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Im „Grund“ sind 13 Windräder möglich

Energiewende Im „Grund“ sind 13 Windräder möglich

34 Windräder – so viele könnten potenziell im ­Bereich der Städte und Gemeinden Staufenberg, Allendorf/Lumda, Reiskirchen, Fronhausen und Ebsdorfergrund entstehen.

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Immer öfter entstehen Windräder in Waldgebieten. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Staufenberg. 34 Windräder – für den Staufenberger Bürgermeister Peter Gefeller und seinen Kollegen Andreas Schulz aus Ebsdorfergrund eine Horrorvorstellung. Denn nur fünf dieser Anlagen – drei in Staufenberg und zwei in Leidenhofen – sollen nach jetzigem Stand unter kommunaler Führung verwirklicht werden.

Hinter der überwiegenden Mehrheit der Windräder ständen externe Projektierer, die die Flächen von den örtlichen Waldeigentümern oder Hessen Forst gepachtet hätten – trotz anderslautender Zusagen in der Vergangenheit, wie Gefeller und Schulz bei einem Presse­gespräch betonten. Sie wollen nun alles tun, um die anderen Windkraftprojekte zu verhindern.

Zur Vorgeschichte: Hinter dem Staufenberger Windpark steht die Energiegesellschaft Lumda­tal, der Allendorf/Lda., Bus­eck, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Rabenau, Reiskirchen und Staufenberg angehören. Sie ­haben einen gemeinsamen ­Flächennutzungsplan aufge­legt, um kreisübergreifend zu steuern, wo Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht. Zur Energiegesellschaft stießen später noch Wettenberg, Lollar und Pohlheim hinzu. Der Flächennutzungsplan wurde Ende 2017 durch den Teilregionalplan Energie ersetzt. Und darin sind die Standorte der nun geplanten Windräder als sogenannte Vorranggebiete enthalten. Folglich sind die Planungen grundsätzlich zulässig.

„Wir halten Wertschöpfung zu 100 Prozent in der Region“

Doch nur das ­Staufenberger Projekt befinde sich beim ­Regierungspräsidium Gießen im Genehmigungsverfahren, betonten die Bürgermeister. Die Energiegesellschaft soll die Windräder in Staufenberg und ­Leidenhofen betreiben. „Wir waren die erste Bürgerinitiative, die dafür gesorgt hat, dass es keinen Wildwuchs gibt“, meinte Schulz zum gemeinsamen ­Flächennutzungsplan.

Der Leitgedanke sei gewesen, so wenige Windräder wie möglich zu errichten, von denen die Bürger aber einen Nutzen hätten, wenn schon das Landschaftsbild beeinträchtigt werde. „Wir halten zu 100 Prozent die Wertschöpfung in der Region“, ergänzte Gefeller auch mit Blick auf die geplante Bürgerbeteiligung. Vier Prozent Rendite will man den Anlegern ­garantieren.

Hessen Forst ­habe ursprünglich zugesichert, gegen den Willen der Kommunen keine Flächen für Windräder zu verkaufen, und dies dann doch getan, beklagten Gefeller und Schulz. Die privaten Waldeigentümer seien gebeten worden, nicht an Projektierer zu verpachten, sondern mit der Energiegesellschaft zusammen­zuarbeiten. Doch dann ­hätten die „Dollarzeichen vor dem ­Auge“ überwogen.

Hintergrund

Nach Angaben der Bürgermeister sind folgende Projekte in Zusammenarbeit mit Hessen Forst oder privaten Waldeigentümern von verschiedenen Projektierern geplant: vier Windräder in Sichertshausen, eins in Hachborn, sieben in Allendorf/Lda., 13 in Ebsdorfergrund und vier in Bersrod.   

Die Bürgermeister beklagten, dass bei den anderen Windkraftprojekten oft Steuersparmodelle im Vordergrund stünden. Wenn die Anlagen dann die ersten Jahre Verluste schrieben, sei das positiv für die Betreiber, weil nicht mal ­Gewerbesteuer gezahlt werden müsse. Beispielhaft nannte Gefeller vier bestehende Windräder in Hassenhausen, die der Projektierer an einen Hamburger Fonds verkauft habe. „95 Prozent der Erlöse landen außerhalb der Region und die Belastung bleibt hier.“

Und was wollen die Bürgermeister jetzt tun, um die Windräder zu verhindern? Schulz setzt auf Überzeugung und lädt Projektierer, Waldeigentümer und Gegner für Ende März zum ersten „Windkraftforum“ ein. Ziel ist, die Zahl der geplanten Windräder zu reduzieren. Außerdem wolle man keine Wege zur Verfügung stellen, in denen die neuen Stromleitungen verlegt werden müssten.

In Staufenberg soll das ebenso laufen. Privateigentümer sollen gebeten werden, keine Alternativflächen abzugeben. Außerdem 
will man für das gemeinsame Umspannwerk in Treis keine weitere Anlage zulassen. Möglich seien auch Einsprüche im Genehmigungsverfahren und Stellungnahmen bei der Umweltverträglichkeitsprüfung.
„34 Anlagen sind einfach zu viel“, meinte Schulz. „Wir gefährden damit die Akzeptanz der Energiewende.“

von Volker Böhm

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