Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Die Linke fragt: „Wo ist Oma?“

Thema Rente Die Linke fragt: „Wo ist Oma?“

Alter schützt vor Armut nicht, zumindest nicht bei dem derzeitigen Rentenniveau, findet die Linke. Die Auswirkungen verdeutlichte die Partei mit einem großmütterlichen Freiluft-Wohnzimmer.

Voriger Artikel
Schüler wählen "ihren" Bundestag
Nächster Artikel
Die Rente ...

„Wo ist Oma?“, fragte Elisabeth Kula, Direktkandidatin der Marburger Linken, am vergangenen Samstag die Passanten in der Oberstadt.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. „Respekt – Renten mit Niveau“ steht auf dem Flyer, den die Wahlhelfer am vergangenen Samstag an Passanten in der Oberstadt verteilen. Es ist viel los, zahlreiche Touristen und Bummler strömen über den Marburger Marktplatz. Manche winken ab, andere greifen im Vorbeigehen nach den Zetteln. Hin und wieder bleibt jemand stehen, betrachtet die Installation der Partei, die etwas an ein Freiluft-Wohnzimmer erinnert.

Eine kleine Kommode steht auf dem Kopfsteinpflaster, darauf ein gehäkeltes Platzdeckchen und Rosen in einer Vase. Daneben ein Sessel aus Holz, gepolstert mit Schaffellen. Darauf ein Schild, auf dem in großen Lettern steht: „Wo ist Oma?“ Darüber hängen einige Vorschläge, wo besagte Oma gerade sein könnte, anstatt ihren Ruhestand im bequemen Sessel zu verbringen: Sie könnte gerade Zeitungen austragen, Flaschen sammeln, beim Amt aufstocken oder Opa bei der Nachtschicht besuchen, heißt es.

Oma könnte überall sein, nur nicht da, wo sie symbolisch betrachtet für die Linke hingehört: „Sie sitzt nicht in ihrem Stuhl – das kann sie sich nicht leisten“, sagt Elisabeth Kula, Bundestagskandidatin der Marburger Linken. Es geht natürlich um die Rente, um befürchtete „massive Altersarmut“, die zunehmend mehr Ruheständler betreffe und in Zukunft noch betreffen werde.

Mit dem Thema zieht die Stadtverordnete im Wahlkampf für das Direktmandat im Bundestag durch die Oberstadt. Sie will in den Bundestag einziehen. Die Debatte um die Rente geht ihr nicht weit genug. „Das Thema spielt aktuell im Wahlkampf eine zu kleine Rolle. Leider denken viele Menschen erst an die Rente, wenn es zu spät ist“, sagt Kula.

Kula: „Niemand sollte unter der Armutsgrenze leben“

Die Installation erfülle ihren Zweck, sei „ein Eyecatcher – viele Menschen gehen vorbei und denken darüber nach“. Viele Passanten werfen tatsächlich einen Blick darauf und gehen weiter, nur manchmal bleibt jemand an dem kühlen Samstagmittag stehen. „Der Sessel fällt schnell auf“, findet Kristin Öquist. Die 27-Jährige fragt nach der Bedeutung des Symbolbildes.

Sie macht sich schon Gedanken über die Rente, „ich denke, dass das ein wichtiges Thema ist, weil es alle betrifft“, sagt sie. Das meint auch Kula, die eine geringe Resonanz beim Thema bemängelt, „bei vielen Menschen hat eine Resignation eingesetzt – sie denken, es ändert sich sowieso nichts“.

Die Linke will die gesetzliche Rente stärken, Riestern abschaffen und eine Mindestrente von 1 050 Euro einführen, „niemand sollte unter der Armutsgrenze leben“, sagt Kula. Das Rentenniveau soll auf 53 Prozent angehoben werden. Auch zurück zur abschlagsfreien Rente mit 65, bei 40 Beitragsjahren ab 60, will die Partei.

Wie soll das finanziert werden? Die Linke fordert, dass alle in die Rentenkasse einzahlen, auch Beamte und Politiker, erklärt sie den Passanten. Andernfalls blieben immer mehr Sessel leer – Oma muss mit Mini-Jobs aufstocken, anstatt zur Ruhe zu kommen, lautet die symbolische Mahnung der Direktkandidatin: „Dabei wollen ältere Menschen ihren Lebensabend genießen, aber das können viele nicht mehr“.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel