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Kandidaten debattieren in der Kneipe

Podiumsdiskussion im Bukowski's Kandidaten debattieren in der Kneipe

Rainer Wiegand, auch bekannt als der „Hessenhenker“, hatte die Direktkandidaten zur Bundestagswahl in die Weidenhäuser Kneipe „Bukowski’s“ geladen, um ihnen satirisch auf den Zahn zu fühlen.

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Moderator Rainer Wiegand (von links) diskutierte mit Daniel Baron, Hanke Bokelmann, Richard Schmidtke, Rainer Flohrschütz und Elisabeth Kula.

Quelle: Michael Noll

Marburg. Der Einladung waren Rainer Flohrschütz (Grüne), Hanke Bokelmann (FDP), Elisabeth Kula (Linke), Richard Schmidtke (APPD) und Daniel Baron (Freie Wähler) gefolgt. Die anderen Kandidaten hatten abgesagt.
Als erstes Thema hatte Wiegand die Bildung ausgemacht und die Kandidaten aufgefordert, dazu Stellung zu beziehen. Zunächst antwortete Hanke Bokelmann, der sich für eine „Bildungspflicht“ statt der bisherigen Schulpflicht aussprach und das differenzierte Schulsystem verteidigte: „Da es keine Einheitskinder gibt, gibt es auch keine Einheitsschulen.“

Schmidtke: „Wir brauchen keine Schulpflicht“

An dieser Stelle brachte Daniel Baron seine Meinung ein. Er wolle sich für einheitliche ­Bildungsstandards einsetzen. „Bildung ist ein wichtiger Standortfaktor und fördert die Wettbewerbsfähigkeit in Europa“, sagte Baron, der sich in der übrigen Debatte weitgehend zurückhielt.
Der „Bildungspflicht“ stimmten die anderen Kandidaten nicht zu. Allen voran Richard Schmidtke von der APPD: „Die Leute sollen sich so bilden können, wie sie wollen. Wir brauchen keine Schulpflicht.“ Dem pflichtete Rainer Flohrschütz bei, denn „man bildet sich ja auch selbst weiter“ und es gibt mehr Bildungsmöglichkeiten als nur die Schule. Elisabeth Kula­ verteidigte die Schulpflicht und die öffentlichen Schulen als Möglichkeit, für „Abgehängte“ Bildung zu erlangen.

Das im studentischen Kreis naheliegende Thema Bildung brachte die erste und zugleich abendfüllende ­Zuschauerfrage auf. Eine junge Frau namens ­Natascha erzählte von ­ihrer ­Situation. Sie hat als Kind griechischer Einwanderer in Deutschland die Schule besucht und auf dem zweiten Bildungsweg das Fachabitur nachgeholt. Nun will sie in diesem Bereich studieren, doch ist es ihr aufgrund der finanziellen Anforderungen nicht möglich. „Wie würdet ihr mir helfen?“, fragt Natascha in die Runde.

Als Lösung bringt Rainer Flohrschütz das bedingungslose Grundeinkommen ins ­Gespräch. Dadurch würde „eine Grundlage entstehen, ohne Angst eine Qualifizierung erreichen zu können“. Er kritisierte das derzeitige Bildungssystem, dessen bestehende Kräfte nicht mehr reichten. „Auch wenn wir mehr Geld in das System werfen, wir kommen nicht zurande“, sagte der Grüne.

Bokelmann nennt Grund­einkommen Utopie

Lise Kula findet das Grundeinkommen „sympathisch“, warnt aber davor, dass dieses als „Lohndrücker“ genutzt werden könnte. Sie befürwortet ein elternunabhängiges Bafög von 1 050 Euro im Monat aus Steuermitteln, denn „Bildung ist ein Menschenrecht“. „Das ist finanzierbar“, sagte die Kandidatin der Linken.

Der Kandidat der APPD sieht im Grundeinkommen die Abkehr vom „Zwang zu arbeiten“. Menschen mit Aufenthaltsrecht sollten die gleichen Bildungsmöglichkeiten haben wie ­alle anderen auch. „Schade, dass das nicht läuft.“
Der FDP-Kandidat Bokelmann verwies auf die „Bildungsgutscheine“, die seine Partei einführen möchte. Durch ­diese würden „Schulen das Gleiche anbieten“ können und damit „Chancengleichheit ermöglichen“. Das Grundeinkommen bezeichnete er als „Utopie, die dir nicht weiterhelfen wird“.

von Michael Noll

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