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33 Monate Haft für Betrügerin

Aus dem Schöffengericht 33 Monate Haft für Betrügerin

Zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten wurde eine einschlägig vorbestrafte Betrügerin aus dem Hinterland verurteilt.

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Mit der gestohlenen Bankkarte einer Bekannten ging eine 44-jährige Angeklagte aus dem Hinterland im Internet auf Einkaufstour, wie dieses Symbolfoto demonstrieren soll. Zudem bestellte sie Waren unter falschem Namen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Marburg. Auf das Konto der Angeklagten gehen nicht zum ersten Mal mehrfacher Betrug, Diebstahl und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Eine Chance für eine weitere Bewährung für die Wiederholungstäterin sah das Marburger Schöffengericht dieses Mal nicht.

Seit Jahren muss sich die Angeklagte aus einer Hinterländer Gemeinde regelmäßig wegen einschlägiger Taten verantworten, die Vorstrafen der Frau reichen mehr als 15 Jahre zurück, zuletzt stand sie 2012 wegen Betrugs vor Gericht, befand sich zum aktuellen Tatzeitraum unter mehreren Bewährungsstrafen.

Das hielt die 44-Jährige nicht davon ab, vor rund zwei Jahren eine von einer Bekannten gestohlene EC-Karte für diverse Einkäufe zu benutzen.

Hohe Rückfallquote

Außerdem bestellte sie unter Angabe fremder Bankdaten Waren bei verschiedenen Versandhändlern und nahm unter falschem Namen verschiedene Dienstleistungen in Anspruch. So bestellte die dreifache Mutter unter anderem Möbel oder Spielzeug und nahm regelmäßig die Dienste einer astrologischen Beraterfirma in Anspruch. Für eine Begleichung der Rechnungen gab sie jedoch stets die Kontodaten von Familienmitgliedern, Bekannten, Geschäften oder Arztpraxen an. Auf diese Weise prellte sie die Firmen um mehr als tausend Euro, während die tatsächlichen Kontoinhaber mit Anklagen belangt wurden.

Auffällig bei der Betrügerin war in der Vergangenheit eine schnelle Rückfallquote – jedes Mal nach einer neuen Verurteilung, stellten die Prozessbeteiligten gestern fest. Davor und während eines laufenden Ermittlungsverfahrens wurde sie hingegen nicht erneut straffällig, benötigte anscheinend den Druck der drohenden Verhandlung, um sich zurückzuhalten. Ein vom Gericht beauftragter psychiatrischer Sachverständiger sah gewisse Auffälligkeiten im Verhalten der chronisch handelnden Wiederholungstäterin.

Aufgrund der hohen Anzahl an Straftaten und der Rückfallquote der Frau gebe es bei ihr Hinweise auf „dissoziale Neigungen und ein fehlendes Unrechtsbewusstsein“, erklärte der Gutachter.
Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit stellte der Experte nicht fest. Er geht nicht davon aus, dass sich das Verhalten der Frau in Freiheit und ohne einschneidende Sanktion bessern wird und befürwortete eine Sozialtherapie innerhalb einer Haftstrafe.

Straftaten sind wie ein „roter Faden“

Dem schloss sich die Staatsanwaltschaft an. „Sie leben auf Kosten anderer und nutzen diese aus“, fasste Oberamtsanwalt Peter Heinisch die strafrechtliche Vergangenheit der Frau zusammen. Obwohl verschiedene Gerichte in den vergangenen Jahren „äußerst viel Langmut“ mit ihr zeigten, hätten alle Sanktionen und zweite Chancen nicht gefruchtet. Im Rahmen einer gerichtlichen Verständigung beider Seiten stellte das Schöffengericht zwar einige geringfügige Delikte ein, für weitere Fälle sah der Anklagevertreter keinen Spielraum mehr. „Bis hierhin und nicht weiter“, lehnte Heinisch eine Bewährungsstrafe ab.

Dem widersprach Verteidigerin Jutta Ulrich, die auf die vergangenen zwei Jahre verwies, in denen ihre Mandantin nicht wieder straffällig wurde. Die Verteidigerin sprach sich für eine weitere Bewährungsstrafe mit strengen Auflagen aus, um der Angeklagten den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Diese gelobte Besserung: „Ich weiß, dass ich viel Mist gebaut habe.“ Unter Tränen bat die Beschuldigte um eine „weitere Chance“.

Anzeichen, dass sie es dieses Mal ernst meinte, sah das Schöffengericht aber nicht. Das betrügerische Verhalten der Angeklagten ziehe sich seit Jahren „wie ein roter Faden“ durch ihr Vorstrafenregister, stellte der Vorsitzende Richter Dominik Best fest. Nachhaltig beeindrucken ließ sich die Frau von vorangegangenen milden Urteilen scheinbar nicht, wurde stets wieder straffällig. Eine Haftstrafe sei die Konsequenz, „anders ist sie nicht mehr zu erreichen“, sagte der Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Ina Tannert

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