Volltextsuche über das Angebot:

32 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Wolfshausen, so lebendig wie noch nie

Gemeinsam für alle Wolfshausen, so lebendig wie noch nie

Wölfe gibt es in Wolfshausen nicht, wohl aber ein ganzes Rudel Menschen, das einfach nur Gutes für die Mitbürger tun möchte. Wenn dabei doch mal jemand aufheulen sollte, dann ist das nur Wolfi, das Vereinsfahrzeug.

Voriger Artikel
24 Jahre und schon ehrenamtlich auf der Kanzel
Nächster Artikel
Grüne Quadranten spiegeln das Leben

Das Vereinsfahrzeug Wolfi und die Macher des Vereins: Wolfgang Hoffmann (von links), Dieter Happel, Horst Bäthge, Claudia Schmidt, Helge Schwartz, Uwe Sauer, Tina Schwarz und Hans-Georg Lapp. Es fehlt Lars Plitt-Geißler.

Quelle: Thorsten Richter

Wolfshausen. Ein Wolf im Vereins-Emblem und ein Wolfi auf vier Rädern. Der Förderverein für Bürgerhilfe Weimar zeigt deutlich auf, wo sein Sitz ist - im Ortsteil Wolfshausen. Dabei ist Wolfi nur Zugereister Wolfshäuser, er stammt original aus Wolfsburg und wurde auch von dort vom Verein abgeholt.

Stellt sich nun die Frage, ob Wolfi so heißt, weil er aus Wolfsburg kommt oder weil er in Wolfshausen zu Hause ist. Jedenfalls bildet er seither das Herzstück des Vereins, der durch Wolfi in die Lage versetzt wird, Fahrdienste für andere Menschen zu übernehmen. „Mit Wolfi konnten wir im ersten Jahr unseres Vereinsbestehens wirklich nicht rechnen“, sagt Vereinsvorstandssprecher Dieter Happel. Doch eine Spende der Raiffeisenbank machte es möglich.

Als sich Ende 2009 eine Gruppe Wolfshäuser zusammensetzte, um darüber nachzudenken, wie sich der Ort - nun endlich abgekoppelt von der B 3 - weiter entwickeln soll, kam das Thema unweigerlich auf den demografischen Wandel. Weil natürlich alle ländlichen Kommunen damit in fast allen Ortsteilen schon langsam zu kämpfen haben, kam der Gedanke auf, nicht nur etwas für den eigenen Wohnort Wolfshausen zu tun, sondern den Leitgedanken des Vereins auch auf die Gesamtgemeinde auszudehnen.

„Generationsübergreifend unser Zusammenleben und unser Lebensumfeld gemeinsam gestalten“, heißt der Satz, in dem so viele Möglichkeiten der Ausgestaltung stecken. „Wir fangen mit unserer Arbeit dort an, wo die Gemeinde Weimar aus Finanzgründen den Rotstift ansetzen muss“, sagt Happel.

Das Rudel Gutmenschen kam überein, das erste Jahr Wolfshausen zu widmen, um erst einmal auszuprobieren, wie sich der Förderverein aufstellen muss, um eine echte Hilfe zu werden. So teilte sich das Rudel schließlich auf in drei Projektgruppen: „Grün und Natur“, „Soziales“ sowie „Kultur und Treffpunkte“.

„Wir haben schnell erkannt, dass sich hilfsbereite Bürger lieber für einzelne Projekte engagieren als sich langfristig zu binden“, sagt Claudia Schmidt, Sprecherin für die Projektgruppe „Soziales“.

Na, sie muss es ja wissen, denn sie gehört zu jenen Leuten, die ein Projekt nicht nur von A bis Z begleiten, sondern auch immer wieder anfachen, wenn das Feuer auszugehen droht. Ja richtig, Claudia Schmidt, das war doch die, die sich mit ihrer Bürgerinitiative mit Nachdruck und Entschlossenheit für die Umsetzung des B-3-Lückenschlusses eingesetzt hat. Auch wenn gerade sie es verdient hätte, sich jetzt mal auszuruhen, ist sie schon wieder aktiv und steckt andere mit an. Dieter Happel: „30 Bürger haben spontan zugesagt, sich aktiv in Projektarbeiten einbringen zu wollen.

Und wie kann man die sich anbahnende neue Gemeinschaft in Wolfshausen besser vorantreiben als mit Gemeinschaftserlebnissen? Die Projektgruppe Kultur und Treffpunkte leistete ganze Arbeit. Da gab es einen Glühweinabend, ein Grünkohlessen und ein hervorragendes Benefizkonzert für die Kirchenrenovierung. Und nun steht ganz aktuell das erste Grenzgangfest an, das vom Ortsbeirat, dem Gymnastikverein, dem TV Weimar, der Freiwilligen Feuerwehr und eben vom Förderverein gestemmt wird. Der Erlös des Grenzgangfestes ist für die Gestaltung des Mehrgenerationenplatzes am Ortseingang vorgesehen. Die Projektgruppe „Grün und Natur“ setzt sich für die Pflege und Verschönerung der Natur in und rund um Wolfshausen ein. Die Arbeiten fangen mit dem Aufstellen von Ruhebänken an und umfassen alle wesentlichen Grünflächen im Ort und natürlich auch die Beteiligung an der Gestaltung des Mehrgenerationenplatzes.

Verschwiegenheitist oberstes Gebot

Die Gruppe „Soziales“ bietet vier Hilfsbereiche an, die über eine Fragebogenaktion herausgefiltert wurden. Schließlich wollte der Verein nicht an den Bedürfnissen der Bürger vorbei planen. Dank Wolfi gibt es Fahrdienste für nicht mobile Menschen. Dann Alltagshilfen für Jung und Alt vom Babysitten, über Computer-Hilfe und Haustierbetreuung bis hin zur Konflikthilfe. Zudem bieten die engagierten Bürger Hilfestellungen bei Erkrankungen und Pflege an. Etwa zur Entlastung pflegender Angehöriger oder einfach nur Besuche zum Zuhören oder Vorlesen. „Es versteht sich von selbst, dass sich alle freiwilligen Helfer dazu verpflichtet haben, über die Inhalte ihrer Tätigkeiten zu schweigen“, sagt Claudia Schmidt.

Tja, und dann gibt es da noch ein paar nette „Nebenprodukte, echte Selbstläufer wie den örtlichen Seniorenkreis. Waren es beim Neujahrsempfang nur neun Leute, die sich zuprosteten, nahmen am Ausflug zur Landsynagoge Roth schon mehr als 30 Menschen teil.

Obwohl der Verein noch so jung ist, mag ihn keiner mehr missen. Der Zusammenhalt der Bürger von Wolfshausen hat eine ganz neue Dimension angenommen. „Wir haben hier einfach etwas Neues gemacht, bei dem sich alle Bürger, ob alteingesessen oder gerade zugezogen einfach einbringen konnten. Das ist das Geheimnis des Erfolges“, sagt Hans-Georg Lapp. Auch Wolfhausens Ortsvorsteher Guido Wege ist voll des Lobes für den Verein. „Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos, besser geht es eigentlich nicht. Wir arbeiten hier nicht konkurrierend, sondern miteinander.“ Auch Weimars Bürgermeister Peter Eidam zollt dem Verein seinen Respekt:

„Das ist keine Frage, wir können einfach nur glücklich sein, so viele Menschen in einer Gemeinde zu haben, die sich für andere Menschen und ihr Lebensumfeld so sehr engagieren.“

Damit die Angebote, Arbeiten und Projekte auch bekannt gemacht werden, gibt es noch den Projektbereich „Öffentlichkeitsarbeit“. So sieht sich der Verein gut aufgestellt, das Wagnis anzugehen, und seine Arbeit auf ganz Weimar auszudehnen.

HINTERGRUND: Am 19. Mai 2011 wurde der Förderverein für Bürgerhilfe Weimar gegründet. Damals hatte er aus dem Stand 44 Mitglieder. Ein Jahr später hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt. Aktuell sind es 98 Personen und drei Vereine. Vorstandssprecher ist Dieter Happel, zu erreichen unter Telefon 06421/ 79133, E-Mail: fv.buergerhilfe-weimar@t-onilne.de, Homepage: www.foerderverein-weimar.de

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr