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Eine Philosophie gegen Bevormundung

Direktkandidat Hanke Friedrich Bokelmann (FDP) Eine Philosophie gegen Bevormundung

Zwei Mal organisierte Hanke Friedrich Bokelmann den Wahlkampf für Parteifreund Jörg Behlen. Jetzt will der 35-Jährige selbst diese Erfahrung machen und für das Programm der FDP werben.

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Hanke Friedrich Bokelmann sitzt gerne mit Club Mate und Jutebeutel an der Drehbrücke in der Nordstadt. Für ihn ist der Platz am Wasser ein Rückzugsort inmitten der Stadt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Sich politisch zu engagieren, muss auch Spaß machen, findet Hanke Friedrich Bokelmann. Seit März 2015 ist er Stadtverordneter in Marburg und geht die Kommunalpolitik auch mal mit Humor an. „Wenn Angriffe zu persönlich werden, hört der Spaß aber auf“, sagt Bokelmann. Wobei er unterscheidet, ob jemand freiwillig Politik macht oder hauptberuflich ein Amt bekleidet. Da dürfe man schon mal härter rangehen.

Bokelmann arbeitet als Kellner im schwedischen Restaurant „Edlunds“ in der Oberstadt. In der Gastronomie komme es darauf an, gut moderieren zu können. „Wenn etwas nicht funktioniert, dann muss man miteinander reden, mit dem Gast und den Kollegen. Dabei klare Worte sprechen, aber freundlich bleiben“, sagt Bokelmann. Das helfe auch in der Politik. Die Arbeit in der Gastronomie gefalle ihm, weil er dabei sehr viele Menschen kennenlernt und mit ihnen spricht. „Unter anderem daraus entstehen meine politischen Ideen“, sagt Bokelmann.

Im Elternhaus im niedersächsischen Oldenburg ist er mit Gastfreundlichkeit großgeworden. „Meinen Eltern ist es immer wichtig, dass sich Gäste wohlfühlen. Gastfreundlichkeit ist für mich etwas Selbstverständliches, nicht nur im Arbeitsalltag.“ Zu seinen Eltern hat er viel Kontakt, zurzeit telefoniere man fast täglich miteinander. Auch vor dem Interview mit der OP habe er sich mit seinem Vater beraten.

Wenn nicht gerade Wahlkampf ist, fährt er alle acht Wochen in die Heimat. Auch großes Interesse und Toleranz haben ihm die Eltern – der Vater Landwirt, die Mutter Krankenschwester – mitgegeben, sagt Bokelmann. Neben der Politik beschreibt er es als sein größtes Hobby, übers Land zu fahren und Ortschaften mit ihren Museen oder Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

Positives Fazit aus ersten Jahren im Stadtparlament

Als 19-Jähriger entscheidet er 2001, politisch aktiv zu werden. „Das fand ich wichtig“, sagt Bokelmann. Der Besuch einer Sitzung der Jugendorganisation einer Volkspartei schreckte ihn dann jedoch ab. Die Stimmung dort sei „selbstgefällig und intolerant“ gewesen. Daheim angekommen füllt er einen Aufnahmeantrag für die Jungen Liberalen aus, deren offene Stimmung habe ihm gefallen. Kurz darauf geht es zum Studium nach Heidelberg.

Im Sommer 2004 dann ein Umbruch: Fachwechsel zu Jura und Umzug nach Marburg. Mittlerweile ist Bokelmann in Geschichte eingeschrieben, ob er das Studium abschließen wird, lässt er offen. Einer seiner Lieblingsorte in der Unistadt ist die Drehbrücke über die Lahn. „Hier sitzt man am Wasser, das schon durch den halben Landkreis geflossen ist. Die Lahn war schon in Biedenkopf, und aus der anderen Richtung kommt Wasser aus der Ohm dazu.“ Es ist für ihn ein grüner Rückzugsort inmitten der Stadt. Obwohl man die Autobahn hört – die nerve ein wenig. „Aber sie ist auch unverzichtbar für Marburg. Und das ist ja auch eine Aufgabe der Politik: mit Widersprüchen umzugehen“, findet Bokelmann.

An der Brücke hat Bokelmann auch schon oft mit zwei Freunden gesessen, mit Elias Knell und Jochen Rube. Knell und Rube treten in diesem Jahr ebenfalls für die FDP in den benachbarten Wahlkreisen (Schwalm-Eder/Frankenberg und Waldeck) für ein Direktmandat an. „Die beiden haben auch hier in Marburg studiert. Wir haben hier viel über Politik und Geschichte gesprochen, aber auch über Trivialeres. Sehr gerne auch gestritten. Mit guten Freunde streite ich mich am liebsten“, erzählt Bokelmann. Die beiden seien auch etwa zeitgleich wie er in die lokalen Parlamente eingezogen.

"Bokelmanns" wäre am authentischsten

Sein erstes Fazit aus der kommunalpolitischen Arbeit fällt positiv aus. „Ich bin überrascht, wie viel wir als kleine Fraktion doch erreichen können.“ So seien auf Initiative von FDP und MBL hin bereits einige Schilder erneuert worden. Den größten Erfolg seiner Fraktion sieht Bokelmann jedoch darin, dass die Mitarbeiter des Marbuch-Verlags ihr Unternehmen übernehmen konnten, anstelle der Stadtwerke, wie es zunächst geplant war (siehe auch Bericht auf Seite 3).

„Der Staat sollte nur im Notfall als Unternehmer einschreiten“, ist er überzeugt. Für ihn ist die FDP die einzige Partei mit einer Philosophie, auch wenn man den Liberalismus nur schwer erklären könne. „Wir wollen dem Menschen selbst etwas zutrauen“, sagt Bokelmann. Das fange mit der Toleranz für andere Meinungen an – solange sie nicht die Rechte anderer Menschen verletzen – und beinhaltet auch, dass der Staat den Bürger nicht unnötig bevormunden soll.

Diese Bevormundung durch den Staat erlebe er auch in seinem Beruf. Wenn ein Kunde einen Espresso, den er draußen am Stehtisch getrunken hat, zahlen will, müsse der Kellner ihm künftig eine Rechnung ausdrucken und mitgeben. „Der Staat glaubt, dass das besser ist. Ich finde, wir leiden in Deutschland unter zu vielen staatlichen Regeln.“

2009 und 2013 organisierte Bokelmann noch den Wahlkampf für seinen Parteifreund Jörg Behlen. Diese Erfahrung wollte er auch mal machen. „Für das Programm zu werben, macht mir Spaß. Es ist cooler als vor vier Jahren. Und es macht jetzt auch wieder mehr Freude, in der FDP zu sein.“ Wenn er sein eigenes Lokal eröffnen könnte, wäre es ein Ort, „an dem viele Menschen in Kontakt miteinander kommen“. Es gäbe leckeren Kaffee, guten Wein und belegte Brötchen. Der Name des Lokals? „Bokelmanns. So etwas nach sich zu benennen, ist am authentischsten.“

von Philipp Lauer

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