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Politiker im Chat: Emojis und Prognosen

Fragen an Kandidaten Politiker im Chat: Emojis und Prognosen

Während die Fragen der Leser im Postfach einliefen, klickten sich die ­Bewerber um das Direktmandat durch den Wahl-O-Mat. Den meisten empfahl das Programm, ihre eigene Partei zu wählen.

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Bundestagsabgeordneter Dr. Stefan Heck (CDU) im OP-WhatsApp-Chat. Foto oben: Eine Leserfrage an Sören Bartol im Chat.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Im Chatfenster blinkt es orange auf, drei neue Fragen sind eingelaufen, eine von OP-Leser Timo. „Hallo Sören. Ich habe gleich zwei Fragen. Erstens: Wer glaubst du, wer gewinnt? Schulz oder Merkel? Zweitens: Wenn du Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wärst, was würdest du anders machen als Frau Merkel?“

Der SPDler überlegt nicht lange und haut in die Tasten: „Ich würde keinen so intensiven Wahlkampf machen, wenn ich nicht überzeugt wäre dass Martin ein guter Kanzler ist! Deswegen glaube ich: Er kann es schaffen!“ Über die zweite Frage muss der Sozialdemokrat kurz lachen und antwortet, er wolle es gar nicht werden, aber Merkel habe ihren Zenit überschritten. Dann nennt er doch etwas, das er anders machen würde. Sich um die „echten Probleme endlich kümmern“, zum Beispiel die Digitalisierung angehen. Timo nutzte die Gelegenheit, um die Kanzlerfrage mehreren Kandidaten zu stellen – die Mehrheit tippte auf Merkel.

Schmidke für Schuldenschnitt

Zum Chat mit den Lesern ­waren alle acht Direktkandidaten zur Bundestagswahl eingeladen. Eine Leserin stellte eine ganze Reihe Fragen an alle Kandidaten, sodass sie sich einen Überblick über deren Haltung zu ihr wichtigen Themen verschaffen konnte. Etwa die Frage nach einem Schuldenschnitt für Griechenland. Diese beantworteten viele Kandidaten mit einem Ja, wenn auch mit ­unterschiedlichen Begründungen und Bedingungen. Julian Schmidt (AfD), beispielsweise, weil Griechenland ohne diesen „nicht mehr auf die Beine kommen“ könne. Gleichzeitig forderte Schmidt den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Elisabeth Kula (Die Linke) hingegen schwebte da „eine Art ‚Marshallplan‘ für krisengebeutelte Länder, statt weitere Sanktionierungen“ vor.

Richard Schmidtke (APPD) beschrieb den „von der EU aufgezwängten wirtschafts- und sozialpolitischen Kurs“ als unverantwortlich und ist ebenfalls für einen Schuldenschnitt. Dass es irgendwann dazu kommen wird, vermutete auch Bartol: „Griechenland hat viel verändert und viel gespart. Aber die Menschen brauchen dort auch eine langfristige Perspektive.“ FDP-Kandidat Hanke Bokelmann antwortete: „Eine ganz schwierige Frage. Eher Nein.“ Man habe sich parteiintern lange mit den Griechenlandhilfen beschäftigt und einen Mitgliederentscheid zu dieser Frage durchgeführt. „Eine Insolvenzordnung für Staaten ist überfällig“, schrieb Bokelmann. Außerdem plädierte er dafür, die einzelnen EU-Staaten sollten sich in verschiedenen Geschwindigkeiten entwickeln können.

Mehr Übereinstimmungen mit CDU 

Neben Wahlprognosen und teils sehr detaillierten Fragen interessierten sich manche Whatsapp-Nutzer auch für eher Banales. Wie das Alter der Kandidaten. „Das darf ich leider nicht sagen“, scherzte Dr. Stefan Heck (CDU), und schickte kurz darauf einen lachenden Smiley und die Antwort: „Nein, im Ernst: Ich bin vor Kurzem 35 geworden.“

Bis die ersten Fragen nach dem Aufruf eingelaufen sind, klickten sich die Kandidaten durch den Wahl-O-Mat. Viele­ Fragen waren den Polit-Profis nicht präzise genug gestellt. Bei manchem Thema hingegen konnten sie ohne lange Bedenkzeit zustimmen – oder ebenso deutlich ablehnen. Auf das Gewichten der einzelnen Fragen folgte dann stets ein kurzer Moment der Spannung, bevor das Ergebnis auf dem Bildschirm erschien. Daniel Baron (Freie Wähler) hatte laut Wahl-O-Mat mit 64,6 gut 2 Prozent mehr Übereinstimmung mit der CDU als mit den Freien Wählern (62,2 Prozent). Die Anderen (Ergebnisse im Kasten) sollten laut dem Online-Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung ihre eigene Partei wählen.

von Philipp Lauer

 
Wahl-O-Mat

Laut dem Wahl-O-Maten der Bundeszentrale für politische Bildung stimmen die Kandidaten mit ihrer Partei überein:

D. Baron (FW) 62,2 %

S. Bartol (SPD) 74,4 %

H. Bokelmann (FDP) 83,8 %

R. Flohrschütz (Grüne) 84 %

S. Heck (CDU) 84 %

E. Kula (Linke) 93 %

J. Schmidt (AfD) 73,9 %

R. Schmidtke (APPD*) 78,4 %

*Die APPD stellt keine Bundesliste, deshalb hat der Kandidat seine Einstellung mit der Partei „Die Partei“ verglichen.

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