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2014 geht Breitband-Netz in Betrieb

Infoveranstaltung 2014 geht Breitband-Netz in Betrieb

Im Januar soll mit dem zweiten Bauabschnitt zum Ausbau des Hochgeschwindigkeitsdatennetzes im Hinterlandbegonnen werden.

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Im Bürgerhaus in Dautphe wurde über den Ausbau des schnellen Internets im Landkreis informiert.Foto: Benedikt Bernshausen

Quelle: Benedikt Bernshausen

Dautphe. Am Freitagmorgen hatte Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt die letzten Baugenehmigungen für die neuen, größeren Internet-Verteilerkästen, die im Gemeindegebiet aufgebaut werden sollen, unterschrieben. Der Ausbau von schnellem Internet im Landkreis Marburg-Biedenkopf geht rasch voran: Erst Mitte August hatte die von Landkreis und Gemeinden gegründete „Breitband GmbH“ einen Betreiber- und Kooperationsvertrag mit der Deutschen Telekom abgeschlossen, die sich verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren mehr als 95 Prozent aller Haushalte im Kreisgebiet mit Bandbreiten von wenigstens 25 (Mbit/s.) Megabit pro Sekunde zu versorgen. Davon ausgenommen ist die Stadt Marburg, die ein eigenes Ausbaukonzept verfolgt.

Von einer aus technischer Sicht „unglaublich spannenden Geschichte“ sprach Landrat Robert Fischbach, der kurz das Zustandekommen der Zusammenarbeit erklärte: „Wir hatten den Auftrag ausgeschrieben: Es gab fünf Interessenten, doch am Ende nur ein Angebot - das von der Telekom.“

Datenübermittlung im Schneckentempo

Da die Telekom vor Ort auf eine bestehende Infrastruktur aufbauen könne, seien etwa weniger Erdarbeiten nötig, als wenn die GmbH das Projekt aus eigener Kraft realisiert hätte. Sollte der Komplettausbau abgeschlossen sein, sei Marburg-Biedenkopf damit wahrscheinlich einer der ersten Landkreise in der Bundesrepublik und das Projekt deshalb auch ein Referenzprojekt für die Telekom, erklärte Geschäftsführer Klaus Bernhardt.

Schon im September hatten der erste Bauabschnitt begonnen - er reicht von Quotshausen über Breidenbach und Biedenkopf bis Engelbach, Oberasphe und Wolfgruben. Anfang 2014 soll der zweite Bauabschnitt, der Angelburg, Bad Endbach und die übrigen Ortsteile von Dautphetal und Steffenberg umfasst, erfolgen. Deshalb informierten die Verantwortlichen am Freitagabend im Dautpher Bürgerhaus über die Pläne. Derzeit gelingt die Versorgung mit schnellem Internet nur an wenigen Stellen im Kreis, in dem drei Datenübermittlungs-Technologien zum Einsatz kommen: vereinzelt Funk, selten Glasfaser- und meist Kupferkabel.

„Doch es gibt derzeit keine Alternative zur Glasfaser“, betonte Bernhardt. Das Problem langer Kupferleitungen sei, dass das Signal auf dem Weg vom Versorger zum Kunden mit jedem Meter schwächer werde. Trotzdem werden die Kupferkabel nicht ganz verschwinden. Auf der Strecke vom örtlichen Kabelverzweiger zum Hausanschluss werden die alten Kabel bleiben, allerdings in Zukunft die dann vergrößerten Verteilerkästen über Glaserfaserleitungen versorgt.

Erdarbeiten verschlingen 600 000 Euro pro Kilometer

„Wir beschränken die Nutzung der Kupferleitungen damit auf die letzte Meile“, berichtet David Schmidt vom regionalen Telekom-Infrastrukturvertrieb Mitte. Die Folge: Kürzere Kupferleitungen, weniger Verluste, schnelleres Internet. Derzeit „surfen“ von den 4400 Haushalten in Dautphetal drei Prozent ohne DSL. 43 Prozent verfügen nur über Geschwindigkeiten bis zu einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s), 15 Prozent bis zu 2, 20 Prozent bis zu 3 und weniger als 19 Prozent bis zu 16 (Mbit/s). Nach dem Ausbau werden - ohne die Berücksichtigung von möglicher Vectoring-Technologie (siehe Hintergrund) - bis zu 98 Prozent der Haushalte mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde im Internet surfen können, etwa 80 Prozent sogar mit Geschwindigkeiten zwischen 25 und 50 Mbit/s. Aus dem Raster fallen nur entlegene Siedlungen wie Carlshütte. „Es wäre zu teuer, die wenigen Haushalte mit Glasfaser zu versorgen. Trotzdem werden dort zwischen 6 und 16 Mbit/s verfügbar sein“, berichtet Schmidt.

Größter Kostenfaktor des Ausbaus sind die Erdarbeiten, für die rund 60000 Euro pro Kilometer anfallen. In Dautphetal werden 26 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, auf einer Länge von 15 Kilometern sind Erdarbeiten nötig - besonders in Buchenau, Elmshausen oder Silberg. Insgesamt werden 32 neue Schaltkästen mit moderner „Outdoor DSL-Technik“ aufgebaut.

„Ich bin sehr optimistisch, dass wir das Projekt in der vorgegebenen Zeit abschließen“, betont Schmidt. Schon im Juni sollen die Erdarbeiten, im Oktober die technische Realisierung abgeschlossen sein. Die Vermarktung wird ab September, die Inbetriebnahme des Hochgeschwindigkeitsnetztes im November 2014 erfolgen. Allerdings erfolgt die Umstellung auf schnelleres Internet nicht automatisch, sondern erst in Folge eines Auftrags vom Kunden - und der muss sich nicht an die Deutsche Telekom binden, sondern kann in dem so genannten „diskriminierungsfreien Netz“ im Landkreis seinen Anbieter auch weiterhin frei auswählen.

von Benedikt Bernshausen

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