Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
1800 Kilometer bis in die Heimat

Radtour von Sontra nach Frankreich 1800 Kilometer bis in die Heimat

Mit dem Rad begibt sich der Franzose Joseph Aulnett auf die Spuren seines Vaters. Vor 70 Jahren befreiten ihn die Amerikaner aus Kriegsgefangenschaft. Aulnett besucht die Stationen seines Vaters.

Voriger Artikel
Ihre Zukunft liegt in Deutschland
Nächster Artikel
Lohra setzt auf bürolose Verwaltung

Der 65-jährige Joseph Aulnett legt mit dem Rad den Heimweg seines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft von Sontra nach Frankreich zurück. Die Fotos und der Zeitungsartikel sind auf dem Blog www.surlespasdetheo.com veröffentlicht.

Quelle: Privatfotos

Niedereisenhausen. Der 65-jährige Joseph Aulnett hat sich viel vorgenommen: Er fährt 1800 Kilometer mit dem Fahrrad durch Europa. Er folgt den Spuren seines Vaters „Theo“ (Théophile), der vor 70 Jahren nach fünf Jahren Kriegsgefangenschaft wieder frei war.

Die Erlebnisse der „Tour d’Europe“ verewigt er im Internet auf dem Blog www.surlespasdetheo.com. So verblassen die Spuren von Théophile nicht.

Joseph Aulnette war 25 Jahre lang Bürgermeister des bretonischen Örtchens Rannée in Westfrankreich. Etwas treibt ihn an, sich auf die Radtour zum Gedenken an seinen Vater zu machen. Théophile Aulnett war von 1940 bis 1945 im Stalag IXA in Trutzhain Kriegsgefangener.

Der Franzose war in verschiedenen Arbeitskommandos eingesetzt: Viel Schweiß und Kraft ließ er beim Bau der Straße von Stadtallendorf nach Kirchhain, er arbeitete auf einem Bauernhof in der Nähe von Bebra und baute Kupferschiefer in Sontra ab.

Der 65-jährige Joseph Aulnett legt mit dem Rad den Heimweg seines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft von Sontra nach Frankreich zurück. Die Fotos und der Zeitungsartikel sind auf dem Blog www.surlespasdetheo.com veröffentlicht.

Zur Bildergalerie

Am 1. April vor 70 Jahren war Theo Aulnetts Glückstag. Amerikanische Truppen marschierten in Sontra ein und befreiten den Franzosen nach 1776 Tagen in Gefangenschaft. Aulnett trat den Weg in seine Heimat an – am 24. April 1945 traf er endlich wieder zuhause ein.

Auf seiner Radtour wird Théophiles Sohn Joseph Aulnett jene Orte aufsuchen, an denen sein Vater nach seiner Gefangennahme in Hesdin (Pas-de-Calais) vorbeigekommen oder wo er später in Deutschland länger geblieben ist. Die erste Etappe führt ihn von Sontra in das Stalag IXA in Schwalmstadt-Trutzhain, wo auch der spätere Staatspräsident Françoise Mitterrand eine Zeit lang in Gefangenschaft war. Dort wird Joseph Aulnett die Gedenkstätte und die Friedhöfe besuchen. Danach geht es weiter nach Marburg. Eine Übernachtung ist im Hinterland in Niedereisenhausen geplant.

Besuch am Grab des Vaters

Das 45 Kilometer östlich von Köln liegende Wiehl wird Aulnett bereisen, dann führt die Tour nach Hürth, Maastricht in den Niederlanden, nach Löwen (Leuven, Belgien) und Brüssel. Dort wird der Radfahrer von Mitgliedern des Europäischen Parlaments empfangen. Dann führt der Weg weiter nach Lille, Hesdin, Péronne, Cambrai, wieder nach Belgien (Mariembourg) und weiter über den Großraum Laon nach Paris. Die Stadtoberen der französischen Hauptstadt haben dem Landsmann erlaubt, auf dem Platz vor dem Rathaus zu picknicken.

Über Versailles und St.-André-de-l’Eure fährt Joseph Aulnett in Sontras Partnerstadt Vimoutiers. Die letzten drei Etappen sind Argentan, Laval nach La Bosse-de-Bretagne. Bei Letzterer besucht er den Friedhof, auf dem sein Vater beerdigt ist. Wenn die Tour planmäßig verläuft, wird Josef Aulnett am 24. April dort sein. An diesem Tag betrat sein Vater vor 70 Jahren heimatlichen Boden.

Während seiner Radtour gastiert Joseph Aulnett ausschließlich bei Privatpersonen, die seine Sprache sprechen. Es sei sein Wunsch gewesen, den Kontakt zu suchen, berichtet der Gießener Werner Schwalm, der sowohl Quartiere gesucht als auch teilweise als Übersetzer mit von der Partie ist.

von Silke Pfeifer-Sternke

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr