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Als Betroffener und Helfer zum Orden

Bundesverdienstkreuz für Paul Walter Als Betroffener und Helfer zum Orden

Ob als Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Alkohol- oder Medikamentenabhängige, als Suchtberater oder Kommunalpolitiker – durch sein ehrenamtliches Engagement ist Walter Paul nun Träger des Bundesverdienstkreuzes.

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Bei der Bundesverdienstkreuz-Verleihung (von links): Landrätin Kirsten Fründt war ebenso dabei wie Brigitte Paul, als ihr Ehemann Walter Paul die Auszeichnung vom Hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer überreicht bekam.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) und die Landrätin Kirsten Fründt (SPD) überreichten am Montag im Landratsamt Walter Paul den Bundesverdienstorden. Mit dem Ehrenzeichen der Ordensstufe „Verdienstkreuz am Bande“ dankten sie stellvertretend für sein jahrzentelanges Bemühen in und für Gladenbach.

Der 72-Jährige sei ein offener Ansprechpartner für Bürger. Sie hoben vor allem seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Berater in der Suchtselbsthilfe des Diakonischen Werkes Biedenkopf-Gladenbach und sein Engagement im „Freundeskreis Erdhausen“, einer Selbsthilfegruppe für Alkohol- und Medikamentenabhängige, hervor. Anreger der Ehrung war Helmut Kretz, Leiter der Diakonie.

„Er war als Betroffener bereit, anderen zu helfen“, erklärte der Finanzminister. Walter Paul hatte früher selbst Probleme mit Alkohol gehabt. Obwohl Suchterkrankungen nach wie vor tabuisiert würden: Durch Menschen wie ihn müssten sich Betroffene heute nicht mehr verstecken. Fründt fügte hinzu: „Es ist ein Erfolg von Walter Paul, dass man heute offen und bewusst über Alkoholprobleme reden kann.“

Mit viel Herzblut übernahm er rund um die Uhr eine flexible Seelsorge am Telefon oder Hausbesuche, um Betroffenen zu helfen. Außerdem bereitete er gesellschaftliche Veranstaltungen der Selbsthilfegruppe vor und leistete Aufklärungsarbeit über Suchterkrankungen. Aber auch in der Kommunalpolitik und der Verbesserung der kommunalen Infrastruktur hatte sich Walter Paul engagiert.

Seit 2006 im Ortsgericht

Er war in der Stadtverordnetenversammlung von Gladenbach aktiv, außerdem gehörte er mehrere Jahre für die SPD dem Ortsbeirat von Mornshausen an, einem Stadtteil Gladenbachs. „Eine Gesellschaft wird erst dann zur Gemeinschaft“, erklärte Schäfer, „wenn es Menschen gibt, die sich über eigen­nützige Belange hinaus für andere einsetzen.“

Mit handwerklichem Geschick als Maurer hatte sich Walter Paul im Verein zur Förderung und Pflege gemeinnütziger Aufgaben eingebracht. Ob eine Schutzhütte, ein Kindergartengrundstück oder ein Skulpturenpark – mit seiner Hilfe unterstützte er viele Projekte. Seit 2006 engagiert er sich außerdem als stellvertretender Ortsgerichtsvorsteher.

So dankte ihm schließlich Gladenbachs Erster Stadtrat Walter Jakowetz: „Was Sie gelebt und erlebt haben, das sollte man in einem Buch festhalten.“ Er verwies auch auf die Hilfe durch Brigitte Paul. Walter Pauls Ehegattin habe die ehrenamtliche Tätigkeit mitgetragen. „Ein starker Mann braucht eine starke Frau an seiner Seite.“

Schließlich bedankte sich Walter Paul für das Ehrenabzeichen des Bundespräsidenten, das er nur mithilfe seiner Familie und Frau erhalten habe. Schäfer ermunterte ihn, sich weiterhin zu engagieren. In einer Zeit, in der viele Menschen Verantwortung im Lokalen scheuen würden, werde Walter Paul geschätzt und gebraucht.

von Jonathan Odin-Gebhardt

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