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Mit Bildung gegen Arbeitslosigkeit

Podiumsdiskussion Mit Bildung gegen Arbeitslosigkeit

Am Donnerstag veranstaltete der Verein Arbeit und Bildung eine Gesprächsrunde für seine Klienten, Fortbildungsteilnehmer und Mitarbeiter im Historischen Rathaus.

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Sören Bartol (SPD, von links), Rainer Flohrschütz (Grüne), Rainer Dolle (Moderation), Hanke Friedrich Bokelmann (FDP), Elisabeth Kula (Linke) und Dr. Stefan Heck (CDU).

Quelle: Michael Noll

Marburg. Die Kandidaten zur Bundestagswahl aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf mussten sich in einer Podiumsdiskussion unter anderen Fragen zur Arbeitslosigkeit, der Flüchtlingskrise, Zuwanderung und dem bedingungslosen Grundeinkommen stellen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Geschäftsführer und pädagogischem Leiter von Arbeit und Bildung, Rainer Dolle.

Gleich zu Beginn fordert Dolle die Anwesenden auf, einen Wahlzettel auszufüllen. Am Ende der Veranstaltung soll dann jeder einen weiteren ausfüllen, um zu sehen, wer die überzeugendsten Argumente geliefert hat. Das Hauptthema der Diskussion war die Langzeitarbeitslosigkeit. „Es bleibt ein Ärgernis, dass die Hälfte aller Langzeitarbeitslosen seit vier Jahren arbeitslos ist“, sagt Dolle.

Auf die Frage, wie die Kandidaten und ihre Parteien beabsichtigen, dies zu überwinden, antwortete als erstes Sören Bartol, Mitglied des Bundestages und Kandidat der SPD. „Die Balance zwischen guter Wirtschaftsleistung und gleichzeitig dem Abbau der Arbeitslosigkeit ist ein Bereich, der uns als Sozialdemokraten sehr beschäftigt.“ Der Mindestlohn sei eine ­große Errungenschaft dieser Legislaturperiode. Nun sei es wichtig, Kontinuität auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen, statt ständiger Konzeptänderungen.

Linken-Kandidatin kritisiert Berechnung der Statistik

Als zweiter antwortete Dr. Stefan Heck, ebenfalls Mitglied des Bundestages und Kandidat der CDU. „Die Langzeitarbeitslosigkeit ist nach wie vor ein Problem“, sagte Heck, dennoch sieht er eine „positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren“. So ist die Arbeitslosenzahl von 4,9 Millionen 2005 auf 2,7 Millionen 2017 gesunken. Ihm bereitet vor allem die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen unter den älteren Arbeitslosen Sorge, weshalb er Kritik am Koalitionspartner SPD in Person von Arbeitsministerin Andrea Nahles übt, die das von der CDU ins Leben gerufene Programm 50+ auslaufen ließ. „Das war ein Fehler und wir müssen das wieder einführen.“

Die Kandidatin der Linken Elisabeth Kula sieht den Fehler bei der Lösung der Langzeitarbeitslosigkeit bereits in der Betrachtung des Arbeitsmarkts. „In den Zahlen fehlen 900.000 Menschen“, sagt die Masterstudentin der Politikwissenschaft. Menschen würden aufgrund von Krankheit, der Teilnahme an Schulungen und anderen Gründen aus der Arbeitslosenstatistik herausgerechnet. Auch übte sie Kritik, dass die entstandenen Jobs häufig schlechte Bedingungen und Bezahlung mit sich brächten. Nur in der ­Hälfte aller Minijobs würde der Mindestlohn – den die Linke von 8,84 auf 12 Euro anheben möchte – gezahlt.

Grünen-Kandidat fordert Förderung für angehende Selbstständige

Hanke Friedrich Bokelmann, Kandidat der FDP, sieht sich in einer besseren Position bei der Beurteilung der Arbeitswelt. „Ich arbeite als Einziger hier bei einem Arbeitgeber, der Unternehmer ist.“ Als zentralen Punkt sieht er den Bürokratieabbau. Wichtig sei es, „Menschen, die arbeiten wollen, keine Hürden in den Weg zu legen“. Dazu solle es auch möglich sein, weniger als den Mindestlohn zu bezahlen. Die Differenz solle dann der Staat bezuschussen.

Der Kandidat der Grünen, Rainer Flohrschütz, bezeichnet die Situation der Langzeitarbeitslosen als „erschreckend“. Obwohl dieses Thema bereits seit zehn Jahren diskutiert würde, hätte sich die Perspektive auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert. Dazu käme die ­steigende Kinderarmut. Er sieht eine staatliche Förderung für angehende Selbstständige als geeignetes Werkzeug zur Verbesserung.

Einigkeit herrschte bei den Kandidaten lediglich bei der Bedeutung der Qualifikation für die Überwindung von Langzeitarbeitslosigkeit. Die Kandidatin der Linken ging sogar noch weiter: „Wir wollen ein Recht auf Weiterbildung für Erwerbslose einführen.“

Das Ergebnis der Probewahl sorgte für eine Überraschung: Die SPD fiel von anfänglichen 23 Stimmen auf 18, wodurch die Linke, die sich von 21 auf 28 Stimmen steigern konnte, die meisten Stimmen erhielt. Die CDU kam von 12 auf 13, die FDP von 3 auf 2 und die Grünen von 9 auf 6.

von Michael Noll

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