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Stefan Heck vor ungewisser Zukunft

Die weiteren Pläne der Kandidaten Stefan Heck vor ungewisser Zukunft

Am Tag nach der Bundestagswahl zogen gestern die Bewerber aus dem Kreis ein erstes Fazit und sprachen über ihre weiteren Pläne.

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Schweigen, Freude und viele Analysen

Am Tag nach der Wahl überholt: Wahlplakate in der Leopold- Lucas-Straße in Marburg.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Gestern Morgen veröffentlichte der Bundeswahlleiter das vorläufige amtliche Ergebnis der Bundestagswahl. Dieses brachte Klarheit für die Bewerber aus dem Wahlkreis Marburg: Dr. Stefan Heck (CDU) und Julian Schmidt (AfD) haben kein Bundestagsmandat über die Landeslisten ihrer Parteien erhalten.

Sören Bartol (SPD) stand bereits am Wahlabend als Sieger des Direktmandats fest. Den restlichen Wahlabend verbrachte der 43-Jährige dann auf der Autobahn zurück nach Berlin. Dort standen gestern Gremiensitzungen an. Es ging um erste Analysen zum Wahlergebnis und wie es mit der Partei weitergehen soll, berichtete Bartol. „Die Oppositionsrolle nehmen wir an, das ist auch wichtig, weil es dem Wählerwillen entspricht. Das hat Martin Schulz ja auch schon am Wahlabend gesagt.“

Dazu gehöre selbstverständlich auch die personelle Neuaufstellung. Diese verlaufe jedoch parallel zur Regierungsbildung. Der geschäftsführende Fraktionsvorstand bleibe im Amt, bis ein neuer gewählt ist.

Bislang hatte Bartol das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden inne. Welche Rolle er im neuen Vorstand einnimmt, wird sich zeigen. Wann, ist auch davon abhängig, wie lange die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen dauern – bisher geht man von langen, schwierigen Sondierungsgesprächen aus.

Während Bartol wieder in Berlin ist, läuft in Marburg die Analyse der Wahlkreisergebnisse. „Mit rund neun Prozent vor den Zweitstimmen habe ich ein gutes persönliches Ergebnis erzielt.“ Um die Gegenden im Kreis, in denen die AfD viele Stimmen gewonnen hat, wolle Bartol künftig immer wieder kämpfen. „Ich bin nicht bereit, diese Wahlbezirke kampflos aufzugeben.“

Als Botschaft dieser Wahl sieht der Sozialdemokrat, dass viele Menschen sich mit ihren Sorgen von der Politik der Großen Koalition nicht ernstgenommen fühlten. „Die AfD werden wir an ihrer Arbeit messen – sie inhaltlich stellen und als das entlarven, was sie ist“, sagte Bartol. „Genauso muss man es in der Demokratie machen.“

CDU-Direktkandidat Dr. Stefan Heck verbrachte den Tag gestern bei einer Sitzung des CDU-Bundesvorstands, dessen Mitglied er ist. Natürlich sei er enttäuscht, dass er nicht wieder in den Bundestag einziehe, sagte Heck der OP. „Ich brauche noch ein paar Tage, um das zu verarbeiten“, meinte der Jurist.

In den letzten Tagen vor der Wahl habe sich aber bereits abgezeichnet, dass er schon den Kampf um das Direktmandat gewinnen müsse, um in den Bundestag einzuziehen.

Heck will ehrenamtlich weiter Politik machen

Was Heck in der nächsten Zeit machen wird, ist noch nicht entschieden. Fest steht, dass er weiterhin ehrenamtlich Politik machen möchte. Derzeit ist Heck unter anderem Stadtverordnetenvorsteher von Amöneburg. Der Mardorfer möchte am liebsten in der Region bleiben, weiß aber auch, dass er als Jurist auch in anderen Orten der Republik einen Job finden würde. Ob er sich einen Wechsel in die Landespolitik vorstellen könne, ließ Heck gestern offen.

Elisabeth Kula von der Linken führt ihr gutes Ergebnis im Landkreis (8,2 Prozent der Erststimmen/10,2 Prozent der Zweitstimmen) und insbesondere in der Stadt Marburg (13,5 Prozent der Erststimmen/16,4 Prozent der Zweitstimmen) auf die kontinuierliche und sehr erfolgreiche Arbeit der Linken-Fraktionen im Kreistag und in der Marburger Stadtverordnetenversammlung zurück.

Das Ergebnis sei „hart erarbeitet“: „Wenn Linke vor Ort gute Fraktionen haben, zahlt sich das auch in anderen Wahlkämpfen aus“, sagt Kula. Insbesondere das Ergebnis in der Stadt Marburg habe aber auch „lokale Gründe“, sagte sie mit Blick auf die städtische ZIMT-Regierung aus SPD, CDU und Bürgern für Marburg.

Kula plant erstmal den Master-Abschluss

Elisabeth Kula will der Politik auf jeden Fall erhalten bleiben. Und auch der Kommunalpolitik. „Konkrete Politik macht mir Spaß“, sagt sie. Ob sie nach der Landtagswahl in die Landespolitik wechselt, will sie nicht kommentieren. „Zunächst einmal mache ich meinen Master-Abschluss.“

Während AfD-Direktkandidat Julian Schmidt am Wahlabend mit seinen Anhängern das bundesweite Ergebnis seiner Partei feierte, zeichnete sich spätestens mit der Veröffentlichung der hessischen Ergebnisse ab, dass es für ihn über die Landesliste nicht reichen würde. Diese lagen unter dem Bundesdurchschnitt.

Als die Liste aufgestellt wurde, habe die AfD in Umfragen zwischen sieben und acht Prozent gelegen und keine Aussicht auf ein Mandat bestanden. Wegen der bundesweit hohen Ergebnisse sei „insgeheim“ doch noch ein wenig Hoffnung aufgekommen. „Ich hatte nie die Erwartung, deshalb ist die Enttäuschung nicht besonders groß“, sagte Schmidt.

Die Aussage des Spitzenkandidaten Alexander Gauland, man werde Bundeskanzlerin Angela Merkel „jagen“, hielt Schmidt für „nicht besonders dramatisch“. Der Begriff sei überspitzt, aber als Opposition sei es schon die Aufgabe, die Regierung vor sich herzutreiben und deren Fehler aufzuzeigen. „Wenn man das Jagen nennen möchte, habe ich kein Problem damit“, sagte Schmidt.

Er könne die Aufregung nicht verstehen und würde sich wieder richtige Debatten im Bundestag wünschen, wie jene zu Zeiten von Franz Josef Strauß (CSU).

Schmidt bedauert Petrys Abkehr von AfD-Fraktion

Dass die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry nicht in der Bundestagsfraktion mitarbeiten will, wie sie am Montagmorgen auf einer Pressekonferenz erklärte (siehe Seite 13), bedauerte Schmidt. „Ich schätze ihren Kurs sehr und vermute, dass hinter ihrer Entscheidung eher persönliche Befindlichkeiten ausschlaggebend waren als sachliche Gründe.“

Daher glaubt Schmidt auch nicht daran, dass Petry mehr als eine Handvoll Abgeordnete folgen werden. Dass Petry das Auftreten der AfD in den vergangenen Wochen als „anarchisch“ bezeichnete, könne er nicht nachvollziehen.

Flohrschütz hofft auf Willen aller Verhandlungspartner

Mit seinem Ergebnis aus den Erststimmen ist der Grüne Rainer Flohrschütz „superzufrieden“, insbesondere von 11 Prozent in Marburg sei er „positiv überrascht“. Gerade in den ländlichen Gemeinden sei bei den Zweitstimmen jedoch noch Aufholbedarf. Die großen Unterschiede zwischen Stadt und Land sehe man auch bei anderen Parteien.

Flohrschütz sieht darin eine Herausforderung für die Demokratie. „Dieser Drift muss aufhören. Wir müssen schauen, woran das liegt und etwas unternehmen. Die Demokratie muss gelebt werden, nicht nur in den Zentren.“

Im Wahlkampf sei zu spüren gewesen, dass gerade bei den grünen Themen wie Klimawandel, Energiepolitik und Diesel „die ganze Zeit ein starker Gegenwind blies“. Diese Felder seien jedoch auch sehr komplex und die Grünen seien in der Debatte darum von einigen Seiten stark unter Druck geraten. „Wir müssen weiter für unsere Themen kämpfen, und zwar richtig“, sagte Flohrschütz.

Obwohl es im Wahlkampf zeitweise nicht so wirkte, haben die Grünen mit ihren Schwerpunkten letztendlich doch mobilisieren können. Dies hätte auch die positive Resonanz auf die sachorientierten Veranstaltungen zum Dieselskandal, Landwirtschaft und Ernährung gezeigt. „Man kann eben doch Themen setzen und das ist uns gelungen. Sonst wäre die Wahl anders ausgegangen“, ist er sich sicher.

Für die anstehenden Koalitionsverhandlungen mit CDU/CSU und FDP hofft Flohrschütz, dass alle Beteiligten versuchen, ernsthaft ins Gespräch zu kommen und auch bereit sind, über ihren Schatten zu springen. Im Wahlkampf haben sich die Liberalen betont modern präsentiert. „Jetzt soll die FDP mal zeigen, dass sie auch moderne und zukunftsgewandte Energie- und Sozialpolitik machen kann.“

Bokelmann will Erfahrung in Kommunalpolitik nutzen

FDP-Bewerber Hanke Friedrich Bokelmann freut sich über sein „sehr gutes Ergebnis“ (8,7 Prozent Zweitstimmen, 4,3 Prozent Erststimmen). Der Stadtverordnete bleibt der Marburger Kommunalpolitik auf jeden Fall erhalten. „Durch den Wahlkampf habe ich Dinge gelernt, die ich vorher nicht konnte“, sagte er: „Zum Beispiel vor 500 Menschen reden.“

von Till Conrad und Philipp Lauer

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