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Südkreis Wie wär‘ es mit „in die Bäume klettern“
Landkreis Südkreis Wie wär‘ es mit „in die Bäume klettern“
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19:16 04.03.2012
Maik Scheffe erläuterte den Schülerinnen und Schülern seinen Beruf und stellte sich den Fragen der Jugendlichen. Quelle: Heiko Krause

Heskem. Den ersten Schritt in Richtung Berufsorientierung haben die Schüler der Klasse sieben des Förderschulzweiges der Gesamtschule Ebsdorfer Grund gemacht. Im Rahmen eines dreitägigen Kompetenzfeststellungsverfahrens lernten sie unter anderem als Beispiel das Berufsbild des „kletternden Baumpflegers“ kennen.

Wie Förderschullehrer Christian Latz erläuterte, werde das Verfahren „KomPo7“ des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft in Kooperation mit den Schulen landesweit in verschiedenen Schulformen durchgeführt. Ziel sei es, persönliche Kompetenzen, wie Teamfähigkeit oder soziale Fähigkeiten zu ermitteln, um Neigungen und Stärken festzustellen. Zudem sollten den Schülern mögliche Berufsfelder aufgezeigt werden.

In unterschiedlichen Einheiten würden die Jugendlichen sowohl von den Lehrkräften beurteilt, als auch eine Selbsteinschätzung vornehmen, so Latz.

Seine Kollegin Tamara Schneider ergänzte, dass am Ende eine ausführliche Auswertung stehe, in die auch die Eltern eingebunden würden. Die Ergebnisse des Kompetenzfeststellungsverfahrens dienten dann beispielsweise zum Aussuchen von Praktika, die jetzt anstünden, und auch einer weiterführenden Berufsorientierung. Das Verfahren leiste einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Berufswahl- und Ausbildungsreife der Schülerinnen und Schüler.

Ein Bestandteil des Verfahrens war ein sogenanntes Jobinterview. Im Vorfeld hatten sich die Jugendlichen Fragen überlegt, die sie einem Berufstätigen stellen wollten.

Und dieser war in Heskem der Marburger Maik Scheffe. Der selbstständige Baumpfleger und gelernte Gärtner führte zunächst in seinen Beruf ein. Es handele sich nicht um einen Ausbildungsberuf, sondern um eine Weiterbildung, erfuhren die Schüler. Er sei darauf spezialisiert, in schwierigen Situationen in die Bäume zu klettern. Und es mache ihm viel Spaß, denn er sei gerne draußen und klettere auch in seiner Freizeit.

Die Frage, wie viele Bäume er am Tag schaffe, konnte der Fachmann nicht beantworten: „Jeder Baum ist ein Einzelstück“. Mal arbeite er mit der Motorsäge und dann auch mit der Rosenschere. Ganz wichtig sei die Sicherheit. Alleine dürfe er gar nicht arbeiten, weshalb auch Teamfähigkeit gefragt sei. Einige der Schüler zeigten Interesse am Garten- und Landschaftsbau. Da müsse sich jeder bewusst sein, dass dies harte Arbeit bei Wind und Wetter sei, so Scheffe. Aber wer gerne draußen sei und dies nicht scheue, für den könne dieser Beruf durchaus der richtige sein.

Wie Latz ausführte, würden im Förderschulzweig Schüler mit Lernhilfe- und Erziehungshilfebedarf, häufig auch verhaltensauffällig, in kleinen Gruppen gezielt und individuell unterrichtet. Weil der Weg immer weiter in Richtung Inklusion gehe, sei die Zusammenarbeit mit der Regelschule in gemeinsamen Programmen so wichtig, um Übergänge zu erleichtern.

von Heiko Krause