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Akzeptanz für Windpark kippt

Bürgerinitiative Schwarzenberg-Weißenberg Akzeptanz für Windpark kippt

Der Widerstand gegen den geplanten inter­kommunalen Windpark Schwarzenberg-Weißenberg in Biedenkopf wächst. Doch die Verträge sind bereits unterzeichnet. Ende 2016 sollen die Anlagen Strom liefern.

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Rund 70 Bürger nahmen an einer von der Bürgerinitiative Schwarzenberg-Weißenberg organisierten Exkursion zum Gelände des künftigen Windparks teil.

Quelle: privat

Biedenkopf. Windparkgegner, Kommunalpolitiker und Gesellschafter des Windparks haben bei einer Info-Veranstaltung ihre Argumente ausgetauscht – sachlich verlief die Diskussion, das bestätigten Jürgen Meyer, Mitglied der Bürgerinitiative (BI), und Bürgermeister Joachim Thiemig.

Am kommenden Mittwoch werden die Stadtverordneten dann vermutlich den verschobenen Beschluss über die Patronatserklärung zur Absicherung der Rückbauverpflichtung verabschieden. In der Zwischenzeit wächst der Druck auf die Verantwortlichen weiter.

Innerhalb von drei Wochen hat die Bürgerinitiative 400 Mitglieder gewonnen. An einer Besichtigung der geplanten Baustelle nahmen Samstag vor zwei Wochen 70 Personen teil und ließen sich von Dieter Anders, einem früheren Förster des Reviers, über die Eingriffe in die Natur aufklären. Auf Biedenkopfer Grund sollen vier Windräder entstehen, auf der Breidenbacher Seite weitere fünf.

BI fordert Bürgerbefragung

Bürgermeister Thiemig geht davon aus, dass die Anlagen Ende 2016 Strom ins Netz einspeisen. Jetzt eine Kehrtwende zu vollziehen, ist aus seiner Sicht unmöglich. Der Grundsatzbeschluss zum Bau des Windparks sei im April 2015 gefasst worden, Verträge (Pachtverträge und Lieferverträge) seien unterzeichnet. „Der Zeitpunkt, etwas zu ändern, ist schon längst überschritten“, sagt Thiemig.

Davon ist die BI nicht überzeugt, obwohl feststeht, dass die Fristen für ein Bürgerbegehren oder einen Bürgerentscheid längst abgelaufen sind. Ihr Vorschlag ist es, die Bürger zu fragen, ob sie für oder gegen den Windpark sind. Diese Option fand aber offenbar keine Anhänger unter den Lokalpolitikern. Deshalb mobilisiert die BI weiter. Sie will

* keine Verschandelung der Landschaft;
* den Tierschutz wahren;
* keine Beeinträchtigung des Bodens;
* keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Bevölkerung;
* die Wirtschaftlichkeitsbe­rechnung infrage stellen.

Am Freitag findet ab 18.30 Uhr eine Informationsveranstaltung im Bürgerhaus in Biedenkopf statt. Es ist eine Koopera­tion zwischen der BI Holzhausen und der neu gegründeten in Biedenkopf. Die Standortgegner wollen mit ihren Argumenten überzeugen und haben bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet. „Wir werden alle infrage kommenden Möglichkeiten durchdeklinieren“, sagt Meyer.

Schuster sieht „einzigartige Landschaft“ in Gefahr

Der gebürtige Biedenkopfer Christof Schuster hat den Bau des Windparks Schwarzenberg-Weißenberg mit Befremden zur Kenntnis genommen. Der in Darmstadt lebende Schuster sieht die kulturellen Errungenschaften der „einzigartigen Mittelgebirgslandschaft“ in Gefahr. In einem offenen Brief macht er seinem Ärger Luft.

„Mit Zähigkeit und Mut gegenüber ihren Landesherren haben die Biedenkopfer früherer Generationen ‚ihren Wald‘ und ,ihre Grenze‘ verteidigt.“ Aus diesen Bemühungen sei das Grenzgangsfest entstanden, das bundesweite Beachtung erlangt habe, schreibt Schuster.

Deshalb erlaubt sich Schuster zu fragen, ob Bürgermeister Thiemig bei einer Umsetzung des Projekts seinen Sitz im Vorstand des Grenzgangsvereins, der sich der Erinnerung an die Tradition der engen Beziehung der Biedenkopfer zu ihrem Wald und dessen unzerstörter Erhaltung verschrieben hat, rechtfertigen kann.

Der Bau des Windparks stelle einen unverantwortlichen Eingriff in die Natur und eine nachhaltige Beeinträchtigung der gewachsenen Naturlandschaft dar, meint Schuster, der nach wie vor eine enge Bindung zur Hinterlandkommune hat.

von Silke Pfeifer-Sternke

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