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Wo gehobelt wird, da fällt das Kraut

Tradition vor dem Aussterben Wo gehobelt wird, da fällt das Kraut

Einen Krautkopf hobeln – das ist eine Wissenschaft für sich. Da immer weniger Menschen im Landkreis ihr Gemüse selbst anbauen, droht die Tradition auszusterben. Es ist die Nachfrage, die fehlt.

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Der Krauthobel funktioniert wie eine überdimensionale Gemüsereibe. Mit kräftigen Bewegungen fährt Frank Schmidt den Kohl über die scharfen Messer.

Quelle: Thorsten Richter

Cölbe. Elisabeth Schmidt ist das, was man ein hessisches Urgestein nennt. Die 76-Jährige begrüßt mit festem Händedruck, einem offenen Lachen und mit einem herzlichen „Komme se rein“.

Sie lässt keine Zeit zum Durchatmen, sie will erzählen. Von ihrem Mann, von der Tradition, die er gepflegt hat, einfach von früher, als ganz Cölbe noch nach Landwirtschaft roch. Der erste Blick in der großen Wohnküche fällt auf ein gerahmtes Bild an der Wand.

„Das war mein Mann“, erklärt Elisabeth Schmidt. Im Dezember vergangenen Jahres ist er verstorben. Das Foto schützt vor dem Vergessen. Richtig lebendig werden für Elisabeth Schmidt die Erinnerungen an ihren Mann aber erst, wenn sie den Blick auf einen großen, alten Holzgegenstand in der Ecke des Zimmers schweifen lässt.

„Das ist ein Krauthobel, den hat mein Mann immer gut gehütet.“ Musste er auch – schließlich sorgte der Hobel nach dem Krieg dafür, dass die kleine Familie sich den ein oder anderen Pfennig hinzu verdienen konnte. Auch heute noch ist der Kohlhobel voll funktionstüchtig.

von Marie Lisa Schulz

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