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19-Jährigen verschlägt's nach Gouda

Gladenbach 19-Jährigen verschlägt's nach Gouda

Abitur und was dann? Diese Frage stellte sich auch der 19 Jahre alte Tim Jahn und entschied sich für eine sinnvolle Auszeit.

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Mitte September bricht Tim Jahn für zwölf Monate seine Zelte in der Heimat ab. Ihn verschlägt es nach Holland.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Gladenbach. Vor knapp drei Wochen endete die Schulzeit für Tim Jahn an der Europaschule. Der 19-Jährige aus Ahrdt am Aartelsee hat nur den Hauch einer Idee, welchen Beruf er ergreifen möchte. Ihm schwebt das Arbeiten im sozialen Sektor vor: mit alten Menschen, Kindern oder mit Menschen mit Behinderungen.

So recht festlegen kann er sich nicht. Deshalb entschied er sich, nach dem Abitur eine Auszeit zu nehmen. Er wollte seine Sprachkenntnisse auffrischen. Am besten im englischsprachigen Raum.

Bei seiner Recherche nach Organisationen, bei denen man ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren kann, stieß er auf die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“. Er wollte etwas machen, das zu ihm passt. Bei dem Auswahlseminar, das in der Nähe von Berlin stattfand, wurden die verschiedenen Projekte der Organisation vorgestellt. Es lagen die Erfahrungsberichte aus. Bei einem war Tim Jahn sofort klar: Das möchte ich machen, die Arbeit mit Behinderten.

Relativ schnell kam eine Zusage der Organisation, ohne dass der 19-Jährige wusste, in welches Land es ihn verschlagen würde. Im März erhielt er dann ein weiteres Schreiben mit dem Zielort. Die niederländische Stadt Gouda wird ab Mitte September sein Lebensmittelpunkt sein. Dort arbeitet er in einer ökumenischen Lebensgemeinschaft von Behinderten und Nichtbehinderten.

Anfangs keimte Enttäuschung bei ihm auf. Er wollte eigentlich weg – weit weg. Am liebsten in die USA. Auch Israel stand auf Tims Wunschliste ganz oben, sehr zum Leidwesen seiner Mutter. Sie ist heilfroh darüber, dass ihr Sohn für ein Jahr nach Holland geht. Tims Vater hätte „alles gut gefunden“.

Seit einiger Zeit paukt der 19-Jährige Niederländisch und hofft insgeheim, dass er mit seinem Schulenglisch mögliche Hürden überwinden kann.

Es fällt ihm ganz und gar nicht schwer auf einen USA-Aufenthalt zu verzichten und stattdessen nur rund 400 Kilometer von zu Hause entfernt zu sein. Er will sich bei dem was er tut wohlfühlen. Holland hat auch Vorteile. Seine Eltern können ihn relativ unkompliziert besuchen, und auch eine Heimreise für einen Kurzurlaub wäre drin.

Dass ihm die Arbeit mit Behinderten tatsächlich gefällt, stellt Tim Jahn zurzeit während eines Praktikums in der Gladenbacher Einrichtung für Junge Körperbehinderte fest. Er findet es toll dort und hat schon viele schöne Erfahrungen gemacht. Mit Menschen kommt er gut zurecht und er ist sicher, dass er über die Schlüsselqualifikation Soziale Kompetenz verfügt, die es ihm leicht macht, sich in dem Projekt in Holland schnell zurechtzufinden.

Am 1. September geht-s für Tim Jahn los. Er fährt erneut in die Nähe von Berlin, um an einem Vorbereitungsseminar teilzunehmen. Dort wird er auch in einem zehntägigen Kurs der Umgang mit Behinderten geschult. In Holland besucht Tim Jahn zunächst Amsterdam und belegt dort zusammen mit 17 anderen Freiwilligen einen Sprachkurs. Mitte September beginnt für ihn der Ernst des Lebens.

Derzeit sucht er noch nach Spendern, die sein Vorhaben mit 10 Euro pro Monat unterstützen. Er hat schon neun, ihm fehlen noch sechs.
Weitere Informationen zum Projekt erteilt Tim Jahn per E-Mail. hallo_tun@web.de

von Silke Pfeifer-Sternke

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