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65 Bürger wollen Anteile erwerben

Informationsveranstaltung 65 Bürger wollen Anteile erwerben

Bereits nach der Informationsveranstaltung zur Gründung der "Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach" gaben 65 von etwa 80 anwesenden Personen eine positive Interessensbekundung ab.

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Gespannt verfolgen die Zuhörer im Dorfgemeinschaftshaus in Herzhausen die Informationsveranstaltung zur Gründung einer Energiegenossenschaft. Dirk Reuter referierte zum Thema.

Quelle: Gianfranco Fain

Herzhausen. Am Montag fand unter der Leitung von sechs Initiatoren im Dorfgemeinschaftshaus eine Informationsveranstaltung zur Gründung der „Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach“ statt. Die Referenten Gernot Wege und Dirk Reuter stellten die Gründung einer Energiegenossenschaft unter dem Motto „Energie aus der Region, für die Region“ als Chance dar.

Reuter führte aus, dass ein Großteil der „windhöfigen“ Flächen im Privatbesitz ist und sich zwischen den Ortschaften Herzhausen, Sinkershausen, Bellnhausen, Diedenshausen und Runzhausen befindet. Seitens der Gemeinde Dautphetal hatten in diesem Jahr bereits zwei Informationsveranstaltungen stattgefunden. Reuter erläuterte, dass die Gemeinde über das Ausweisen von Flächen für Windkraftanlagen eine bauleitplanerische Absicherung anstrebe, da ansonsten eine Bebauung überall dort möglich sei, wo im Regionalplan Flächen ausgewiesen werden.

Sowohl die Gemeinde Dautphetal, als auch die Stadt Gladenbach beabsichtigen, einen interkommunalen Flächennutzungsplan für die Vorrangfläche Nummer 3123 (Teilflächen von Herzhausen, Bellnhausen, Sinkershausen, Diedenshausen und Damshausen) noch im Dezember zu beschließen. Bereits am 18. Dezember soll von der Regionalversammlung die Offenlegung des Regionsplans beschlossen werden.

Aufgrund dieser sich abzeichnenden Fakten bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass in Kürze Baurecht vorhanden sei. Geradezu riskant sei allerdings eine Verhinderung von Windkraftanlagen durch kategorische Ablehnung. Vielmehr sei es eine Option, die Zügel in die Hand zu nehmen, um durch die Gründung einer Energiegenossenschaft die eigenverantwortliche Gestaltung des Standorts für Windkraftanlagen zu übernehmen und dadurch Fremdinvestoren auszuschalten.

Die Energiegenossenschaft pachte direkte oder indirekte Flächen für den Bau von Windkraftanlagen an, sichere die gerechte Verteilung der Pachterträge zu, organisiere die Informationen mit Vorträgen und Ortsbesichtigungen. Ferner werde die Wirtschaftlichkeit und die Definition der Anzahl, der Abstand zu den Ortslagen, die Erstellung eines Gutachtens über die Windhöfigkeit, die Berücksichtigung der Eingriffe in die Natur sowie die Definition der Zufahrtswege und Trassen und letztendlich der Beschluss oder die Ablehnung von Windkraftanlagen durch die Genossenschaft geregelt.

Die Energiegenossenschaft sehe eine breite Bürgerbeteiligung vor. Das Stimmrecht sei dabei nicht auf die eingebrachte Fläche ausgelegt, sondern jedes Mitglied habe eine Stimme. Die Wertschöpfung bleibe in der Region mit Pachtzahlungen an die Flächeneigentümer, Rendite an die Mitglieder, Förderung regionaler Projekte in den Orten und Gewerbesteuerzahlung an die Kommune.

Reuter führte weiter aus, dass eine Finanzierung der Genossenschaft durch Mitgliedschaft (Anteilshöhe 100 Euro bei maximal 100 Anteilen pro Mitglied), durch Nachrangkapital und Fremdkapital erfolgt. Er stellte den etwa 80 Besuchern die Agenda vor: Erstellung des Satzungsentwurfes bis Ende Januar 2013, Gründungsversammlung mit Verabschiedung derselben und Bestellung des Aufsichtsrates im Februar 2013. Noch im gleichen Monat soll die Vorstandsbestellung durch den Aufsichtsrat, die Gründungsprüfung durch einen Prüfungsverband bis Ende März 2013 und dann die Eintragung in das Handelsregister erfolgen. Sollte es zur Gründung der Energiegenossenschaft zeitnah kommen, so könne diese nach dem Zeitplan ihre Geschäftstätigkeit bereits im zweiten Quartal 2013 aufnehmen. Aus der Energiegenossenschaft könnten vielfältige weitere Geschäftsfelder, wie Photovoltaik, Geothermie, Elektromobilität, Bioenergie oder Nahwärmeversorgung entstehen.

Fazit dieser Informationsveranstaltung ist und darüber zeigten sich die Initiatoren sehr erfreut, dass von den etwa 80 Zuhörer bereits 65 eine Interessensbekundung an einer Energiegenossenschaft bekundet haben.

Nach der Veranstaltung hatten die Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sich unter anderem auch mit der Haftung, beziehungsweise der Zeichnung von Anteilen befassten. Auch wollte ein Bürger wissen, wie hoch das Eigenkapital der Genossenschaft sein müsse, was Reuter auf 20 Prozent bezifferte. Es wurde gefragt, ob es ähnliche Modelle gibt. Die Antwort lautete: in Schönstadt und Oberrosphe.

Interessant war auch das Argument, die Bürger „in das Boot zu holen“, die eine Kontrastellung zur Windkraft haben. Dieter Jurkat mahnte die Risiken von Windkraftanlagen an, die derzeit „wie ein goldenes Kalb durch das Land getrieben werden“ und führte aus, sich auch an anderen Orten zu orientieren, die energieautark seien.

von Helga Peter

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