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Vom Aussterben bedroht Wehrshausen: Eine Klasse für sich
Landkreis Vom Aussterben bedroht Wehrshausen: Eine Klasse für sich
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19:45 04.09.2011
17 Schüler zählt die Grundschule Wehrshausen. Und sie alle gehen in eine Klasse. Das „einzügige Schulsystem“ ist vom Aussterben bedroht. Und das, obwohl die meisten Schüler nach dem Besuch der Grundschule eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Quelle: Marie Schulz

Wehrshausen. Sie ist ein bisschen Sekretärin, ein bisschen Konfliktlöserin, ein bisschen Hausmeister und ganz viel Lehrerin.

Helga Hachenberg-Imhof (56) unterrichtet an der Grundschule Wehrshausen die Schüler der Klassen eins bis vier. Gleichzeitig versteht sich. Denn die Schule ist eine der wenigen im Landkreis, die noch ein einzügiges Schulsystem haben. Im Klartext bedeutet das:

Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertklässler werden gleichzeitig von nur einer Lehrerin unterrichtet. Das geht? Sehr gut sogar, ist sich Helga Hachenberg-Imhof sicher.

Im Klassenraum in der alten Schule in Wehrshausen riecht es nach Konzentration. Die Köpfe sind rot, der Bewegungsdrang groß. Zwei Schulstunden haben die 17 Schüler konzentriert gearbeitet, jetzt wollen sie raus. Toben, quatschen, einfach Kind sein. Zeit, die Lehrerin Helga Hachenberg-Imhof nutzt, um in ihrem kleinen Büro ein bisschen für Ordnung zu sorgen.

Denn auch wenn die Schule sich gemeinsam mit der Grundschule in Marbach, Michelbach, Elnhausen und Cyriaxweimar eine Sekretärin teilt, bleibt auch für die 56-jährigen Lehrerin einiges an Verwaltungsarbeit liegen.

Wenn ein neues Thema eingeführt wird, dann kommen die Kinder der einzelnen Jahrgangsstufen eben in einer kleinen Gruppe zusammen, lernen den neuen Stoff im direkten Kontakt mit der Lehrerin.

Immer mal wieder stand es in den vergangenen Jahrzehnten zur Debatte, die Grundschule zu schließen. Und immer wieder haben sich Eltern und ehemalige Schüler erfolgreich dagegen gewehrt. Das Schulkonzept in Wehrshausen hat sich herumgesprochen. Immer mal wieder muss Helga Hachenberg-Imhof Aufnahme-Anträge von Eltern aus Nachbardörfern prüfen – und meist ablehnen.

von Marie Lisa Schulz

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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