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32 Mal Waren bestellt, ohne zu zahlen

Aus dem Jugendschöffengericht 32 Mal Waren bestellt, ohne zu zahlen

Obwohl er bereits als zahlungsunfähig galt, bestellte ein Hinterländer Waren im Wert von mehr als 31.000 Euro im Internet. Wegen Betrugs wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Das Jugendschöffengericht verurteilte einen 20-jährigen Wiederholungstäter wegen Online-Betrugs zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung.

Quelle: Arno Burgi / dpa

Marburg. Insgesamt 32 Mal bestellte der Angeklagte zwischen Dezember 2013 und März 2014 online hochwertige Fertigungsteile für Automatisierungstechnik. Dem 20-Jährigen war dabei bewusst, dass er die Waren nicht bezahlen konnte – erst kurz zuvor hatte er eine eidesstattliche Versicherung abgelegt, seine Privatinsolvenz eingestanden.

Trotzdem ließ er sich wiederholt Waren liefern, verwendete dabei den Namen einer nicht existenten Firma, mit der Absicht „sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen“. Darauf lautet die Anklage.
Während der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht am Dienstag gab der Angeklagte die Vorwürfe zu. Aus den bestellten Teilen wollte der Handwerker kleine Fräsmaschinen bauen und weiterverkaufen, erklärte er. Diese Geschäftsidee sollte ihn aus seiner finanziellen Misere bringen.

Den falschen Firmennamen nutze er, um überhaupt etwas bestellen zu können, nicht aus Verschleierungstaktik, erklärte Verteidiger Stefan Adler. Sein Mandant habe versucht „etwas auf die Beine zu stellen“, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Schlussendlich stellte sich heraus, dass die Idee nicht funktionierte.

Dass der Versuch blauäugig und nicht eben durchdacht war, sei ihm heute bewusst. „Wirklich ausgegoren war das Konzept nicht“, stellte auch der Vorsitzende Richter Cai Adrian Boesken fest. Dies hätte dem junge Mann früher klar werden können, stattdessen orderte er noch wochenlang weiterhin Waren, ohne sie zu bezahlen, sagte er.

Besonders übel nahm das Gericht dem bereits polizeilich bekannten Angeklagten den wiederholten Betrug. Im Januar 2014 stand der Angeklagte schon einmal wegen ähnlicher Vergehen vor Gericht. Auch damals musste er sich wegen gewerbsmäßigem Betrug in mehreren Fällen verantworten, er hatte jahrelang Waren bestellt, ohne sie bezahlen zu können, war wegen persönlicher Probleme in eine Art Kaufrausch verfallen. Damals erhielt er eine Bewährungsstrafe, beteuerte während der Verhandlung Besserung. Noch am selben Tag bestellte er weitere Fertigungsteile.

Neue Taten überraschen Bewährungshelfer

„Das ist wirklich oberdreist“, sagte Boesken. Der Angeklagte hätte das Gespräch mit dem Gericht suchen können, um „die Notbremse zu ziehen“. Stattdessen verursachte er weitere 20.000 Euro Schulden, noch bevor die vorherige Schadenswiedergutmachung aus dem ersten Verfahren abgegolten war.

Auch die Bewährungshilfe zeigte sich überrascht über die erneuten Taten des Angeklagten. Bisher sei man zufrieden mit dem Werdegang des Angeklagten, teilte ein Vertreter der Bewährungshilfe mit. Ob der recht blauäugigen Tat schlug der Betreuer ein letztes Mal eine Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht für den Heranwachsenden vor.

Dem schloss sich Staatsanwalt Johannes Stochel an und sprach sich für ein mildes Urteil aus. Er forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten für den Wiederholungstäter. Dessen Handlungen seien „in betrügerischer Absicht und mit erheblichem Sachschaden“ geschehen, schädliche Neigungen seien nicht mehr auszuschließen, sagte er.

Das Schöffengericht verurteilte den Mann wegen gewerbsmäßigem Betrug und unter Einbeziehung des vorherigen Urteils zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt ist.

von Ina Tannert

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