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20-Jähriger muss zwei Jahre in Haft

Gericht 20-Jähriger muss zwei Jahre in Haft

Ein 20-Jähriger wurde am Donnerstag vor dem Jugendschöffengericht in Marburg unter anderem wegen Körperverletzung und räuberischen Diebstahls zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Marburg. Die Anklageschrift gegen einen 20-jährigen Hinterländer war lang. Da er aber ein Geständnis ablegte, war es die Frage der Schuldfähigkeit, die das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Thomas Rohner beschäftigte.

Das Gericht hatte zu entscheiden, ob der Angeklagte seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wiesbaden absitzen oder ob er in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden sollte. Denn, bei allen Taten war der 20-Jährige erheblich alkoholisiert.

Die erste Tat ereignete sich am 15. September 2010 auf dem Marktplatz in Gladenbach. Weil ein Passant ihm eine Zigarette verweigerte, entriss der Angeklagte ihm das Handy und schlug dem Mann ins Gesicht. Zu diesem Zeitpunkt habe er etwa zehn Bier und auch Schnaps getrunken.

Die zweite Tat ereignete sich 15 Tage später. Der Angeklagte hielt sich in der Wohnung seiner Schwester auf. Als ein Nachbar ihn mehrfach darum bat, die Musik leiser zu stellen, eskalierte die Situation. Der Angeklagte trat mit 1,98 Promille im Blut die Wohnungstür des Nachbarn ein, schlug ihm und auch dem Freund seiner Schwester ins Gesicht. Der Nachbar erlitt einen Jochbeinbruch.

Von den sechs Zeugen hörte das Gericht nur drei. Bei der Vernehmung spielte die alkoholbedingte körperliche Verfassung des Angeklagten, der eine einjährige Jugendstrafe in der JVA absitzt, eine wichtige Rolle. Über eine mögliche Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldunfähigkeit sollte das Gutachten von Ralf Wolf, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Haina, Aufschluss geben.

Wolf diagnostizierte eine Alkoholsucht und verwies darauf, dass der Angeklagte Chancen auf Besserung hat, weil er in der JVA eine Ausbildung zum Maurer und eine Suchttherapie begonnen hat.

Staatsanwalt Christian Laubach forderte eine Haftstrafe von 30 Monaten. Mit rund zwei Jahren blieb das Jugendschöffengericht unter dem Antrag. „Wir können die Gesamtjugendstrafe nicht zur Bewährung aussetzen, da nicht davon auszugehen ist, dass der Angeklagte in Freiheit keine Straftaten mehr begeht“, sagte Rohner.

von Adrianna Michel

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