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Der Wahlkampf, den wir verdienen

Wahltagebuch Der Wahlkampf, den wir verdienen

In der Demokratie bekommt jedes Land die Regierung, die es verdient.

Ich glaube, es geht sogar noch weiter: Jedes Land bekommt den Wahlkampf, den es verdient. Wenn sich viele fragen, warum dieser Wahlkampf so einschläfernd und inhaltsarm ist, schließt sich die Frage an: Sind vielleicht wir Wähler auch etwas schläfrig? Hat ein großer Teil der Bürger zu wenig Interesse daran, sich mit drängenden politischen Fragen zu beschäftigen?

Glaubt man den Umfragen, dann will offenbar ein großer Teil der Wähler, dass es ungefähr so weiter geht wie bisher. Die stärkste Partei, die CDU, spricht mit dem Slogan „Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“ vor allem jene an, die schon weitestgehend zufrieden sind. Laut aktueller wissenschaftlicher Prognose könnte sie nach der Wahl mit der FDP koalieren. Die fiel im Wahlkampf vor allem durch Motive mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner auf. „Sieht aus wie Werbung für eine Dating-App“, findet eine gute Freundin von mir.

Es gibt unzählige Parodien auf diese Plakate. Mein Favorit: „Entschuldigung, haben Sie vielleicht meinen Zwergpudel gesehen? Er fehlt mir ganz schrecklich!“

Ist es das, was am Ende von diesem Wahlkampf hängen bleibt? Sehr viel „Weiter so“, ein bisschen modische Ästhetik und ein bisschen Getöse am rechten Rand? Gibt es wirklich keine wichtigen Themen? Was ist mit Altersarmut, prekärer Beschäftigung, mit den Gesundheitsgefahren durch erhöhte Stickoxid-Werte? Wenn diese Themen im Wahlkampf im Hintergrund bleiben, liegt das nicht nur an den Parteien oder gar an den Medien. Es liegt auch an vielen Bürgern, die sich mit allgemeinen Wohlfühl-Slogans abspeisen lassen.

von Stefan Dietrich

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