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Alles muss sitzen, nicht nur das Kostüm

Musical „Der Postraub“ Alles muss sitzen, nicht nur das Kostüm

Am Sonntag probten die Darsteller des Musicals „Der Postraub“ im sonnendurchfluteten Innenhof des Biedenkopfer Schlosses. Text, Songs
und Tanz mussten sitzen.

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Am Sonntag probten die Darsteller des Musicals „Der Postraub“ erstmals in Kostümen im Biedenkopfer Schlosshof.

Quelle: Michael Hoffsteter

Biedenkopf. „Achtung für Anfang“. Und bitte!“. Regisseurin Birgit Simmler gibt das Kommando zum Start einer Szene 
mit Bräutigam. Für Marina Granchette ist vieles neu. Sie probte die Hauptrolle der Margarethe zum ersten Mal mit dem gesamten Ensemble, am Freitag ist Premiere. „Profis können das. Kein Problem“, sagt Komponist Paul Graham Brown.

Als er spät am Dienstagabend von Karoline Blöchers Ausfall hörte (die OP berichtete), hat er sich mit dem Rest des Kreativ-Teams in Biedenkopfs Innenstadt getroffen, um zu beraten, was zu tun ist. Die Zeit war knapp. Es entstand eine Liste mit möglichen Darstellerinnen. Simmler kontaktierte Granchette, sie sagte zu, am nächsten Tag war sie in Biedenkopf.

Sie und Darsteller Patrik Miller kennen sich von der „Abraxas Musical Akademie“ in München. Auf der Bühne sind sie ein eingespieltes Team, passt gut, denn im Stück gehören sie zusammen. Miller spielt Jakob Geiz, der in die verheiratete Margarethe (Marina Granchette) verliebt ist, eine Beziehung, die unter keinem guten Stern steht.

In Biedenkopf probten das neue Postraub-Ensemble zum ersten mal in den neuen Kostümen. Die OP war mit dem Fotoapparat dabei.

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Das Stück mit Tiefgang macht nicht Halt vor den sozialen 
 Ungerechtigkeiten im Hinterland um 1822, dem historisch überlieferten Jahr des Postraubs in der Subach, an den Simmler das Stück angelehnt hat. Statt des betrüblichen Endes der Posträuber, serviert sie den 
Zuschauern lieber ein versöhnliches Ende.

Das Stück ist Vorbild für ähnliche Produktionen. Nicht nur, dass Profis mit Laiendarstellern zu einem Team geformt werden, innerhalb des Teams gibt es auch zehn Asylsuchende Syrer,
 Afghanen, Iraner und Kurden. Brown hält diese Form der Zusammenarbeit für eine besondere Art der Integration.

Das zusammengewürfelte Team versteht sich auf eine ganz eigene Art. Während auf der Bühne geprobt wird, machen es sich die restlichen Darsteller innerhalb des Schlosshofes am Rand der hohen Mauern gemütlich. Die Unterhaltung ist erst leise, wird dann lauter. Simmler sorgt für Ruhe, keiner murrt, sondern einige stecken ihre Nase ins Smartphone, andere flüstern.

Auf der Empore zum Turm wartet ein Mann mit Kind und Hund geduldig, bis die Szene fertig war. Dann erst gehen sie runter an Simmler vorbei, die zu ihnen sagt: „Keine Hetze.“

Ein paar verpassen ihren Auftritt

Hektisch wird Simmler erst, als Lokalmatador Carsten Wenzel auf der Bühne steht, als Kriminalinspektor Danz aus Gießen und andere Darsteller ihren Einsatz verpassen. „Danke, Abbruch … Abbruch, Abbruch.“

Das dritte Mal wiederholt sie laut genug, sodass alle sofort mucksmäuschenstill sind. „Da haben ein paar Leute ihren Wiederauftritt verpasst“, sagt Simmler. Sie beordert Lena, 
Ralf und Harry zu sich. „Wir müssen den Umzug klären, sonst wird es nicht funktionieren“, sagt Simmler. Sie und die Gerufenen stecken ihre Köpfe zusammen, Simmler gibt Anweisungen. Kurz darauf geht‘s weiter: „Und bitte!“

Sie und Brown begutachten jeden Schritt, jeden Gesichtsausdruck, jeden Ton. Manchmal erhebt sich Brown von seinem Stuhl, singt die Strophen leise mit, wippt mit der Hand im Takt und nickt zufrieden. Er hat kaum etwas auszusetzen. Auch nicht an Granchette. „Sie macht das großartig, ein Glücksfall“, sagt er.

von Silke Pfeifer-Sternke

Zwei Profis proben für den Postraub: Während Patrik Miller von Anfang an dabei ist, musste Marina Granchette ihre Rolle in kurzer Zeit lernen. Foto: Michael Hoffsteter
 
 
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