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Politiker kommen bei den Schülern gut an

Direktkandidaten an KSM Politiker kommen bei den Schülern gut an

In kleinen Gruppen haben die Erstwähler den Direktkandidaten auf den Zahn gefühlt. Und diese haben in privater Atmosphäre keine klaren Aussagen gescheut.

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Im Anschluss bedankten sich die Schüler bei den Kandidaten für das Mitmachen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Tür geht auf und der erste Kandidat betritt das kleine Klassenzimmer, in dem die zehn Schülerinnen der Gruppe Arbeits- und Bildungspolitik an zusammengeschobenen Tischen sitzen. Vor ihnen haben sie ihre Fragen auf Tischdecken zu Papier gebracht. Bereits nach wenigen Minuten haben die angehenden Abiturientinnen Hanke Bokelmann auf dem falschen Fuß erwischt.

Bei der Frage, ob Flüchtlinge Bafög beantragen können, muss der Direktkandidat der FDP passen. „Ihr stellt gute Fragen“, lobt er. Doch nicht nur Bokelmann erging es so. Auch die anderen fünf anwesenden Kandidaten wurden von den Schülern des Beruflichen Gymnasiums der Kaufmännischen Schulen Marburg auf Herz und Nieren geprüft. Anlässlich eines Wahlworkshops, den der Fachbereich Politik und Wirtschaft unter der Leitung von Daniel Hesselbein vergangene Woche in Zusammenarbeit mit dem Verein „Deutsche Gesellschaft“ abhielt, konnten die Schüler in kleinen Gruppen die Kandidaten befragen. Und diese scheuten dabei keine klaren Aussagen.

„Soll das dann wie auf einem deutschen Amt ablaufen mit einem Ticketschalter an der Grenze und wenn alle Tickets gezogen sind, ist Schluss?“, fragt ­Linken-Kandidatin Elisabeth Kula­ die Schülerinnen auf die Frage,­ was sie von einer Obergrenze halte. Zuwanderung, ­Islam, Gleichberechtigung und Bildung sind die zentralen Themen der Schülerinnen.

Numerus clausus? „Das ist ein absoluter Witz“

Was er vom Thema Inklusion halte, wird Stefan Heck (CDU) gefragt. „Da bin ich sehr skeptisch, wenn ich ehrlich bin“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Man könne sich dann nicht immer um jeden so kümmern, wie es für ihn angemessen sei, erklärt er.
Drastische Worte findet Sören­ Bartol zum Numerus clausus. „Das ist ein absoluter Witz. Mir hat noch niemand erklären können, warum jemand mit einem Schnitt von 1,0 besser sein soll als jemand mit 1,5“, sagt der SPD-Abgeordnete auf die Frage, ob Studienzugänge an einen Schulnotenschnitt gekoppelt sein sollten.

Unter besonderer Beobachtung steht indes Julian Schmidt von der AfD. Eine Schülerin erzählt, dass sie keine Freistellung für das islamische Opferfest erhalten habe. „Das ist ungerecht“, findet sie. Eine andere ergänzt: „Wir haben im Islam nur zwei Feiertage. Dafür würden wir auch an Weihnachten in die Schule kommen.“

Schmidt versucht die Wogen­ zu glätten. „Mit den islamischen Feiertagen kenne ich mich nicht aus. Aber mit den christlichen Feiertagen steht ihr euch ja dann besser, wenn ihr mehr freihabt“, sagt er spaßig. Den Abschluss macht Rainer Flohrschütz. Islamunterricht an deutschen Schulen? Ob Religion überhaupt an Schulen gehöre, fragt der Kandidat der Grünen die Schülerinnen. „Wenn man es genau durchdekliniert bräuchten wir dann nämlich auch einen jüdischen und einen islamischen Unterricht.“

Dass sie wählen ist entscheidend

Direkt und freundlich, aber auch fordernd und zum Nachdenken anregend – alle Kandidaten kommen auf ihre Art und Weise bei den Schülerinnen gut an. „Ich war am Anfang gegen den Tag, aber es war sehr interessant. Die Politiker haben unsere Fragen gut beantwortet“, sagt die 18-jährige Ilayda Berberoglu.
„Uns interessiert nicht was oder wen sie wählen. Dass sie aber wählen, ist entscheidend“, sagt Lehrer Hesselbein. Deshalb habe man auch das gesamte ­politische Spektrum eingeladen. „Ich finde es gut, dass die Schule das angeboten hat, sonst hätte ich wahrscheinlich irgendwo ein Kreuz gemacht“, gibt Schülerin Caroline Borger zu. „Ich werde mich jetzt noch zu Hause damit beschäftigen“, erklärt die 18-Jährige. „Denn ich weiß jetzt, wen ich in Erwägung ziehe, aber auch, wen ich definitiv nicht wählen werde.“

von Tobias Kunz

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