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In Hochburgen bricht die SPD ein

Wahlergebnisse in Marburg In Hochburgen bricht die SPD ein

ZIMT-Effekt in der Universitätsstadt? Die SPD verliert ihren Status als stärkste Partei an die CDU - obwohl diese ebenfalls abrutscht. Die Linke erzielt ein Rekordergebnis, während die Grünen das Niveau halten.

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In Ockershausen hat die SPD eine Hochburg eingebüßt. Wie hier am Bachweg rutschte sie im Stadtteil von rund 40 Prozent im Jahr 2013 auf nun 25 Prozent.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Marburger Wähler haben die großen Parteien SPD und CDU abgestraft. Die Sozialdemokraten verlieren in ihrer Hessen-Hochburg rund acht Prozent der Stimmen im Vergleich zu 2013, büßen im Vergleich zur Kommunalwahl im vergangenen Jahr sogar neun Prozentpunkte ein. Selbst in Ockershausen, wo die SPD zuletzt um die 40 Prozent holte, sackte die Partei auf rund 25 ab.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) kann auf OP-Anfrage aber keinen Zusammenhang zwischen der Stadtpolitik und dem im Vergleich zum Bund noch stärkeren Stimmverlust erkennen. „Das hat mit der ZIMT nichts zutun.“

Die Christdemokraten haben in Marburg 4,5 Prozent weniger Stimmen erreicht als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren und liegen auch in ähnlichem Umfang unter ihrem Kommunalwahlergebnis. Speziell in Wehrda ist der Wählerverlust sichtbar, rutschte die CDU von rund 35 bei der letzten Bundestagswahl nun auf weniger als 25 Prozent.

Die Linke blickt hingegen auf ein Rekordergebnis, gewinnt sechseinhalb Prozentpunkte im Vergleich zu 2013 - die Partei rückt somit auf weniger als sechs Prozentpunkte an die SPD heran. Außer am Richtsberg und in Ockershausen hat die Linke die SPD in der Kernstadt vielerorts überholt, ist in vielen Vierteln auf Augenhöhe. Neben Wehrda und Cappel zieht die SPD nur noch in den Außenstadtteilen deutlich an der Marburger Linken vorbei.

AfD verdoppelt Marburger Ergebnis

Die AfD hat ihr Marburger Ergebnis im Vergleich zu von vor vier Jahren zwar auf 7,1 Prozent verdoppelt. Sie liegt damit aber deutlich hinter den Ergebnissen auf Bundes- und Landkreisebene. Am Richtsberg räumte die Partei ab, holte 25 Prozent und ist damit beinahe punktgleich mit der SPD. Auch im Waldtal und Stadtwald sorgten Wähler je für zweistellige Ergebnisse. In den Außenstadtteilen stechen die Resultate in Dilschhausen, Bortshausen und Ronhausen heraus - bis zu 16 Prozent.

Auffällig: Mit 13,2 Prozent ist der Stimmbezirk „Cappel, ehemaliges Rathaus“ jener mit den meisten AfD-Anhängern außerhalb des Richtsbergs - es ist das Wahlbüro, in dem viele Menschen, die nahe der ehemaligen Flüchtlingserstaufnahme wohnen, abstimmen.

Die FDP verdoppelte das 2013er Ergebnis auf 9,1 Prozent. Die besten ­Ergebnisse ­fuhren die Liberalen rund um die Blindenstudienanstalt, Marbach, Wehrshausen und Michelbach ein, während am Richtsberg lediglich drei Prozent auf die Partei entfielen.

Die Grünen vereinen fast exakt so viele Stimmen auf sich wie bei der Kommunalwahl, verlieren im Vergleich zur 2013er Bundestagswahl weniger als zwei Prozent. Sie holen dabei zwar erneut ihre besten ­Ergebnisse im Südviertel und der Oberstadt, haben diese aber als Hochburgen an die Linken verloren.

Die Erststimmen-Analyse: SPD-Kandidat Sören Bartol hat in der Universitätsstadt seinen CDU-Kontrahenten Dr. Stefan Heck um sieben Prozent distanziert - ein etwa halb so großer Vorsprung wie vor vier Jahren. Der Sozialdemokrat verlor, fast deckungsgleich zur Marburger SPD, neun Prozent der Stimmen. Heck büßte im Vergleich zum CDU-Zweitstimmenergebnis etwas weniger ein (3,7 Prozent).

Die Linken-Kandidatin Elisabeth Kula stellte das 2013er ­Ergebnis ihres Parteikollegen ­Janis Ehling in den Schatten, sie holte 13,5 statt 7,1 Prozent.

Rainer Flohrschütz von den Grünen konnte seinen Direktkandidaten-Vorgänger Matthias Knoche um 0,7 auf elf Prozentpunkte toppen.

AfD-Kandidat Julian Schmidt lag einen Punkt unterhalb des Parteiresultats, FDP-Mann Hanke Bokelmann erhielt mehr als doppelt so viele Stimmen wie Jörg Behlen 2013.

Die Wahlbeteiligung in der Universitätsstadt stieg von 73,4 auf rund 80 Prozent.

von Björn Wisker

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