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6357 Unterschriften hinterlassen Eindruck

Ärztlicher Bereitschaftsdienst 6357 Unterschriften hinterlassen Eindruck

Im Tauziehen um die angedrohte Schließung der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentralen im Hinterland und Ostkreis übergaben am Donnerstag und Freitag Gladenbacher Sozialdemokraten in Frankfurt Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung das Ergebnis ihrer Unterschriftensammlung während Gladenbachs Bürgermeister die Resolution der Hinterländer Gemeindevertretungen überbrachte. Am Freitagabend stellten dagegen die Ärztevertreter des Landkreises ihr Projekt in Marburg vor.

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Bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Frankfurt überreichte Peter Kremer die Unterschriftenlistet. Die Resolution der Hinterländer Gemeinden gegen die Schließung der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentralen überbrachte Gladenbachs Bürgermeister Klaus-Di

Quelle: Privatfoto

Gladenbach. Zwei Delegationen, zwei Empfindungen. Man sei am Freitag nicht mit einem so schlechten Gefühl aus Frankfurt zurückgekehrt, wie offensichtlich der Gladenbacher Bürgermeister tags zuvor, erklärte Peter Kremer. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD fuhr mit Mitgliedern der Fraktion zur Kassenärztlichen Vereinigung, um die 6357 gesammelten Unterschriften gegen die geplante Schließung der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentrale in Gladenbach zum 1. April zu übergeben.

Eine Bestätigung brachte die Gladenbacher Delegation mit: Sowohl das große öffentliche Interesse als auch die Aktionen und Diskussionen hätten neben der Vakanz des KV-Vorstandes bewirkt, dass die Reform des Bereitschaftsdienstes in der vorgestellten Form noch nicht beschlossen sei.

In angenehmer Atmosphäre sei in zwei Stunden zum Teil auch kontrovers diskutiert worden, berichtet Kremer. Den Argumenten für eine Reform - wie die Übernahme von Landpraxen durch junge Ärzte attraktiver zu machen oder eine vermeintliche Verbesserung der Versorgung - mochte die SPD-Abordnung nicht teilen. Sie hielt mit der Besorgnis dagegen, dass in Gladenbach ein funktionierendes System demontiert wird und es für die ländliche Bevölkerung zu einer Verschlechterung der Versorgung kommen kann. Die Gladenbacher erhielten von Andreas Beierle, Leiter der Verwaltung Ärztlicher Bereitschaftsdienst (ABD) bei der KV Hessen, die Zusicherung, dass er die Unterschriftenliste an Vorstand und Vertreterversammlung weiterreicht.

„Wir sind jedenfalls nicht hoffnungslos aus Frankfurt nach Hause gefahren“, sagt Kremer. „Aber wir dürfen jetzt nicht einhalten und müssen weitere Gespräche führen - auch mit der betroffenen Ärzteschaft.“

Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim hat dagegen wenig Hoffnung, dass die Zentralisierung aufzuhalten sei. Er übergab am Donnerstag in Frankfurt die von den Hinterländer Kommunen verfasste Resolution, musste aber in einer knappen Stunde, in der die Sorge über eine Verschlechterung der Versorgung im ländlichen Raum vorgebracht wurde und dass eine Zentralisierung an einem statt bisher vier Standorten zur Überlastung der verbleibenden Zentrale in Marburg-Wehrda führen würde, erfahren, dass die KV in der Reform die Möglichkeit sieht, dem ärztlichen Nachwuchs eine Landpraxis schmackhafter zu machen.

Voraussichtlich keine Schließung zum 1. April

Auf Anfrage der OP erklärte Karl Matthias Roth, dass die Vertreterversammlung der KV Hessen an diesem Samstag über die Strukturreform diskutiert. Es werde aber keine Entscheidung erwartet. Diese gibt aber den Rahmen für eine Änderung auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf vor. Trotzdem erläuterte am Freitagabend ein KV-Obmann die Pläne der Ärzteschaft des Kreises.

Bekannt war, seit die OP über die geplanten Veränderungen berichtete, dass die ÄBD-Zentralen in Gladenbach, Biedenkopf zum 1. April und Stadtallendorf zu einem späteren Zeitpunkt geschlossen werden sollen und der Dienst für noch mobile Patienten in der Bereitschaftszentrale im Krankenhaus Marburg-Wehrda zusammengefasst wird. Für die nicht mehr fahrtüchtigen Erkrankten sollen vier sogenannte Hausbesuchs- oder Fahrdienste die Patientenversorgung am Abend und in der Nacht sowie an den Wochenenden gewährleisten. Die Entscheidung, ob ein Patient sich auf den Weg machen muss oder ein Arzt zu ihm fährt, fällt bei einem Telefonat mit der Zentrale in Wehrda.

Nach der „Gesundheitskonferenz“ am Freitagabend sehen die Beteiligten die Lage etwas entspannter. Denn es ist nun klar, dass mit einer Änderung erst im zweiten Halbjahr zu rechnen ist. Bis dahin sollen in weiteren, kleineren Gesprächsrunden Details geklärt werden.

Ziel aller Beteiligten sei die Sicherung des ÄBD hinsichtlich Qualität und Erreichbarkeit sowie die Attraktivitätssteigerung für junge Ärzte, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern. Knierim findet die Bildung dieses „Arbeitskreises“ gut, weil die Bedenken der Bürgermeister am Freitag nicht ausgeräumt wurden. Sein Biedenkopfer Kollege Joachim Thiemig enthält sich einer Bewertung, bis die Erläuterungen schriftlich vorliegen, verstanden und diskutiert seien.

nDie SPD-Delegation bildeten: Carmen Pflug, Brunhilde Becker, Robby Jahnke, Hans-Bernhard Schwarz und Peter Kremer. Gladenbachs Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim wurde vom Stadtverordnetenvertreter Hans-Hermann Ullrich begleitet.

von Gianfranco Fain

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