Ruheständler hatte ein neues Hobby entdeckt.

Neuland betrat Manfred Jahn in seinem Leben immer wieder - 1947 in Rabenau geboren, machte er eine Ausbildung zum Elektriker. Er arbeitete im Ortsnetz-, im Freileitungs- und Sprechanlagenbau, war zeitweise im Büro tätig und wechselte für zwölf Jahre in die Zahntechnik. „Da habe ich das genaue Arbeiten gelernt.“ Sein Weg führte ihn über Marburg nach Biedenkopf, wo er bis zum Renteneintritt Hausmeister der Beruflichen Schulen war.

Seitdem er sich vor zwei Jahren der Schnitzerei zugewandte, ist so manches Werk entstanden. Gebäudeansichten zählen zu seinen Lieblingsmotiven. Einen Schwerpunkt bilden Kirchen und Backhäuser im Altkreis Biedenkopf. Die sieht sich Manfred Jahn mit seiner Frau Barbara genau an, macht Fotos und versucht, die Bauten bis ins Detail in Holz nachzustellen. Wichtig ist ihm dabei, dass die historischen Komponenten zur Geltung kommen: Fachwerkstrukturen und Verzierungen zum Beispiel betont Jahn durch farbliche Hervorhebungen. Er verwendet Buntstifte, die er dezent aber gezielt einsetzt. „So sieht es noch natürlich aus.“

Eines seiner weiteren historischen Motive ist das Schenkbarsche Haus in Biedenkopf. Bei einer Kunstausstellung habe ihm ein Interessent aus dem Marburger Raum dieses Werk abkaufen wollen. Dazu sei es aber nicht gekommen, „weil meine Frau dagegen war“. Aber Jahn wusste, dass er den Geschmack des Mannes getroffen hatte. Und so fertigte er eine Bildschnitzerei des Rapunzelhäuschens in Amönau, das schon Otto Ubbelohde als Motiv diente. Die Bildschnitzerei zeigte er dem Mann beim Kunsthandwerkermarkt in Sterzhausen. „Dem Mann standen die Tränen in den Augen. Da hätten sie früher gespielt, sagte er mir.“ Solche Momente lassen Jahn voll in seinem Hobby aufgehen.

Sein Repertoire beinhaltet auch dreidimensionale Werke wie eine Darstellung des Kaiser-Wilhelm-Turms auf der Sackpfeife. Dreidimensional sind auch die hölzernen Grenzsteine, die er anlässlich des Biedenkopfer Grenzgangs schnitzte. Ebenso seine Sternfiguren und die Herzen aus Eberesche.

Ein Aspekt ist dem Hobbykünstler besonders wichtig: „Alles hat zwei Seiten.“ Dies gelte schließlich auch fürs Leben. Und so bleibt bei Jahns Schnitzereien meistens eine Seite in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit. Beispiel Sternfiguren: Glatt geschmirgelt, manchmal gerundet ist die eine Seite, während sich auf der anderen Seite noch Rinde befindet. „Dann sieht man die Urform des Stamms.“

Generell, sagt Manfred Jahn, „lässt sich aus allem was machen, wenn man nur das richtige Werkzeug hat.“ Oft schneidet er die Grundform seiner Figuren mit der Stichsäge aus, um sie dann mit Schnitzmessern zu bearbeiten.

Ehefrau Barbara bekommt seine Arbeiten als Erste zu sehen. Mitunter kann er es kaum erwarten, ihre Meinung zu hören. Wenn sie am Arbeitsplatz ist, schickt er ihr manchmal mit dem Handy Fotos von seinen neuesten Werken.

von Björn-Uwe Klein

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