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100-fachen Drogenhandel beendet

Amtsgericht 100-fachen Drogenhandel beendet

Rund eineinhalb Jahre handelte ein 20-Jähriger in Marburg, Gladenbach und Lohra regelmäßig mit Cannabis, um den Eigenkonsum zu finanzieren. Er wurde wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Wegen des illegalen Handels mit Cannabis zur Finanzierung des Eigenkonsums musste sich ein 20-Jähriger aus dem Südkreis vor Gericht verantworten.

Quelle: Torsten Leukert

Marburg. Weil er über eineinhalb Jahre einen florierenden Drogenhandel in Marburg, Gladenbach und Lohra betrieb, musste sich ein 20-Jähriger gestern vor dem Marburger Amtsgericht verantworten. Mit dem Handel finanzierte er seine eigene Drogensucht.

In der umfangreichen Anklageschrift aufgelistet sind insgesamt 109 Fälle unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Das gesamte vergangene Jahr bis August 2014 kaufte und verkaufte der junge Mann aus einer Südkreisgemeinde regelmäßig kleine Mengen Cannabis, verschaffte sich eine „laufende, nicht unerhebliche Einnahmequelle, so die Anklage. An verschiedenen Orten handelte er mit Kunden, die nach den Ermittlungen zum Teil gesondert verfolgt wurden. Die Mengen reichten dabei von unter einem bis zu zehn Gramm pro Handel.

Vor Gericht legte der Angeklagte über seine Verteidigerin ein umfassendes Geständnis ab. Seinen illegalen Handel habe er betrieben, um sich seinen eigenen Konsum zu finanzieren, erklärte Rechtsanwältin Nadin Nitz. Er nehme seit Jahren Drogen, „heute immer noch, es ist aber weniger geworden“, sagte der Angeklagte. Zudem konsumiere er ausschließlich außerhalb seiner Arbeitszeit, seine Ausbildung würde von seinem Verhalten nicht beeinflusst, betonte der 20-Jährige.

Der vorsitzende Richter Thomas Rohner wies den Mann vergeblich auf die gesundheitlichen Gefahren seines anhaltenden Drogenkonsums hin. Auch die Jugendgerichtshilfe verwies auf den jahrelangen Drogenkonsum, die fehlende Einsicht des jungen Mannes und bestätigte dem Gericht, dass in diesem Fall schädliche Neigungen vorliegen.

Der Angeklagte wisse, dass sein Konsum zu einer Belastung für ihn und andere Menschen werden könnte. Er sei zwar „offen und reflektierend“ und erkenne seine Verfehlungen an, seinen Konsum einstellen wolle er jedoch nicht, so der Vertreter der Jugendgerichtshilfe, der eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht befürwortete.

Erziehungsstrafen zeigen keine Wirkung

Der junge Mann ist dem Gericht zudem kein Unbekannter, er verbüßte bereits mehrere Freizeit- sowie Dauerarreste wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung.

Diese haben scheinbar keinen Eindruck auf den Angeklagten gemacht, weitere Erziehungsmaßregeln und Zuchtmittel hätten für den 20-Jährigen daher keinen Sinn mehr, betonte Staatsanwalt Johannes Stochel in seinem Plädoyer und sprach sich für eine zehnmonatige Bewährungsstrafe für den Angeklagten aus.

Seinen Drogenhandel habe der Mann zwar eindeutig gewerbsmäßig und über einen längeren Zeitraum betrieben, sei jedoch noch nicht erheblich einschlägig in Erscheinung getreten, erklärte Stochel. Seinen Ausführungen schloss sich Verteidigerin Nitz an.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Mann wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in 109 Fällen zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Zudem hat der Verurteilte eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen sowie vier Gesprächstermine bei einer Sucht- und Drogenberatung zu absolvieren.

Bei einem Verstoß gegen die Bewährungsauflagen droht ein weiterer Dauerarrest von bis zu vier Wochen. Sollte er erneut vor Gericht auftauchen, könne sein andauernder Konsum ihm schließlich doch noch „das Genick brechen“, redete der Richter dem jungen Mann ins Gewissen.

von Ina Tannert

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