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Moor und Burg zwischen Tal und Gipfel

Christenbergtour Moor und Burg zwischen Tal und Gipfel

Im letzten Teil der OP-Wanderserie geht‘s nochmal hoch hinauf. Gerd Daubert hat den Christenberg erklommen - ein echter Höhepunkt der Serie. Einen Rückblick auf alle zehn Serienteile gibt‘s nächsten Samstag.

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Hoch hinauf und dann erst einmal verschnaufen: Die Extrautour Christenberg bietet viele tolle Punkte und spektakuläre Panorama-Ausblicke

Quelle: Burgwald Touristservice

Münchhausen. Die Extratour Christenberg, 2004 als deutscher Wanderweg des Jahres ausgezeichnet, habe ich mir für den Abschluss meiner Wanderungen aufgebhoben.

Am Wanderportal am Sportplatz in Münchhausen starte ich, mit dem Flyer des Wanderweges und Wanderschuhen ausgerüstet. Ich folge dem Tourenplan des Wanderportales über Wiesenwege zum Waldrand oberhalb von Münchhausen und gelange zu einem Aussichtspunkt, der mit Bänken und Tischen bestückt ist. Ein weiter Blick ins Land eröffnet sich - bis zum Ederbergland und zur Sackpfeife. Hier ist auch das Pfeifen der Burgwaldbahn zu hören, die nahezu stündlich zwischen Marburg und Frankenberg verkehrt und somit der ideale Zubringer für die Christenbergtour ist.

Die Karte zum Download finden Sie hier:

Der Weg führt nun im Tal verlaufend in den Burgwald hinein, in den Christenberger Talgrund. Auwald und Wiesen wechseln sich ab, schwarze Tümpelareale und das Quaken der Frösche, aber auch floristische Raritäten wie Orchideen und die Calla präsentieren sich, auch dank der Initiative der „Aktionsgemeinschaft rettet den Burgwald“.

Vor einem Fichtenriegel im Tal führt der Weg auf einem Sandweg, zunächst steil, danach gemäßigt bergan zum Riebe-Eck, mit einem schattigen, urigen Rastplatz. Weiter geht‘s zum Wetterkopf auf 394 Höhenmetern. Der Weg führt weiter auf Pfaden und schmalen Wegen in Richtung des Tales der Mellnau ab. Mischwälder, teilweise Heidelbeersträucher soweit das Auge reicht und Lichtungen auf denen der giftige Fingerhut wächst, bestimmen das Landschaftsbild, danach ein Wiesenzug mit einem Amphibienschutzgebiet bis der Turm der Burg Mellnau sichtbar wird.

Am Sportplatz beginnt der Aufstieg nach Mellnau und zur Burg. An der Heppenbergstraße wurde ein kleiner Rastplatz geschaffen, der zum Verschnaufen einlädt. Mellnau ist ein attraktives Fachwerkdorf mit einer Vielzahl renovierter Bauernhöfe. Die um 1250 durch den Mainzer Erzbischof erbaute Burg verlor Mitte des 15. Jahrhunderts an Bedeutung und verfiel im folgenden Jahrhundert. Von dem fast 20 Meter hohen Bergfried bietet sich ein spektakuläres Panorama, mit dem Blick zum Vogelsberg über Taunus und Lahn-Dill-Bergland bis ins Rothaargebirge.

Neben der Burgruine besteht eine temporär geöffnete Einkehrmöglichkeit - die Kuckucks-hütte, eine Erfrischung tut hier gut. Der Weg führt weiter durch das Dorf zur „Alten Höhle“, über einen steilen Bergrücken zum „Mellnauer Eck“ mit einer Schutzhütte und an dieser vorbei auf schmalem, teils auch feuchtem Pfad hinab in das Naturschutzgebiet „Christenberger Talgrund“.

Je weiter der Weg bergab führt, desto mehr moorige Wasserflächen erscheinen im Talgrund und immer großflächiger sind diese mit dem Wollgras bestanden. Aber auch seltene Torfmoosarten und der fleischfressende Sonnentau sind für den Schutzstatus maßgebend. Urplötzlich ändert sich das Bild der Talaue, und ich bin wieder - von der anderen Seite kommend - am Fichtenriegel angekommen. Nunmehr geht es zunächst steil auf einem Sandweg bergan und danach mit leichter Steigung auf einem Pfad bis zum Südosttor der Kesterburg, einer ehemaligen fränkischen Befestigungsanlagen die in Fragmenten noch eindrucksvoll erlebbar ist.

Die ehemalige Nordtoranlage wurde teils rekonstruiert und bei der Straßengestaltung kenntlich gemacht. Der Christenberg gehört zu den historisch bedeutsamen Stätten Hessens und wird von der St. Martinskirche, mit dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Westturm dominiert.

Das Küsterhaus, im Fachwerkstil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut, beherbergt eine Dauerausstellung zur Kesterburg, gegenüber im Backhaus gibt es touristische Infos. Im Waldgasthaus und bei gutem Wetter auf der Terrasse, lohnt sich eine Pause mit Ausblick aufs Ederbergland bis zum Rothaargebierge. Vom Küsterhaus aus führt ein schmaler Pfad in Serpentinen abwärts durch einen alten Buchenbestand hinunter zum Spiegelteich, in dem sich der Christenberg mit der Martinskirche spiegelt. Man befindet sich im Naturschutzgebiet Christenberg, in dem ein feucht-kühles Lokalklima herrscht und moorige Standorte mit Erlen- Eschenwäldern charakteristisch sind.

Auf dem Talweg läuft man, an Teichen, einer Fischzuchtanlage, und danach an feuchten Wiesen vorbei, zurück nach Münchhausen.

von Gerd Daubert

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