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"Wir wollen gar kein Windrad"

Bürgerinitiative Ebsdorfergrund "Wir wollen gar kein Windrad"

Die Bürgerinitiative „Wald ohne Windkraft (BI WoW) kämpft allein für ihr Anliegen, nicht, um Kompromisse zu schließen. Schon gar nicht, wenn ihre ­Themen erst gar nicht ­verhandelt werden.

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Lothar Briel aus Roßberg (von links), Klaus Neebe aus Wermertshausen und Gerhard Grau aus Dreihausen gehören dem Vorstand der BI WoW an. Ihre Botschaft ist auf dem Plakat zu sehen.

Quelle: Götz Schaub

Roßberg. Ja, es ist ihnen bewusst, dass es nach außen so aussehen mag, als seien sie nicht gesprächsbereit, geben Klaus Neebe, Lothar Briel und Gerhard Grau vom Vorstand der BI WoW unumwunden zu. Doch sie haben ihre Gründe, warum sie nun auch die zweite Chance, an einem Windkraftforum teilzunehmen, verstreichen lassen. „Wir wollen uns nicht dort abarbeiten, weil das nur Zeit bindet und uns nichts bringt. Wir wollen nicht zwei, nicht eins, wir wollen gar kein Windrad hier bei uns im Wald“, sagt Neebe.

Briel: Anlagen erzeugen Schall

Die BI ist in dieser Angelegenheit so rigoros, weil sich ihr die Sinnhaftigkeit nicht erschließt. „Wir sehen nur, dass massiv in unsere Natur und Umwelt eingegriffen wird, aus der Kulturlandschaft Wald mehr denn je eine Industrielandschaft wird, die nicht nur nicht schön aussieht, sondern auch viele neue Gefahren birgt. „Die riesigen Windkraftanlagen erzeugen nämlich auch Geräusche und Schall“, sagt Briel. Mechanische und aerodynamische.

Insbesondere der so genannte Infraschall, der durch Wirbelablösungen am Ende der riesigen Rotorblätter entsteht, wird von ihnen als gesundheitsschädlich angesehen. Alarmierend seien­ die Erkenntnisse von Forschern der Universität Mainz. Diese meldeten im März dieses Jahres, dass der nicht zu hörende ­Infraschall die Herzmuskelkraft eines Menschen um bis zu 20 Prozent mindern kann.

Und genau über das Thema Gesundheit wollen die Projektierer der Anlagen im Waldgebiet zwischen Wermertshausen, Roßberg und Dreihausen im Forum nicht sprechen. Das wurde bei der Erstellung der Spielregeln für das Forum festgelegt, an dem kein Mitglied der BI teilnehmen durfte.

„Wir sind eine BI mit 165 Mitglieder. Wir wollen mit unserer Arbeit, die wir ehrenamtlich machen, die Bürger über die Dinge aufklären, die nicht in der politischen Diskussion stehen, aber am Ende, sollten die Räder erst einmal stehen, große Auswirkungen auf ihr Leben haben werden“, führt Briel aus.

BI WoW: Die Sinnhaftigkeit wird nicht hinterfragt

Einmal den ganzen Aspekt „Gesundheit“ ausgeblendet, erschließt sich der BI auch nicht die Sinnhaftigkeit von Windrädern in der Region. In der Region wehe der Wind auf einer Höhe von 140 Metern im Durchschnitt sechs Meter pro Sekunde. Bis zu einer Windgeschwindigkeit von etwa zwölf Meter­ pro Sekunde wird nur Teillastbetrieb erreicht. Erst darüber hinaus wird es wirklich interessant. Aber wie oft soll das vorkommen, bei einem Durchschnitt von sechs Metern pro Sekunde? Selbst wenn alles prima laufe, so fehle es dann an Speichermöglichkeiten, um den Ertrag der Anlage effizient ausnutzen zu können.

Weil nun die Windhöfigkeit auf vielen Flächen in Deutschland nicht ausreichend ist, befürchtet die BI, dass so genannte Windkraft-Vorrangflächen in letzter Konsequenz maximal ausgenutzt werden müssen, will Deutschland tatsächlich eine hundertprozentige Energieversorgung durch erneuerbare Energien erreichen.

Ende 2017 standen im Land 28 675 Anlagen. Diese Zahl müsste praktisch noch einmal erreicht werden. Die Szenarien für die Vorrangfläche in den Ebsdorfer Grund könne­ man sich dann selbst ausmalen. Und: Damit wäre die Deckung möglicherweise erreicht, aber keine dieser Anlagen könnte­ ohne Subvention wirtschaftlich betrieben werden. Solange es keine Speichermöglichkeiten gibt, müsse die Stromversorgung durch einen ausgewogenen Mix, zu dem auch konventionelle Kraftwerke gehören, ­sichergestellt werden, so die BI-Vorstandsmitglieder.

Damit möchten sie nicht sagen, dass sie sich nicht von Kraftwerken trennen möchten, aber so wie es derzeit in Deutschland laufe, passe es einfach nicht. Es werde vordergründig etwas für den Menschen getan, hintergründig werde er massiv geschädigt.

Abstände sind nicht mit den Masthöhen gewachsen

„Die politisch Verantwortlichen wollen das aber nicht hören und nehmen die Zerstörung von Lebensräumen für Mensch und Natur billigend in Kauf“, sagt Klaus Neebe. Die drei Vorstandsmitglieder sind überzeugt, dass sie in dem Forum nichts bewirken können. Selbst wenn dort entschieden würde, dass statt 20 nur zehn gebaut werden, könnte das kein Erfolg sein, zumal der unbebaute Rest der Fläche weiterhin Vorrangfläche bleibt und dann irgendwann zur bereits jetzt schon ­geforderten „optimalen Ausnutzung“ doch bebaut werde.

„Wir wären mit zwei Vertretern im Forum vertreten, die aus genannten Gründen gar kein Windrad haben wollen. Die ­Gemeinde will zwei mittragen, wenn auch am liebsten in Bürgerhand. Aber es wird niemals bei zwei bleiben“, sagt Briel. Und dann kommen sie auf ein weiteres Thema zu sprechen, was ihnen Sorge bereitet.

„Die Höhe der Anlagen ist immer weiter gestiegen, die Abstände zur Wohnbebauung nicht. Wir haben hier auch noch die Landessammelstelle für radioaktiven Abfall und Wasserschutzgebiete. Was passiert denn, wenn eine Anlage beschädigt ist?“, sagt Briel. Es sei auch nicht nachzuvollziehen, warum in Hessen geringere Abstände zur Wohnbebauung gelten als in anderen Bundesländern. In Bayern sind es 2,2 Kilometer, hier tausend Meter.

Die BI setzt darauf, dass die Bürger verstehen, dass ihnen das Forum nichts bringen kann. „In den Vorgesprächen zum Forum, an denen wir nicht teilnehmen durften, hieß es, das Forum sei dazu da, in Gesprächen für den Prozess sensibilisiert zu werden“, sagt Briel. Die BI wolle aber nicht gegen alle Vernunft für etwas sensibilisiert werden, was sie gar nicht wolle, ergänzt Neebe.

Gerhard Grau sagt, dass ihm schon einige Orte im Landkreis bekannt seien, wo Menschen unter den Folgen errichteter Anlagen leiden. Das müsse im Grund verhindert werden.

Weitere Informationen zur Arbeit der BI WoW und die Gründe, nicht am geplanten Windkraftforum der Gemeinde Ebsdorfergrund teilzunehmen gibt es hier.

von Götz Schaub

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