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"Hauptsache keine große Koalition"

Direktkandidat Sören Bartol (SPD) "Hauptsache keine große Koalition"

Sören Bartol will am 24. September, knapp drei Wochen nach seinem 43. Geburtstag, zum fünften Mal in Folge das Direktmandat für den Deutschen Bundestag gewinnen.

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Sören Bartol hilft beim Anlegen des bsj-Floßes an der Lahn: Der Bundestagsabgeordnete und „Titelverteidiger“ als Direktkandidat ist am liebsten auf dem Wasser unterwegs.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Noch jung für einen Bundestagsabgeordneten - aber ein alter Hase in der Politik: Seit 2002 sitzt Sören Bartol als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf im Deutschen Bundestag.

Seinen norddeutschen Sprachklang hat der gebürtige Hamburger immer noch nicht vollständig abgelegt - seine Liebe zum Wasser erst recht nicht: „die wurzelt noch aus meiner norddeutschen Herkunft“, sagt der Sozialdemokrat, der sich zum Gespräch mit der OP deswegen auf der Lahn trifft: Auf ­einem Floß des Vereins für ­bewegungs- und sportorientierte Jugendsozialarbeit (bsj).

Bartol, der Polit-Profi, hat auch das Fortbewegungsmittel nicht zufällig gewählt: „Ich finde, dass der bsj seit vielen Jahren eine ausgezeichnete Bildungs-Arbeit macht“, sagt er - wissend, dass auch der bsj in diesem Jahr unter Zuschusskürzungen durch die Stadt Marburg zu leiden hatte, die die SPD gemeinsam mit CDU und Bürgern für Marburg beschlossen hatte.

Aber Bartols Beziehung zur Lahn ist ohnehin älter: Schon als Student der Politikwissenschaften hat er viel Zeit auf der Lahn verbracht, er freut sich, dass die Wasserqualität heute wieder so gut ist, dass immer mehr Menschen im Fluss baden. „Das hat hier eine hohe Freizeitqualität.“

Überhaupt ist Wasser das Lieblingselement von Sören Bartol: Einen Segelschein hat er einmal in jungen Jahren gemacht - in der Erwartung, dieses Hobby ­regelmäßig ausüben zu können.

Bartol pendelt seit 2002

Zumindest in den vergangenen 16 Jahren ist daraus nicht viel geworden. Bartol pendelt seit 2002 zwischen Marburg und Berlin, macht hauptamtlich Politik.

Seit 2013 ist der studierte Politikwissenschaftler, der unmittelbar nach seinem Diplom-Abschluss in den Deutschen Bundestag einzog, stellvertretender­ Fraktionsvorsitzender seiner Partei - „da sind natürlich eine Menge zusätzlicher Aufgaben auf mich zugekommen“, berichtet er beim OP-Gespräch auf dem bsj-Floß, das gemütlich auf der Lahn vor sich hin dümpelt.

Genauer gesagt ist dies die Verantwortung für die Bereiche Verkehr, Bau („Ich bin sozusagen das Pendant auf der SPD-Seite für Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Bauministerin Barbara Hendricks“) und digitale Infrastruktur sowie Digitale Agenda.

Und: „Ich bin der direkt gewählte Abgeordnete für Marburg-Biedenkopf in Berlin“, betont Bartol. Zum ersten Mal in seinem Politikerleben ist er zwar über die Landesliste abgesichert und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder in den Bundestag einziehen, auch wenn er das Direktmandat nicht gewinnen sollte. Für ihn ist es aber ein wichtiger Unterschied, wenn er sagen kann: Ich bin der direkt gewählte Interessensvertreter der Region in Berlin. „Drum kämpfe ich genauso hart wie in früheren Wahlkämpfen auch um das Direktmandat.“

Kürzer treten kommt nicht infrage

Viel Zeit für die Familie, mit der er in Berlin und Marburg lebt, bleibt da nicht. Bartol hat vier Kinder - zwei eigene und zwei, wie er es nennt „Bonuskinder“, Kinder also, die seine Partnerin mit in die Beziehung gebracht hat.

Kürzer treten kommt für ihn dennoch nicht infrage. Sein Ziel ist nach wie vor, dass die SPD bei 30 Prozent („plus x“) der Wählerstimmen landet und die Regierung führt - was heißen würde, dass Martin Schulz Kanzler wird und die große Koalition mit der CDU beendet wird. „Hauptsache keine große Koalition“, sagt Bartol.

Zwar war diese Koalition in den vergangenen vier Jahren „klar sozialdemokratisch dominiert“, aber es gebe scharfe politische Unterschiede. Bartol verweist in diesem Zusammenhang gerne auf Nordrhein-Westfalen, wo die neue schwarz-gelbe Landesregierung als eine ihrer ersten Amtshandlungen die Mietpreisbremse wieder abgeschafft hat.

„Viele von denen, die uns in Umfragen Anfang des Jahres auf 30 Prozent gebracht haben, sind noch nicht weg“!, macht Bartol in Optimismus, „sondern schlicht noch nicht entschieden.“ Aufgabe der SPD sei es, im Wahlkampf deutlich zu machen, „was wir geleistet haben und wo wir hinwollen.“

Besonders wichtig ist Bartol beispielsweise die Entwicklung des Programms „Soziale Stadt“, ein Förderprogramm für städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligte Stadt- und Ortsteile. Vor Eintritt der SPD in die Bundesregierung habe der Umfang dieses Programms bei 40 Millionen Euro gelegen, heute sei es 150 Millionen Euro schwer - und auch etliche Orte und Stadtteile aus dem Landkreis wie zuletzt Neustadt profitieren davon.

Aber dennoch: „Der Vorrat an Gemeinsamkeiten mit der CDU ist aufgebraucht“, sagt Bartol. Festlegen auf seine Lieblings-Regierungskonstellation will er sich aber nicht.

Vielfach wird Bartols Arbeit in Berlin auch mit dem Schicksal der A49 in Verbindung gebracht. Dass die Bundesregierung endgültig die Finanzierungszusage gegeben hat, ist „auch mein Verdienst“, sagt Bartol, „dafür habe ich lange gekämpft.“ Und Kompromisse eingehen müssen: Mit der Entscheidung verbunden war eine Entscheidung für die Öffentlich-Private Finanzierung, die so sehr umstritten ist. „Vor allem in Zeiten von Niedrigzinsen bin ich absolut kein Freund von Öffentlich-Privater Partnerschaft bei der Finanzierung von Großprojekten“, sagt Bartol. „Aber ohne ÖPP hätten wir uns nicht mit der CDU einigen können - und am Schluss musste ich an den Landkreis Marburg-Biedenkopf denken.“

von Till Conrad

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In unseren Video-Beiträgen (oben) erklären die heimischen Direktkandidaten, warum sie nach Berlin in den Bundestag wollen. Wenn heute Wahl wäre, wen würden Sie wählen?