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33-Jähriger bedroht Schwangere

Amtsgericht 33-Jähriger bedroht Schwangere

Das Marburger Amtsgericht verurteilt einen Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro. Mit den 90 Tagessätzen blieb der Vorsitzende Richter 20 unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Marburg. Weil er seine schwangere Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung in einer Südkreisgemeinde geschlagen und mit dem Tode bedroht hat, verurteilte das Marburger Amtsgericht einen 33-Jährigen zu einer Geldstrafe in einer Gesamthöhe von 2250 Euro.

Am Ende der Verhandlung war allen Verhandlungsteilnehmern klar, dass sowohl die Tat, als auch deren Nachbereitung von großer Emotionalität geprägt waren. Täter und Opfer berichteten übereinstimmend von einem Geschehen, bei dem die beide Beteiligten nicht gerade zimperlich miteinander umgingen.

Unstreitig war, dass es am Abend des 25. September des vergangenen Jahres zu einem Streit kam, weil die Frau nicht einverstanden damit war, wie ihr Lebensgefährte mit ihrer Tochter umging. Er sei einfach zu streng mit ihr und es habe ständig Hausarrest gegeben.

An diesem Abend, so die Zeugin, habe das Kind am Tisch gespielt und sei von dem genervten Mann in ihr Zimmer geschickt worden, da habe es ihr gereicht und sie habe ihn angeschrien. Der Angeklagte gestand, die Frau im Verlaufe des Streits an den Haaren gezogen zu haben. Sie sei anschließend eine Zeit im Kinderzimmer verschwunden. Als sie hinaus gekommen sei, habe sie ihn mit der Aussage konfrontiert: „Deinen Bastard werde ich nicht auf die Welt bringen.“ Sie habe bereits Tabletten genommen und wisse nicht, ob das Kind noch lebe.

Er habe sie darauf hart angefasst und geschüttelt. Als sie nicht zur Ruhe gekommen sei, habe auch er gesagt, man müsse am nächsten Morgen einen Abtreibungstermin finden. Später habe er im Schlafzimmer seine Sachen gepackt, dabei sei es erneut zu Handgreiflichkeiten gekommen. Im gesamten Verlauf habe auch die Frau ihn attackiert, bevor er letztendlich gegangen sei.

Er habe nur geschubst, geschlagen und getreten habe er nicht. Lediglich der Wohnzimmertisch, auf den er vor Wut eintrat, habe deshalb die Frau getroffen, die wiederum betonte, sie sei direkt an den Oberschenkel getreten worden.

„Dass es soweit gekommen ist, tut mir leid“, betonte der Angeklagte, was Richter Dirk Schauß später zu seinen Gunsten als aufrichtige Reue wertete, ebenso, dass es seither zu keinem Kontakt mehr gekommen ist. Auch im Gericht habe er nicht den Eindruck gehabt, dass er irgendeinen Einfluss auf die Frau nehmen wollte, so Schauß. Während ihrer Aussage schaute der Angeklagte zumeist auf den Boden, die Zeugin selbst blickte er nicht einmal an.

Allerdings glaubte der Richter weitergehenden Anschuldigungen der Frau, die der Angeklagte bestritt. Wie die 26-Jährige berichtete, habe der Mann zunächst gesagt, er wolle, dass das Kind abgetrieben werde. Erst als sie die erfundene Geschichte mit den Tabletten gebracht habe, hätte er ihr gedroht, sie umzubringen, sollte dem Fötus etwas zugestoßen sein. Sie habe gar nicht mehr gewusst, was er eigentlich wolle.

Letztlich habe er sogar ein Küchenmesser geholt und damit gedroht. Sie habe zu ihm gesagt: „Du bist kein Mann, wenn Du eine schwangere Frau mit einem Messer bedrohst.“ Dies sei eine starke Beleidigung für einen „Macho“, wie den Angeklagten, hob sein Rechtsanwalt hervor, der betonte, dass das Paar seine Konflikte auch wegen unterschiedlicher Weltauffassungen gehabt habe.

Wie der Verteidiger mutmaßte, könne sich die Frau die Situation mit dem Messer ausgedacht haben, weil es im Vorleben seines Mandanten einmal zu einer ähnlichen Situation gekommen sei. Im Übrigen gebe es klare Belastungstendenzen, schließlich habe die Zeugin hervorgehoben, „ich will nur, dass er seine gerechte Strafe bekommt“.

Das Gericht befand die Aussage der Frau jedoch glaubhaft. Es sei ihr Recht, eine Strafe zu wollen, wenn sie Anzeige erstatte. Und anders als in anderen Fällen, gehe es ihr schließlich nicht darum, ein möglichst hohes Schmerzensgeld zu erhalten, wie sie ausdrücklich betont habe.

Mit 90 Tagessätzen blieb Schauß 20 unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Dies sei nämlich die Grenze, bevor ein Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis erfolge, erläuterte der Richter, und er wolle dem Mann bei seinem beruflichen Werdegang keine Steine in den Weg legen.

von Heiko Krause

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