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20 Jahre Zusammenarbeit

Schulpartnerschaft 20 Jahre Zusammenarbeit

Mit einem Festakt in der Sport- und Kulturhalle der Europaschule Gladenbach wurde die seit 20 Jahren bestehende Partnerschaft mit der Kisomachi Secondary School in Tansania gewürdigt.

Gladenbach. Zu dieser Festveranstaltung begrüßte der Schulleiter der Europaschule, Michael Prötzel, auch eine Abordnung der Kisomachi Sec School mit Schulleiter Fulgence Massawe an der Spitze, dem ehemaligen Schulleiter der Europaschule, Siegfried Seyler, und Landrätin Kirsten Fründt.

Prötzel betonte, ohne seinen Vorgänger, den ehemaligen Schulleiter Seyler, hätte es die Partnerschaft nicht gegeben. Er rief sie ins Leben und pflegte sie bis zu seinem Abschied von der Schule. Als Dank und Erinnerung überreichte er ihm ein Bild, das Seylers und später sein Dienstzimmer zierte.

Sowohl Schulleiter Fulgence Massawe als auch Schoolboard Pascal Sabbas dankten den Verantwortlichen der Europaschule und hier insbesondere Siegfried Seyler für die Unterstützung in den 20 vergangenen Jahren. Massawe ging in seiner Rede auf die Schulprojekte ein, die mit Unterstützung der Europaschule in Tansania verwirklicht wurden und dankte für das Engagement und die Unterstützung. Anschließend überreichte er Präsente an Siegfried Seyler sowie Schulleiter Michael Prötzel und hieß jetzt schon die Schüler und Lehrkräfte willkommen, die im Januar die Schule in Tansania besuchen. Gleichzeitig überreichte er diesen Schülern T-Shirts. In der Festrede erinnerte Seyler an seinen ersten Besuch 1993 an der Kisomachi Sec School. Damals hätten seine Gefühle zwischen Entsetzen und Bewunderung geschwankt: Entsetzen über die heruntergekommenen Schulgebäude dieser Tagesschule mit einigen provisorischen Übernachtungsmöglichkeiten in zwei Klassenräumen; Bewunderung für den Mut armer Kaffeebauern aus fünf weit auseinander liegenden Siedlungen im Agroforest des Kilimandscharo, die Schule mit ihrem Schulgeld und ihrer Arbeitskraft zu unterhalten.

Betrieb finanziert sichnur aus dem Schulgeld

Nach seiner Rückkehr habe er dem Verein der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freiherr-vom-Stein-Schule empfohlen, die Förderung auf die tansanische Schule auszuweiten und erste Kontakte zum zuständigen Hessischen Wirtschaftsministerium bezüglich Entwicklungshilfe geknüpft. Daraus sei dann eine Entwicklungspartnerschaft zwischen der Europaschule und der Kisomachi Sec School nach der gemeinsamen Begegnungsreise von Schülern, Lehrern und Eltern 1995/1996 herangewachsen. Damals, so Siegfried Seyler, hätten diese Schule, die zum mittleren Abschluss führte, knapp 200 Schüler besucht. Das gemeinsame Ziel sei es gewesen, die Kisomachi Sec School als Tagesschule voll funktionsfähig zu erhalten und sukzessive als Boarding School auszubauen. Die Entfernungen, die die Dorfkinder täglich zu Fuß zurücklegen mussten (bis zu zehn Kilometer), hätten zum Bau der Internatseinrichtung bewogen.

Mit steigender Attraktivität der Boarding School sei allerdings die Mehrzahl der Schüler aus fernerliegenden Gebieten gekommen. Die Kisomachi Sec School sei eigentlich eine Selbsthilfeschule gewesen, die zwar formal unter der Trägerschaft des Bistums Moshi stand, sich aber ausschließlich aus dem Schulgeld und der Selbsthilfe der Eltern sowie aus Spenden finanziert.

Noch immer besuche lediglich eine Minderheit eines Altersjahrgangs Sekundärschulen in Tansania. Für viele Familien ist nach wie vor das Schulgeld nicht erschwinglich. Aus diesem Grunde haben Europaschule und Förderverein seit dem Ende der 1990er-Jahre Spenden zur Förderung begabter Schüler akquiriert. Immerhin hätten dadurch in den zurückliegenden Jahren 15 bis 20 Jugendlichen aus dem Einzugsbereich der Schulbesuch für jeweils vier Jahre ermöglicht werden können.

Schülerzahl ist inzwischenauf etwa 500 gestiegen

2006 konnte nach Vollendung notwendiger Infrastrukturprojekte und der Einstellung qualifizierter Lehrer dann die Idee verwirklicht werden, die Partnerschule bis zum Abiturabschluss auszubauen. Der erstaunliche Aufschwung der Schülerzahlen - besonders in den vergangenen beiden Jahren - auf etwa 500 habe die Kisomachi Sec School zu einem zentralen Schulstandort in diesem Teil des Kilimandscharogebietes aufgewertet. Zahlreiche Entwicklungsprojekte seien in den vergangenen 20 Jahren mit einem Gesamtkostenvolumen von mehr als 280000 Euro und unzähliger Arbeitsstunden der Partner in Tansania verwirklicht worden. Ohne die großzügige Unterstützung aus dem Entwicklungshilfebudget des Hessischen Wirtschaftsministeriums wäre die Verwirklichung all dieser Projekt sicher nicht möglich gewesen, sagte Seyler. Die Partnerschaft zwischen den Schulen Gladenbach und Kisomachi sei das Werk vieler Menschen.

Gemeinsam sei ihnen die Überzeugung, dass soziale Gerechtigkeit in unserer Welt ein kleines Stück durch konkrete Solidarität gefördert werden kann. Musikalisch umrahmten sowohl die Schuljazzband (Leitung Christina Guhl) als auch der Amani Gospelchor (Leitung Lee Cosmas Ndeiy) diese Feierstunde, bei der auch der Auftritt der Schüler der Klasse 7G als Drums begeisterte. Zudem stellte sich die Reisegruppe der Schule, die im Januar 2015 die Partnerschule besuchen will, in ihrem besonderen Outfit vor.

Doris Häring und Sarah Schiebel zeigten in einer Bilderreise die Geschichte der Partnerschulen in den vergangenen 20 Jahren. Dabei gingen sie auf die Projekte ebenso ein wie auf die Besuche in Tansania.

von Klaus Peter

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