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3900 Euro Strafe nach Internetchat mit Kindern

Gericht 3900 Euro Strafe nach Internetchat mit Kindern

Weil er im Internet gezielt versuchte, mit Kindern sexuelle Kontakte zu knüpfen, musste sich ein Mann aus dem Hinterland am Donnerstag erneut vor dem Marburger Landgericht verantworten.

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Ein Mann tippt auf seinem Laptop. Ein Hinterländer suchte Kontakt mit Kindern übers Internet.Foto: Pixelio/Alexander Klaus

Quelle: unknown

Marburg . In den Jahren 2009 und 2010 hatte der heute 35-jährige Angeklagte regelmäßig Minderjährige in öffentlichen Kinder-Netzwerken online angeschrieben, versuchte sich mit ihnen anzufreunden und Treffen zu vereinbaren. Mehr als 4500 Chat-Einträge liegen dem Fall zugrunde. In diesen finden sich neben normalen Unterhaltungen auch zahlreiche mit sexuellen Inhalten.

Davon wurden zwei Fälle exemplarisch vor Gericht erörtert. Im ersten hatte der Mann versucht einen 12 Jahre alten Jungen zu einem Treffen zu überreden. In den Chat-Einträgen, die vor Gericht verlesen wurden, betonte der Angeklagte immer wieder, dass er harmlos sei, dem Jungen „nichts antun“ wolle und nur einen Freund suche. Das Gespräch drehte sich schließlich auch um Sexualität. Der Angeklagte fragte, ob der Junge daran Interesse hätte. Er bot dem Zwölfjährigen sexuelle Kontakte an, wenn der Junge einverstanden sei.

Ähnliches zeigte sich in einem anderen Fall. Der Angeklagte chattete mit einem 13 Jahr alten Mädchen, bot ihm Ganzkörpermassagen an und versuchte, einen Besuch zu arrangieren. Er fragte mehrmals nach, wann das Mädchen alleine zu Hause sei.

Das Mädchen verriet ihm schließlich die Adresse. Daraufhin fuhr der Angeklagte in die mehrere Autostunden entfernte Stadt. Am Wohnort des Mädchens traf er jedoch die Mutter an, die ihn umgehend aufforderte zu gehen. Daraufhin, sowie anhand der Kontrollen der Chat-Betreiber fielen die Taten des Mannes auf und es kam zur Anklage.

Die verhandelte Straftat sexueller Kindesmissbrauch mittels Einwirkung durch Schriften ist juristisch betrachtet jedoch ein kompliziertes Unterfangen. Die Gesetzesgrundlage ist relativ neu und der tatsächliche Versuch nur schwer zu belegen. Ende 2011 sprach das Marburger Amtsgericht den Angeklagten zunächst frei. Die Staatsanwaltschaft legte daraufhin Berufung ein. Auch das folgende Verfahren am Landgericht Ende 2012 ergab einen Freispruch. Nach einem Revisionsantrag hob das hessische Oberlandesgericht in Frankfurt in dritter Instanz schließlich das erste Urteil auf und verwies den Fall Mitte dieses Jahres zurück an das Landgericht. Vor diesem sagte der Mann am Donnerstag erneut aus. Er gab die Taten und seine pädophilen Neigungen zu. Zu körperlichen sexuellen Kontakten mit Kindern soll es jedoch nie gekommen sein.

Der seit seiner Geburt an einem Hirnschaden erkrankte Mann nahm bereits im Jahr 2010 mehrere Monate an einer Therapie teil. Ein psychiatrisches Gutachten bestätigte damals die vorliegende Pädophilie sowie eine, durch den Hirnschaden verursachte, Intelligenzminderung und damit eine verminderte Schuldfähigkeit. Er würde nie gegen den Willen der Kinder handeln, betonte der Angeklagte, auch wenn er den Wunsch nach sexuellem Kontakt verspüre.

In ihrem Plädoyer wies Staatsanwältin Ortmüller darauf hin, dass er bei Zustimmung das Angebot sehr wahrscheinlich angenommen hätte. Er sei prinzipiell bereit, sich des sexuellen Missbrauchs an Kindern schuldig zu machen und habe schon beim Verfassen der Schriften darauf hingearbeitet.

Sein Mandant habe dieses Verbot mittlerweile verstanden und sich in den vergangenen Jahren bewährt, betonte hingegen der Verteidiger. Der Angeklagte schreibe nicht mehr in Kinder-Netzwerken und habe sich nun „im Griff“. Das Problematische an diesem Fall sei, dass hier „ein Kind im Körper eines Mannes“ vor Gericht stünde. Kontakt zu Erwachsenen gestalte sich immer noch schwierig, sodass er sich zu jüngeren Menschen hingezogen fühle, sagte der Verteidiger.

Die fünfte kleine Jugendkammer des Landgerichts hob das Urteil des Amtsgerichts schließlich auf und verurteilte den Angeklagten wegen sexuellem Missbrauchs an Kindern in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 3900 Euro.

von Ina Tannert

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