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„Geld macht die Luft nicht sauberer“

Diesel-Untersuchungsausschuss „Geld macht die Luft nicht sauberer“

„Wer trickst und betrügt, muss den Schaden auch reparieren“, fordert der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer bei seinem Wahlkampfbesuch in Marburg.

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Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, fordert Nachrüstung für manipulierte Diesel.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Am Donnerstag drängten sich wie jeden Nachmittag Hunderte Autos über die Kreuzung Universitätsstraße/Gutenbergstraße. Die Luft ist schlecht am Fuße der Marburger Oberstadt. „Der Betrug der Autoindustrie und die Kumpanei von Bundesverkehrsminister Dobrindt müssen endlich aufhören“, ruft Oliver Krischer in das Megafon.

Krischer ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen und Mitglied im Untersuchungsausschuss zum Abgasskandal. „Wer trickst und betrügt muss den Schaden auch reparieren und die Autos nachrüsten.“ Zu Fuß geht es für das ­grüne Wahlkampfteam um den ­Direktkandidaten Rainer Flohrschütz weiter zur Informationsveranstaltung in die Stadthalle.­ Rund 25 Interessierten zeigt ­Krischer das ganze Ausmaß des Dieselskandals auf.

Es folgen keine Konsequenzen

Jährlich sterben Zehntausende Menschen an den Folgen von Verkehrsemissionen, sagt der Experte. „Diese Zahl ist dreimal ­so hoch wie die Zahl der Verkehrstoten.“ Im September 2015 gaben die US-amerikanischen Behörden bekannt, dass man gegen VW ermittele, weil eine Software verbaut wurde, die die Kontrolle auf dem Prüfstand erkennt und die Abgasreinigung manipuliere.

Im Untersuchungsausschuss wurde schnell klar, VW hat nicht als einziger Autobauer manipuliert, jedoch „besonders dreist“. Ein anderer Hersteller regele die Abgasreinigung bei Temperaturen unter 17 Grad ab, einer sobald man das Lenkrad bewegt.

Bei einem italienischen Autobauer schalte sich die Reinigung nach 22 Minuten ab – das Kontrollprogramm dauert rund 20 Minuten. „Aus diesen Erkenntnissen folgen jedoch keine Konsequenzen, selbst heute noch laufen Autos vom Band, die die Grenzwerte um das Zehnfache übertreffen“, sagt Krischer. „Stellen Sie sich das mal bei ­Lebensmitteln vor. Eine Brauerei könnte am nächsten Tag die Pforten schließen, wenn ein Bier statt angegebenen 5 Prozent das 15-fache an Alkohol enthalten würde.“

Kumpanei zwischen Autoindustrie und Politik

Die jahrelange Kumpanei zwischen Autoindustrie und Politik habe den Dieselskandal erst möglich gemacht. Software-Updates und Dieselgipfel würden effektiv nicht viel ändern, seien nur „Show“. „Geldgeschenke machen die Luft nicht sauberer. Hardware-Nachrüstungen sind die einzige Möglichkeit, die Menschen zu schützen und Fahrverbote zu verhindern“, sagt Krischer.

Die Kumpanei gefährde die deutsche Autoindustrie mehr, als dass sie nütze, ist er überzeugt. „Man hat sich auf eine Technologie versteift, die jetzt unverkäuflich ist. Deshalb hinkt Deutschland bei der Elektromobilität hinterher.“ Die Automobilindustrie stehe vor dem bislang größten Strukturwandel – der Ausgang ist noch ungewiss. Bei SPD und CDU fehle die Bereitschaft, sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Er vermeide persönliche Attacken eigentlich – den Kern des Problems sieht er jedoch bei den CSU-Verkehrsministern.

„Dieses wichtige Amt muss auch mal jemand übernehmen, der Ahnung hat.“
Mit dem Pariser Klimaabkommen habe man unterschrieben, dass Deutschland bis 2050 klimaneutral wird. „Wenn man davon ausgeht, dass Autos im Schnitt 18 Jahre auf der Straße sind, heißt das, wir können ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen.“

von Philipp Lauer

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