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Ab Freitag haben Hobbys Vorrang

Verabschiedung Ab Freitag haben Hobbys Vorrang

Tausende Schülerinnen und Schüler aus Laasphe und dem Hinterland entließ Winfried Damm aus der Schule in einen neuen Lebensabschnitt. Morgen geht der Schulleiter nun selbst von Bord.

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Winfried Damm lehnt an der Betonkugel, die die Sonne des Planetenlehrpfades darstellt.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Bad Laasphe. Vom Parkplatz an der Amalienhütte sind es nur wenige Gehminuten bis zur Sonnenkugel des Planetenlehrpfads. Mit jedem Schritt sammeln sich Erinnerungen in den Gedanken von Winfried Damm – sofort beginnt der Oberstudiendirektor zu plaudern. Das bekannte Großprojekt hat der Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe von Beginn an begleitet.

Auf dem Weg zwischen Sonne und Erde erinnert er an spannende Schülerversuche im Gelände zu besonderen Ereignissen, wie der Marsannäherung oder der Sonnenfinsternis. Er spricht von Begegnungen mit Besuchern der Stadt, von lustigen Anekdoten und berichtet Wissenswertes: „Wenn wir auf diesem Weg laufen, sind wir dreimal so schnell wie das Licht.“ Er schmunzelt: „Mit jedem Schritt werden wir also jünger!“

Bisheriger Stellvertreter übernimmt

Ein wunderbares Gedankenspiel. Doch tatsächlich lässt sich die Zeit weder anhalten, noch zurückdrehen. Und so nähert sich unaufhaltsam der Tag des Abschieds von seiner Schule: An diesem Freitag geht der 63-Jährige nach beinahe 40 Dienstjahren – 38 davon in Bad Laasphe – in den Ruhestand. Im Februar übernimmt sein bisheriger Stellvertreter, Studiendirektor Karsten Holz, die Leitungsgeschäfte an der größten Schule der Stadt.

Winfried Damm ist 1951 in Friedensdorf geboren und auf dem Bauernhof der Familie aufgewachsen. Schon nach dem Besuch der Volksschule führte sein Weg in die Lahnstadt – zunächst als Schüler.

„Der erste Tag nach den Osterferien 1965 war mein erster Schultag in Laasphe“, erinnert sich Damm. Die Schule, die damals noch Aufbaugymnasium ab der achten Klasse war, befand sich im jetzigen Haus der Jugend. In der alten Turnhalle hatte damals der Schulgottesdienst zur Begrüßung stattgefunden. Begünstigt durch die beiden Kurzschuljahre in den Jahren 1966/67 – bis dahin begann ein Schuljahr nach Ostern, später nach den Sommerferien – brauchte der junge Kerl aus dem Hinterland nur fünf weitere Jahre bis zum Abitur. Während dieser Zeit festigte sich der Wunsch, Lehrer werden zu wollen. Er hatte davor auch mit anderen Berufen, etwa der Landwirtschaft, geliebäugelt. Denn auf dem Hof der Familie war er in alle Prozesse eingebunden.

„Viehzucht, Ackerbau, Wiesen- und Waldwirtschaft. Das hat mir in meiner Jugend viel Spaß gemacht“, verrät Winfried Damm. Nach dem Abitur begann er in Marburg mit dem Studium, Mathematik und Geographie. Zur Auswahl seiner Fächer sagt er: „Solange ich zur Schule ging, war Mathematik mein Lieblingsfach. Auch Erdkunde hat mich immer interessiert!“ Er studierte zehn Semester, wurde am 1. August 1975 am Studienseminar in Gießen vereidigt.

Ehemalige Lehrer nehmen den Kollegen gut auf

Anderthalb Jahre war er danach Referendar in Herborn, wurde schließlich am 1. Februar 1977 Studienrat an „seinem“ Laaspher Gymnasium – im Alter von 25 Jahren. Vom Kollegium, dem viele seiner ehemaligen Lehrer angehörten, wurde der damals junge Mann gut aufgenommen. Bis heute seien besonders die Eindrücke der ersten Lehrerjahre sehr präsent.

„Ich weiß noch ganz genau, wer in diesen ersten Klassen saß“, sagt der Schulleiter. Früh unterrichtete er Leistungskurse und ist froh, dass er seine Schüler darin nicht so sehr erschreckte, dass einige sogar selbst Mathematik studierten und Lehrer wurden. Prominenteste Beispiele seien die Realschulrektoren aus Berleburg und Dautphetal, Manfred Müller und Harald Becker, die sogar im selben Kurs gesessen hatten.

Schon im siebten Jahr am „Städtischen“ wurde der Wahl-Laaspher zum Studiendirektor und schließlich am 1. August 1988 als Nachfolger von Schulleiter Meinolf Gathmann zum Oberstudiendirektor ernannt. Doch mit dem beruflichen Aufstieg veränderte sich das Tätigkeitsfeld. An die Stelle des Unterrichtens, das ihm große Freude bereitete, traten Verwaltungs- und Leitungsaufgaben. Für die Lehre blieb nur wenig Zeit: Im aktuellen Schuljahr waren es nur sechs Wochenstunden in der Oberstufe.

Erfolge der Schüler waren seine besten Momente

Trotz der großen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich aus seiner Position ableiteten, habe er sich manchmal tatsächlich gewünscht, mehr Lehrer als Leiter sein zu dürfen. Letztlich hat der Friedensdorfer während des Vierteljahrhunderts im höchsten Lehreramt das Städtische Gymnasium wohl mehr geprägt, als seine Vorgänger in der 92-jährigen Schulgeschichte.

Zufrieden und stolz blickt er zurück auf Auszeichnungen, auf besondere Ereignisse. Unvergesslich bleibt eine Reise nach San Francisco, wohin Damm eine Schülergruppe, die einen Programmier-Wettbewerb gewonnen hatte, begleiten durfte. Die großartigsten Momente seien aber die persönlichen Erfolge von Schülern gewesen, die trotz schwieriger Prognosen ein gutes Abitur machten.

Daneben gab es schwere Stunden – allen voran der Unfall einer Schülergruppe im Jahr 1995. Damals war ein Reisebus mit Laaspher Gymnasiasten in der Toskana in einen Fluss gestürzt.

„Dieser Tag hat mich sehr beschäftigt, das war ein schlimmes Erlebnis“, sagt Winfried Damm nachdenklich. Er war am frühen Morgen informiert worden. Details kannte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Dennoch lief die einzige Telefonleitung der Schule heiß: Eltern, Medien. Alle hatten dringende Fragen. Die erlösende Nachricht kam erst später am Tag: Alle Schüler, zum Teil schwer verletzt, überlebten das Unglück.

Die Schule war während der vergangenen vier Jahrzehnte der Dreh- und Angelpunkt des Lebens von Winfried Damm.

Damm freut sich auf mehr Zeit für Hobbys

„Der Beruf hat mich so sehr beansprucht, dass ich nur wenige Hobbys pflegen konnte“, verrät der 63-Jährige. Zeit nahm er sich wenigstens für häufige Jogging-Runden auf dem Planetenlehrpfad zwischen Saturn und Sonne und wenn möglich für die Fußballspiele seines Sohnes Johannes.

Das erste Projekt im Ruhestand wird der Umzug nach Herborn sein. Dort unterrichtet seine Frau an der Realschule. Zwischen die positiven Gefühle des Aufbruchs in einen neuen Lebensabschnitt mischt sich auch Unsicherheit. Der Beruf werde zunächst eine Lücke hinterlassen, vermutet Winfried Damm.

„Bisher wusste ich immer, was ich zu tun hatte. Doch wie wird es sein, wenn ich das nicht mehr weiß?“ Deshalb will er sich in der „Fachwerkstadt“ rasch neue Aufgaben suchen. Er denke etwa an Arbeit mit Flüchtlingen und Zuwanderern, wenn sich in der Gegend ein passendes Umfeld dafür findet.

Er will sich auch für Flüchtlinge einsetzen

„Wenn ich Menschen helfen kann, sich in diesem Land einzuleben und zurechtzufinden, dann werde ich mich einbringen“, betont Damm. Außerdem liebe er es, sich mit neuen und spannenden Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Direkt in der ersten Woche nach dem Umzug, wird in Herborn ein ehemaliger Lehrer aus seinem Referendariat einen Vortrag über „Einsteins Universum“ halten.

„Da gehe ich natürlich hin“, sagt der leidenschaftliche Astronom. Zurück an der Sonnenstation. Winfried Damm lehnt an der Beton-Kugel, die regelmäßig Pflege braucht.

„Alle zwei Jahre muss die Sonne gestrichen werden. Bisher habe ich das gemacht“, erzählt er – und ergänzt: „Aber das kann ich ja auch weiterhin erledigen.“ Herborn ist nicht aus der Welt. Auf den letzten Metern zum Auto blickt er auf die verbleibenden Tage im Schuldienst: Am Donnerstag werde er offiziell verabschiedet, am Freitag trete er ein letztes Mal vor die Schulgemeinde. „Und dann ist Schluss!“

von Benedikt Bernshausen

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