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Abkühlung bei tropischer Hitze

Sommerhitze Abkühlung bei tropischer Hitze

Überall im Landkreis gehen an heißen Tagen Hunderte Menschen auf Tauchstation ins kühle Nass. Erste Anlaufstellen sind Seen und Freibäder.

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Foto: Benedikt Bernshausen

Quelle: Benedikt Bernshausen

Hinterland. Am Samstag ist besonders viel Betrieb am Seeufer: Einmal im Jahr richtet der Ski- und Trimmclub aus Hommertshausen am Perfstausee seinen Hinterland-Triathlon aus - Dutzende Teilnehmer stürzen sich unter den Augen zahlreicher Schaulustiger in die Fluten. Doch daneben tummeln sich auch die klassischen „Seetouristen“ auf dem Gelände: Wanderer und Spaziergänger können das zweigeteilte Gewässer auf dem Fußweg umrunden.

Dabei ist der obere geschützte Teil des Sees ein Tummelplatz für Wildtiere, vor allem Wasservögel, die sich nur von einem Aussichtspunkt aus beobachten lassen.

Viele Besucher entspannten auf den windumwehten Ruhebänken der Staumauer oder entlang des Ufers. Auch Milena und Lene aus Wallau genießen das Bad in der Sonne. Beide sind gern am See: Denn, dort sei es ruhiger als im Freibad und einfach gemütlicher, findet Lene. Nicht zum Entspannen sind dagegen Leo, Sebastian, Christoph, Fabian, Patrick und Frank an den See gekommen - diesmal steht nämlich der Spaß im Vordergrund: Auf der Liegewiese pumpen die Biedenkopfer ihre Schlauchboote auf, mit denen sie später in See stechen und sich eine erfrischende Wasserschlacht liefern.

Und damit es bei all den Gästen am eigentlichen Regenrückhaltebecken nicht zu Unfällen kommt, wachen - am Rand des Geschehens - Adriana und Ann-Kristin Heinek sowie Heike Düregge von der DLRG Wallau und Marburg über das Treiben an einem der schönsten Flecken im Hinterland.

Im Stadtzentrum von Bad Laasphe ist es am Samstagnachmittag sehr ruhig. Das Thermometer zeigt 35 Grad. Im Vergleich zu anderen Tagen fließt nur wenig Verkehr durch die Innenstadt, selbst Motorradfahrer sieht und hört man selten. Die Stadt wirkt in der brütenden Hitze verschlafen, doch unweit des Stadtzentrums gibt es einen Ort, der gerade jetzt besonders belebt ist: Das städtische Freibad.

Auch für viele Hinterländer ist das „Wabachbad” ein beliebtes Freizeitziel. Dies lässt ein Blick auf den Parkplatz erkennen: viele “MR”- und “BID”-Kennzeichen finden sich dort.

Erwartungsgemäß herrscht im Freibad Hochbetrieb. Besucher aller Altersklassen genießen das kühle Nass, säumen den Beckenrand oder machen es sich sonnenbadend auf dem Rasen bequem.

Bis zu 1800 Besucher habe das Bad an den Spitzentagen der vergangenen Woche gezählt, sagt Bademeister Gerhard Mainka. „Einige verbringen den ganzen Tag hier”, bestätigt Margret Damm, die sich ebenfalls um die Wasseraufsicht kümmert. Der Kontakt zu den Badegästen sei ausgesprochen gut, unterstreichen Mainka und Damm, „man kennt viele mit Namen.” Und Mainka ergänzt: „Anekdoten kann ich ohne Ende erzählen.”

Einmal sei eine junge Familie mit zwei Kindern aus Sri Lanka ins Freibad gekommen. Die Familie habe den in Deutschland lebenden Großvater der Kinder besuchen wollen. Kurz nachdem die Kinder ins Wasser gesprungen seien, hätten sie fürchterlich geschrien.

„Wir rannten sofort los, um zu helfen“, sagt Mainka. „Aber es war nichts passiert. Das Wasser war den Kindern zu kalt. Die Eltern erklärten uns, dass die Kinder Wassertemperaturen von unter 30 Grad nicht gewohnt seien.”

Weniger laut, weniger temperamentvoll als im Freibad, geht es auf dem Wilhelmsplatz in der Stadtmitte zu. In den Sommermonaten sind die Biergärten und das Eiscafé beliebte Treffpunkte, doch bei 35 Grad ist es vielen zu heiß.

Einige haben dennoch unter den Sonnenschirmen Platz genommen, trotzen der Hitze bei kühlen Getränken. So auch Daniel Liberty und Matthias Selter, die vor dem „Wittgensteiner Hof“ sitzen. Sie sind zufällig in Bad Laasphe unterwegs, wollen Freunde in Siegen besuchen. Selter stammt aus Siegen, Liberty ist Amerikaner und arbeitet als Beauftragter für Flugverkehr in einem bayerischen Unternehmen. Die Hitze macht ihm nichts aus. Er mag es, im Biergarten zu sitzen und ein kühles Bier zu trinken, wie er betont.

Tamara Dehnert, Auszubildende im “Wittgensteiner Hof”, hat an diesem Nachmittag Dienst. Gemeinsam mit ihrer Chefin Conny Paura bedient sie die Gäste, trägt Teller und Ta­bletts nach draußen, bringt leere Gläser und Teller zurück nach drinnen. Eine Tätigkeit, die einem bei diesem Wetter einiges abverlangt. Etwas erschöpft ist Dehnert schon, doch hat sie sich nach eigenen Angaben an die Hitze gewöhnt. „Die Arbeit klappt.”

Der Biergarten mache an einem Tag wie diesem den weitaus größten Teil des Geschäfts aus, sagt Restaurant-Inhaber Antonio Paura. Dies könnten durchaus mal 80 Prozent sein.

Nicht nur am Wilhelmsplatz werden an diesem Tag vorwiegend die Außenbereiche der Gastronomie frequentiert, sondern auch in der Altstadt. Vor dem Brauereigasthof „Zur Sonne” hat sich am frühen Abend eine Gruppe junger Kölner eingefunden, zwei Männer und zwei Frauen zwischen 26 und 28 Jahren, die bei Latte Macchiato und Pils Bilanz eines erlebnisreichen Tages ziehen. Das Quartett ist für ein Wochenende nach Bad Laasphe gereist, um im Stadtteil Hesselbach einen Gleitschirmflugkurs zu absolvieren. Das zweitägige Programm, so berichten die gut gelaunten Teilnehmer, beginne wegen des heißen Wetters schon morgens um sieben Uhr. So könne wenigstens ein Teil der Übungen bei nicht allzu großer Hitze stattfinden.

Das Wetter hat viele Menschen veranlasst, sich in den eigenen Garten zurückzuziehen. Im Garten von Familie Achatzi steigt an diesem Tag eine Pool-Party.

Eigentlich ist der „Pool” nur ein aufblasbares Plantschbecken, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Im Schatten von Bäumen und im Wasser lassen es sich Gastgeber Peter Achatzi (21) und seine Freunde gut gehen, hören Rockmusik der härteren Gangart und grillen.

Die Idee zu der Party hatten Achatzi und seine etwa zehn Gäste am Tag zuvor. Das Becken kauften sie einem Kumpel ab, im Baumarkt besorgten sie sich einen Schlauch, den sie vom Haus in das Becken verlegten und durch den sie jederzeit frisches Wasser nachpumpen können. Es wird viel gelacht und die Vorfreude auf den weiteren Sommer ist bei Achatzi und seinen Freunden groß.

von Benedikt Bernshausen und Björn-Uwe Klein

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