Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
„Ich habe mich immer reingekniet“

Gerd-Jürgen Daubert „Ich habe mich immer reingekniet“

Er hat manche Verwaltungsreform und etliche Regierungswechsel miterlebt. In 50 Orten in der Region hat er die Dorferneuerung begleitet. Nun ist Gerd-Jürgen Daubert im Ruhestand.

Nächster Artikel
Zum Saisonstart in den Burgwald

Jetzt, im Ruhestand, hat er mehr Zeit, um die Natur zu genießen: Der 64-jährige Gerd-Jürgen Daubert, ehemaliger Leiter des Fachbereichs Ländlicher Raum beim Landkreis, lehnt am Frauenberg an einem Tisch. Im Hintergrund ist einer seiner liebsten Wanderwege zu sehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Seit einigen Wochen befindet sich Gerd-Jürgen Daubert, langjähriger Leiter des Fachbereichs Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, im Ruhestand. „Ich komme gut zurecht“, versichert der 64-jährige Marburger schmunzelnd, „im Moment fehlt mir die Arbeit nicht“.

35 Jahre im öffentlichen Dienst liegen hinter dem Ehemann, zweifachen Vater und dreifachen Großvater. „Zum Abschied gab’s natürlich viele Ratschläge für den Ruhestand ­– die einen empfehlen das Ausschlafen, die anderen sagen ,Steh‘ unbedingt früh auf‘.“ Daubert folgt letzterem Rat. „Ich bin dann einfach wach“, sagt er und berichtet, wie er seine Zeit nutzt. „Ich widme mich der Familie, meine Frau und ich wandern und ich mache Holz – das macht mich immer glücklich.“

So schön der Ruhestand auch sein mag – Gerd-Jürgen Daubert hing sehr an seiner Arbeit. Davon zeugt die Begeisterung, mit der der 64-Jährige über all die Jahre im Behördendienst spricht. „Ich habe mich immer reingekniet in meine Arbeit – mit ganzem Herzen und Engagement.“ So etwas wie die berühmte Amtsmüdigkeit, die Politiker bisweilen befällt, kennt der Marburger nicht. „Ich habe die vielen Veränderungen durch Reformen und Regierungswechsel immer wieder als Herausforderung begriffen“,sagt er, „wir wollten ja immer, dass sich die Dinge hier vor Ort zum Positiven entwickeln“.

Nach seinem Studium des Vermessungswesens in Darmstadt wurde Daubert in Marburg im hessischen Amt für Landeskultur mit Flurbereinigungsverfahren betraut. „Das war jahrelang das zentrale Instrument der hessischen Verwaltung, um den ländlichen Raum zu entwickeln“, erklärt der Fachmann und nennt Beispiele für die Auswirkungen: „Die befestigten Feldwege sind damals entstanden, die Ohm wurde zunächst begradigt und später wieder renaturiert.“ 1975 und 1976 bereitete sich Daubert in Darmstadt und Wiesbaden auf seine Amtsleiter-Laufbahn vor. Seine Berufswahl resultierte aus der Arbeit des Vaters. „Er war in Schotten beim Amt für Landeskultur tätig, und da habe ich immer gejobbt.“

1977 schafften Bund und Land ein neues Instrument zur Dorfentwicklung – das Zukunftsinvestitionsprogramm zur Erneuerung der hessischen Dörfer. „Da ich der Jüngste war, durfte ich das Programm übernehmen“, erinnert sich Daubert an diese Zeit im hessischen Amt für Landeskultur in Marburg. „Aus dem heimischen Landkreis war Wohra als eines der ersten Dörfer dabei.“ Viele weitere Herausforderungen für die tägliche Arbeit sollten folgen.

2008 musste sich der Amtsleiter noch einmal auf Neues einstellen. Innerhalb der Kreisverwaltung wurden die Fachbereiche Ländlicher Raum und Veterinärwesen / Verbraucherschutz zu einem Verwaltungsteil zusammengelegt. „Bei allen Wechseln – unsere Grundrichtung konnten wir immer halten, es gab stets gewisse Spielräume“, sagt Daubert und blickt entspannt zurück. Kann er ja auch – denn mehr freie Spielräume als jetzt hatte der Marburger in den zurückliegenden Jahrzehnten garantiert nicht.

An seiner alten Arbeitsstelle hingegen sind mit Dauberts Weggang einige Spielräume weggebrochen. Der Amtsleiter hat im Fachbereich Ländlicher Raum eine Lücke hinterlassen, die der Landkreis bislang nicht füllen konnte. Ein Nachfolger für den vielseitigen ehemaligen Leiter wird noch immer gesucht.

von Carina Becker

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der Printausgabe der OP.

Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr