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Allein, aber unter Freunden

Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Allein, aber unter Freunden

Die Modellwohnung für alleinstehende Flüchtlingsfrauen in Hommertshausen ist seit zwei Jahren ein Projekt mit Vorbildcharakter.

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Kafiya aus Somalia (hinten von links), Sakina aus Syrien, Sara aus Eritrea, Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Marianne Schreiber-Einloft vom Koordinationskreis der ehrenamtlichen Helfer, Yordanos und Kafiya (beide aus Eritrea) mit dem Neuzugang Zeng Yong Ching aus China (vorne) stellten die Modellwohnung in Hommertshausen vor.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Hommertshausen. In dem Wohnzimmer der Flüchtlingsunterkunft für alleinstehende Frauen reichte gestern fast der Platz nicht aus für die Besucher.

Die Bewohnerinnen und die ehrenamtlichen Helfer hatten einen Termin mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow. Hintergrund: das Thema Integration. In Hommertshausen funktioniert das Projekt, die Frauen ins Dorfleben einzubinden. Dafür sorgen viele freiwillige Helfer.

Dem Dorf fehlt es allerdings an Infrastruktur. Es gibt nur einen kleinen Laden, der von 6 bis 10 Uhr geöffnet hat, und ein Café, das mittwochs und jeden ersten Samstag im Monat ab 14 Uhr geöffnet ist.

Gut, Hommertshausen liegt weit vom Schuss, musste Zachow zugeben, aber dort befand sich ein Haus, das für das Vorhaben genau richtig war. Die beiden Eritreerinnen Yourdanos und Letekidan sind der Beweis dafür, dass das Leben auf dem Land und die Hilfsbereitschaft der Menschen im Dorf einen Neuanfang perfekt machen. Beide Frauen sind aus der Gemeinschaftsunterkunft ausgezogen und leben jetzt in Hommertshausen in einem Bauernhaus. An Wegziehen denken beide vorerst nicht.

Mit Händen und Füßen

„Es gefällt mir hier, die Menschen helfen mir“, sagt die 20-jährige Yourdanos, die im Biedenkopfer DRK-Krankenhaus als Stationshelferin Arbeit gefunden hat. Als Nächstes will sie einen Vorbereitungskurs für den Hauptschulabschluss machen, um die Voraussetzungen für eine Berufswahl zu haben.

Zurzeit leben in dem Haus eine junge Mutter mit Baby aus Eritrea, eine Frau aus Somalia, eine aus dem Iran, eine aus dem Irak und eine Syrerin. Neu eingezogen ist eine Geflüchtete aus China. Mit ihr verständigen sich die freiwilligen Helfer mittels Gesten, um die Sprachbarrieren zu überwinden.

Die Frauen helfen sich aber auch gegenseitig bei der Verständigung. Die Syrerin lebt seit dem 26. Juli in Hommertshausen und spricht weder Deutsch noch Englisch. Zwei Frauen, die arabisch sprechen, dolmetschen für sie.

Die Fluktuation in dem Wohnhaus war während der vergangenen 20 Monate sehr stark. Einige Frauen blieben nicht lang, weil sie zu Verwandten ziehen wollten oder weil sie größere Städte bevorzugten, um einen schnelleren Zugang zu Integrationskursen und Arbeitsangeboten zu bekommen. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre lebten 17 Frauen – mal kürzer (wenige Tage), mal länger (20 Monate) in Hommertshausen.

Monatliche Treffen

Ein Team aus 11 ehrenamtlichen Helfern und 25 potenziellen Unterstützern hat die Frauen auf ihrem Weg ein Stück weit begleitet. Akute Notfälle werden im Zeitalter des Internets schnell gelöst: Per E-Mail oder Whats‑
App werden zum Beispiel Fahrdienste zu Ärzten organisiert. So wurde auch ein Schwimmlehrer gefunden sowie ein Ehrenamtlicher, der den Frauen das Radfahren beibrachte.

Die Helfer treffen sich regelmäßig einmal im Monat, sie verfügen über Listen der Ärzte, der Dolmetscher sowie der Ansprechpartner bei den Behörden. Sie sorgen zudem dafür, dass die Frauen nach ihrer Ankunft bei der Gemeinde gemeldet sind, eröffnen mit ihnen ein Bankkonto, fahren mit ihnen zur Biedenkopfer Tafel, damit sie dort angemeldet werden können, und zur Kleiderkammer der Diakonie.

Mit Vorliebe kaufen die Frauen in türkischen Läden orientalische Spezialitäten ein – lieber als beim Discounter. All diese Wege erledigen die Ehrenamtlichen mit den Bewohnerinnen des Flüchtlingswohnheims. Als vor zwei Jahren das Projekt bekannt wurde, gab es viele Unterstützer. Ein Teil davon ist noch immer engagiert und springt stets dann ein, wenn Hilfe benötigt wird.

von Silke Pfeifer-Sternke

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