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Popcornkino ohne Popcorn

Wahltagebuch Popcornkino ohne Popcorn

Wäre die Bundestagswahl ein Blockbuster, für den derzeit die millionenschwere Werbekampagne läuft, so müssten sich die Produzenten wohl sorgen, ob überhaupt einer ins Kino geht.

Mails mit der Betreffzeile „Wahlschnarchkampf“ im Postfach der Redaktion sagen alles über die aktuelle Situation. Angela Merkel scheint als sichere Siegerin festzustehen. Diese Voraussage der Wahlforschungsinstitute langweilt, denn wer will – um beim cineastischen Bild zu bleiben – einen Film sehen, bei dem längst klar ist, was am Ende geschieht.

Mitten in diese Stimmung hinein lief am Sonntagabend „Anne Will“ im TV. Gerade beim Aufregerthema „Diesel-Skandal“ kam die leise Hoffnung auf, dass nun Tacheles gesprochen wird. Bitter wurde der Zuschauer jedoch besonders von den Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann (SPD) und Volker Kauder (CDU) enttäuscht.

Fast schien es, als seien die beiden nicht als Repräsentanten der beiden großen Volksparteien, sondern in Vertretung von Volkswagen und anderer Autobauer vor Ort. Kauder versicherte, dass die Politik viel versucht habe, man aber momentan nicht mehr Druck ausüben könne. Merkel werde weiter Gesprächstermine anberaumen, bei denen sie aber nicht unbedingt anwesend sein muss, ließ der CDU-Mann wissen.

Oppermann stellte sich hinter seinen Parteigenossen, den niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil, der als Mitglied des VW-Aufsichtsrats gute Arbeit geleistet habe. Passenderweise saßen die beiden Fraktionsvorsitzenden ähnlich eng beisammen wie die politischen Inhalte von SPD und CDU. Es bleiben noch vier Wochen, etwas am Drehbuch zu ändern.

von Dennis Siepmann

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