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Flugzeugabsturz

1945: Flugzeugabsturz bei der Zollbuche

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Zwei Monate zuvor starben sieben junge Männer beim Absturz ihres Bombers in der Nähe der Zollbuche unweit des heutigen Parkplatzes.
Die kanadischen Besatzungsmitglieder der KB858. Hintere Reihe (von links): Colin MacDonald, Stanley Arthur Reid, Howard Roger Harris und Herbert John Beaton. Vorne (von links): Henry Johns Feldhans und Hinrik Guttormson. Nach der Umbettung wurden die Namen der Gefallenen auf einem Grabstein verewigt. Rechts der gefallene Soldat William Arthur Salisbury.Repros: Jim Watts und Jill und Tony Shenton

Die kanadischen Besatzungsmitglieder der KB858. Hintere Reihe (von links): Colin MacDonald, Stanley Arthur Reid, Howard Roger Harris und Herbert John Beaton. Vorne (von links): Henry Johns Feldhans und Hinrik Guttormson. Nach der Umbettung wurden die Namen der Gefallenen auf einem Grabstein verewigt. Rechts der gefallene Soldat William Arthur Salisbury.
Repros: Jim Watts und Jill und Tony Shenton

© Privat

Bad Endbach. Eigentlich wollte die siebenköpfige Besatzung aus sechs Kanadiern und einem Flieger der Royal Air Force ihre Bomben über Chemnitz abwerfen. Doch irgendetwas ging schief. Ob die viermotorige britische AVRO Lancaster B.X durch Flakfeuer oder wegen eines Defekts bei der Bad Endbacher Platte am Boden aufschlug, ist nicht klar überliefert. Lange war auch unklar, ob die Maschine auf dem Flug zum Ziel Chemnitz war oder ob sie sich bereits auf dem Rückflug befand.

Dirk Sohl aus dem Ebsdorfer Grund geht nach seiner Recherche davon aus, dass der Bomber zwischen 19.55 und 20.35 Uhr bei der Zollbuche abgestürzt ist. Vermutlich sei der Navigator Henry Johns Feldhans aus Cooper Cliff in Ontario gerade damit beschäftigt gewesen, die Flugdaten zum Ziel zu berechnen, als die Maschine vom Himmel geholt wurde. Die nach England zurückgekehrten Bombermannschaften gaben nämlich an, zwischen 21.42 und 22.04 Uhr über dem Zielgebiet Chemnitz gewesen zu sein.

Sohl, Ulrich Dörr und Horst Jeckel haben die Fliegerschicksale in der Region Lumda, Lahn und Ohm zusammengetragen und im Internet veröffentlicht. Seit mehr als 25 Jahren beschäftigen Sohl und seine Mitstreiter diese Schicksale.

Für Informationen zum Flugzeugabsturz breit recherchiert

Die Informationen zu dem Flugzeugabsturz haben sie akribisch zusammengetragen. Es wurde im Staatsarchiv recherchiert und in den Archiven der Royal Air Force. Während Sohls Recherche zum Flugzeugabsturz bei der Zollbuche entwickelte sich ein Kontakt zu zwei Nachkommen der verunglückten Besatzungsmitglieder. Einer habe ein Buch über seinen Onkel geschrieben, sagt Sohl.

Es war James T. „Jim“ Watt, der 2006 ein Buch über Henrik Guttormson veröffentlichte. Der Heckschütze war 20 Jahre alt, als er starb. Über diesen Kontakt nach Kanada kam Sohl auch an die Originalfotos der Flieger.

Wolfgang Döhler beschäftigte sich auch mit dem Flugzeugabsturz bei der Zollbuche. In dem Heimatbuch „Weidbach 1200 Jahre (2002)“ schreibt er die Ereignisse aus der Sicht der Dorfbewohner. Die Aufschlagsdruckwelle des tonnenschweren Flugzeugs sei so gewaltig gewesen, dass in dem etwa einem Kilometer entfernten Dorf Oberweidbach viele Fensterscheiben barsten.

Die Bombenfracht sei bei dem Aufprall nicht explodiert und sei aus dem Waldboden geborgen worden. Die Absturzstelle sei sofort abgesperrt worden, um Neugierige fernzuhalten. Es ist vieles mündlich überliefert. So soll das Flugzeugwrack ausgebrannt sein, zwei der Insassen seien auf ihren Sitzen aus dem Flugzeug geschleudert worden. Die sterblichen Überreste sind nach Sohls Recherche zunächst auf dem Friedhof in Oberweidbach beigesetzt worden.

Fund eines geheimnisvollen silbernen Armbands

Nach dem Krieg wurden sie umgebettet auf den englischen Friedhof in Hannover. Die Mannschaft wurde in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt und fand dort ihre letzte Ruhestätte. Es dauerte lange, bis es Klarheit über den Absturz gab: In den 1980er Jahren wurde an der Absturzstelle der Teil eines silbernen Armbands gefunden.

Darauf waren noch die Buchstaben „eaton“ und die Zahl „50“ zu erkennen. Diese Informationen reichten Emil Nonnenmacher aus Eppstein aus, um dem Armband das abgestürzte Flugzeug zuzuordnen. Es war das Armband des Bombenschützen Herbert John Beaton mit der Servicenummer J/42250. Die Initiative „Fliegerschicksale über Lumda, Lahn und Ohm“ gibt dem jungen Soldaten sowie den anderen Besatzungsmitgliedern Colin Bruse MacDonald, Stanley Arthur Reid, William Arthur Salisbury, Howard Roger Harris, Henry Johns Feldhans, und Hinrik Guttormson ein Gesicht und erzählt ihre Geschichte, damit ihr Schicksal nicht vergessen wird.

Mehr Informationen zu den Fliegerschicksalen stehen im Internet unter www.fliegerschicksale.de.tl/05-.--M.ae.rz-1945.htm

von Silke Pfeifer-Sternke

[Gianfranco Fain]

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