Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
20 Messerstiche und offene Fragen

Bluttat 20 Messerstiche und offene Fragen

Einen Tag nach der Bluttat an einer 27-Jährigen herrscht in der Hinterland-Gemeinde Breidenbach noch Fassungslosigkeit. Polizei und Staatsanwaltschaft sind auf der Suche nach dem Täter und seinem Motiv. Gefahndet wird nach dem unter dringendem Verdacht stehenden Ehemann der 27-Jährigen.

Voriger Artikel
Tänzer bringen modernes Märchen auf die Bühne
Nächster Artikel
Opfer erstickt an eigenem Blut

Die Tür zum Tatort in der Breidenbacher Bachstraße wurde von der Polizei versiegelt. Am Sonntag kam hinter dieser Wohnungstür eine 27-Jährige gewaltsam ums Leben.

Quelle: Thorsten Richter

Breidenbach. In der Bachstraße kehrt am Tag nach der Bluttat allmählich wieder Ruhe ein. Vormittags drehen noch einige Fernsehteams vor Ort, um Bilder für ihre Berichte zum Tathergang zu haben, der zu dieser Zeit noch unbekannt ist. Die unter allen beteiligten Einsatzteams verhängte Nachrichtensperre hält. Die Marburger Polizei gibt nach dem Fahndungsaufruf von der Vornacht auch nur einen erneuten heraus: Der Tat verdächtigt wird der 31-jährige Ehemann, Muhittin C. (siehe FAHNDUNG).Weitere Einzelheiten gibt Annemarie Petri als Sprecherin der Marburger Staatsanwalt erst gestern Nachmittag bekannt, nachdem das Ergebnis der Obduktion vorliegt. Demnach ereignete sich das Tötungsdelikt am Sonntag vermutlich in der Zeit von 11 bis 11.40 Uhr. Oberkörper und Hals der 27-Jährigen weisen 20 Messerstiche auf, beide Halsschlagadern sind durchtrennt, die Luftröhre und auch die Speiseröhre durchstochen. Die Todesursache sei jedoch, dass die 27-Jährige an ihrem eigenen, eingeatmeten Blut erstickte.

Beziehungstat? Tatmotiv? Noch unbekannt

Ob es sich um eine Beziehungstat handelt, vermag Petri noch genauso wenig zu sagen, wie sie die Frage nach dem Tatmotiv beantworten kann. Fest stehe nur, dass die Tat in der Wohnung geschah, die vom Opfer gemietet war. Ob der gesuchte Ehemann, der einen gelben VW Beetle mit Wuppertaler Kennzeichen fährt, auch dort wohnte, steht noch nicht fest, behördlich gemeldet sei er dort nicht, erklärt Petri. Näheres müssten die Vernehmungen von Zeugen und Familienangehörigen noch ergeben.





                   

Nachbarn und Verwandte sind fassungslos

Die stehen naturgemäß noch unter dem schrecklichen Eindruck der Geschehnisse um die Bluttat. Ebenso eine 89-jährige Nachbarin, die nicht fassen kann, was geschehen ist. „Das kommt mir heute erst so richtig ins Bewusstsein.“ Seit 56 Jahren lebe sie in dem Haus. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben sowas noch erleben muss.“Die 27-Jährige und ihr Ehemann zogen erst vor kurzem in das Haus ein. „Das war um die Weihnachtszeit.“ Der Hausmeister kündigte zunächst an, dass eine Frau einzöge. Als sie sich das erste Mal begegneten, habe sie die neue Nachbarin gefragt, ob sie allein lebe. „Sie sagte, dass sie mit ihrem Mann zusammen wohne.“ Der sei aber nicht immer da gewesen – angeblich wegen eines Studiums, während sie bei einem metallverarbeitenden Betrieb in Breidenbach arbeitete. Wenn er bei seiner Frau war, dann überwiegend an Wochenenden. „Man erzählte sich schon, sie seien auseinander.“Besorgte

Eltern suchen und finden ihre Tochter

Nähere Kontakte zu dem Ehepaar hatte sie nicht, so die 89-Jährige Nachbarin, die nach eigenen Angaben nichts von der Tat mitbekam: keinen Krach, keine Schreie, keinen Streit.Entdeckt wurde die Tote am Sonntag erst gegen 16 Uhr. Die in Breidenbach wohnenden Eltern der 27-Jährigen hatten eine Vermisstenanzeige aufgegeben (die OP berichtete), nachdem sie am Sonntagnachmittag erfolglos an der Wohnungstür geklingelt hatten. Zu dieser Zeit beobachtete die 89-Jährige, dass der Vater des Opfers immer nervöser wurde. „Er hatte immer das Handy am Ohr.“

Schließlich sei die Polizei gekommen und habe von einem Schlüsseldienst-Mann die Wohnungstür öffnen lassen. Dann kamen die Entsetzensschreie: „Das war ganz schlimm.“ Besonders eine Frau – vermutlich die Schwester des 27-jährigen Opfers – habe ununterbrochen geschrien, etwa eine halbe Stunde lang. In der Zwischenzeit kamen immer mehr Verwandte und weitere Menschen zum Tatort. Es habe sich eine große Menschenmenge gebildet, „hier 100, da 50“. Sehr bald, nach Aufnahme der Ermittlungen, gerät der Ehemann des Opfers unter Tatverdacht. Dieser ist seit Sonntag nicht mehr aufgetaucht, soll aber am Sonntag in der Nähe des Tatortes gesehen worden sein. Nachdem die Suche nach dem vermeintlichen Täter unter anderem mit einem Hubschrauber bis in die Nachtstunden und in den Nachbarkreis hinein ergebnislos bleibt, erlässt die Polizei um 23.35 Uhr einen öffentlichen Fahndungsaufruf.

Die Tatwaffe ist ein Küchenmesser

Dieser wird gestern Vormittag um die Warnung ergänzt, dass der Gesuchte bewaffnet sein könnte. Wenn dies der Fall wäre, handelt es sich nach OP-Informationen offensichtlich nicht um die Tatwaffe. Das handelsübliche Küchenmesser wurde nämlich gefunden, allerdings steht noch nicht fest, ob es vom Ehemann benutzt wurde. Für heute kündigte Staatsanwältin Annemarie Petri eine weitere Erklärung an, die allerdings von den Ergebnissen der Vernehmungen abhängig ist. Zudem soll bekannt gegeben werden, ob ein Haftbefehl gegen den Verdächtigen erlassen wird.

von Gianfranco Fain, Nadine Weigel und Björn-Uwe Klein

Polizei sucht Ehemann der Getöteten

Die Polizei Marburg forciert die Fahndung nach dem flüchtigen tatverdächtigen 31-jährigen Ehemann der in Breidenbach getöteten 27-Jährigen Frau. Dabei warnt die Polizei davor, dass Muhittin C. bewaffnet sein könnte. Er war den Ermittlungen zufolge nach der Tat am Sonntag mit einem gelben VW Beetle mit dem Kennzeichen W-MC 42 unterwegs. An dem Auto fehlt das vordere Nummernschild. Möglicherweise fuhr der Gesuchte aufgrund seiner persönlichen Kontakte Richtung Ruhrgebiet, genauer nach Dortmund. Die Polizei benötigt dringend Hinweise zu dem auffälligen, gelben VW Beetle und zu dem gesuchten Muhittin C. (Foto: Polizei).

Hinweise nehmen die Kriminalpolizei in Marburg unter der Telefonnummer 0 64 21 / 40 60 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Gewaltverbrechen in Breidenbach
Vor dem Haus in dem die Bluttat passierte, stehen am Sonntagabend die Einsatzfahrzeuge der Polizei.

Auch eine Nacht nach dem Mord an einer 27-Jährigen ist der mutmaßliche Täternoch immer auf der Flucht. Mittlerweile wurden Details der grausamen Bluttat bekannt.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr