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23-Jähriger verprügelt seine Mutter und ihren Freund

Amtsgericht Marburg 23-Jähriger verprügelt seine Mutter und ihren Freund

Aus Frust schlug und trat ein junger Mann aus Bad Endbach mit 1,8 Promille im Blut seine Mutter und ihren Lebensgefährten und bedrohte das Paar.

Marburg. Der Angeklagte lebte mit der Mutter und ihrem Lebensgefährten in Bad Endbach. Im Oktober 2012 in den späten Abendstunden trank der Angeklagte bei einem Bekannten Alkohol. Schon bevor er von dort nach Hause ging, kam es während eines Telefongesprächs zum Streit mit der Mutter. Vor der Wohnungstür sei es erneut zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen. Die Mutter habe dem Angeklagte mitgeteilt, dass sie überlege, ihn rauszuwerfen, erzählte der Beschuldigte vor Gericht. „Ich war frustriert und emotional total fertig“, gab er an.

Dies bestätigte seine Mutter, die als Zeugin aussagte, nicht. Sie habe den betrunkenen Sohn nicht ins Haus lassen wollen, sagte sie, und die Tür wieder verschlossen. Sie habe Angst gehabt, dass er weiter ausrastet, erzählte sie stockend.

Der wütende Angeklagte schlug die Tür ein und verschaffte sich Zutritt zum Haus. Dann eskalierte die Situation. Er schlug seiner Mutter mehrmals ins Gesicht und drängte sie weiter in die Wohnung hinein. Dort schleuderte er sie mehrere Male brutal gegen einen Heizkörper und trat auf die am Boden Liegende ein. Dem Lebensgefährten der Mutter, der in das Geschehen eingriff, versetzte er einen Faustschlag und stieß ihn gegen die Wand. Dort schlug der Angeklagte wiederholt mit einer hölzernen Jonglierkeule auf Kopf und Körper des Mannes ein und warf ihn zu Boden. Dort trat er noch einige Male nach ihm. Während der Taten bedrohte und beschimpfte der Sohn das Paar. Die Mutter nahm ihm schließlich die Keule ab und floh zu einem Nachbarn. Dann rief sie die Polizei.

Die Beamten brachten den Mann in eine Ausnüchterungszelle, aus der er am folgenden Tag entlassen wurde. Einige Tage später soll der Angeklagte erneut, trotz Verbots, zu der elterlichen Wohnung gegangen sein. Dort habe er die Mutter und den Lebensgefährten bedroht. Er wolle wiederkommen und das Haus niederbrennen. Dies bestritt der Angeklagte. Zudem könne er sich nicht erinnern, seine Mutter geschlagen zu haben. Er habe sie aus der Wohnung geschickt. „Da ich nicht garantieren konnte, dass ihr nichts passiert.“

Als der Lebensgefährte auf ihn zu ging, habe er sich bedroht gefühlt. „Da ist es mit mir durchgegangen“, sagte er und gab zu, den Partner der Mutter mehrmals geschlagen zu haben. Die Geschädigten wurden bei der Auseinandersetzung verletzt, gingen jedoch nicht sofort zum Arzt. Eine spätere Untersuchung ergab bei dem Lebensgefährten ein schweres Hämatom am Kopf, das noch Wochen nach den Schlägen zu Kopfschmerzen führte. Die Mutter erlitt mehrere langanhaltende Schwellungen und eine Schulterverletzung. Sie muss eventuell aufgrund einer angerissenen Schultersehne operiert werden.

Bereits seit Jahren hat der Angeklagte ein Drogen- und Alkoholproblem. Der Vater starb als er zwölf Jahre alt war. Eine Zeit lang lebte er in einem Heim. Zu dem neuen Freund der Mutter habe er immer ein schlechtes Verhältnis gehabt. Es sei öfter zum Streit gekommen.

„Ich bin bei ihm schnell aufbrausend und überempfindlich“, gab der Angeklagte zu. Nach der Prügelattacke habe er aber niemandem mehr gedroht. Er sei einige Tage später noch einmal in die Wohnung gegangen, um Kleidung und andere Dinge zu holen. Danach habe er den Kontakt abgebrochen.

Nach einem Rechtsgespräch zwischen den Verfahrensbeteiligten wurde die Beweisaufnahme beendet. Dem Angeklagten wurde schließlich eine verminderte Schuldfähigkeit zugesprochen. Während seiner Taten hatte er einen Alkoholwert von rund 1,8 Promille. Richter Dominik Best verurteilte den Angeklagten schließlich wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie versuchter Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung.

von Ina Tannert

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