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Südkreis Weiter Proteste gegen Bauvorhaben
Landkreis Südkreis Weiter Proteste gegen Bauvorhaben
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00:18 16.11.2018
Rund 300 Bürgerinnen und Bürger nahmen im Gewerbegebiet zwischen Wenkbach und Niederwalgern an einer Kundgebung gegen das in Bau befindliche Logistikzentrum teil. Quelle: Lisa Rösser
Wenkbach.

 Die Kritik am Bau eines umstrittenen Logistikzentrums im ­Gewerbegebiet zwischen Wenkbach und Niederwalgern ebbt nicht ab. Etwa 300 Bürgerinnen und Bürger kamen am Samstag vor der Baustelle der Lagerhalle im Gewerbegebiet zu einer Kundgebung der Bürgerinitiative „Lebenswerte Dörfer“ zusammen, viele davon mit Transparenten.

Die Veranstalter von der BI ließen nicht nur kurz die bereits bekannten Fakten Revue passieren, sondern diskutierten auch die aktuellen Entwicklungen, die nähere und längerfristige Zukunft sowie die Frage nach der Rechtswidrigkeit der aktuell fortschreitenden Bautätigkeiten.

So ­habe sich der Landkreis die nötige Sondergenehmigung zum Bau im Überschwemmungsgebiet erst vor wenigen Tagen besorgt, zuvor sei der Bau ohne eine entsprechende Genehmigung begonnen und fortgesetzt worden.

Daher ändere sich am rechtswidrigen Status des Baubeginns bis zur Erteilung der Genehmigung jedoch nichts, erklärten Vertreter der Bürgerinitiative. Auch dass die Veränderungssperre durch den Bürgermeister verhindert worden sei, könne man nicht nachvollziehen.

Beschwerde beim Gerichtshof

Die Vertreter der BI „Lebenswerte Dörfer“ betonten in diesem Zusammenhang, dass gegen den Vorgang Beschwerde beim hessischen Gerichtshof eingelegt worden sei, womit man in die nächste Instanz gehe und weiterhin auf Spenden der Bürgerinnen und Bürger angewiesen sei.

In seiner Ansprache sagte Walter Bornmann, der Presse­sprecher der Bürgerbewegung „Kein Schwerlastverkehr auf der L  3093“: „Ich höre oft: Das hätte man doch gar nicht verhindern können, das wurde 2001 alles schon festgelegt. Das stimmt so nicht.

Das Regierungspräsidium hat damals die Ansiedlung von 
Gewerbe recht großzügig erlaubt – mit Ausnahme von Spedition und Logistik. Aus guten Gründen.“

Dass die Ansiedlung des ­Logistikzentrums der Firmen Depro-Kautetzky dennoch so rasch durchgewunken worden sei, führt er auf den politischen Willen der Gemeindeführung zurück. „Man hat das mit Planungsänderungen vorbereitet, gerade mit der Entfernung des Fahrradweges hat man das Gebiet für genau diesen Investor vorbereitet.“

Dabei müsse immer auch klar sein, worin dessen Interessen bestehen. „Das Bestreben eines Investors ist immer Gewinnmaximierung – die Lage muss gut sein und er muss eine wohlwollende Kommune haben, in der er Planungssicherheit hat. Da denkt man in Kategorien von fünf bis zehn Jahren.“

Furcht vor Global Player

Dass trotz der momentan noch bestehenden Einschränkungen weiteres Vorgehen von Gemeinde und Investor zu erwarten sei, davon ist Bornmann überzeugt. „Das Grundstück hier hinter uns ist wie prädestiniert für eine zweite Halle. Wenn es gut läuft, folgt eine dritte. Irgendwann ist vielleicht die andere Straßenseite gegenüber im Gespräch.

Das wird kommen, wenn wir es nicht schaffen, uns dagegen zu wehren.“
Der Unternehmer wolle ein Global Player werden, der außer Ferrero bereits auch ­andere Kunden international angeworben habe. Es sei nicht zu erwarten, dass er sich mit nur ­einer Halle und den vorhandenen ­Beschränkungen auf Dauer zufrieden geben werde.

Für die Zukunft der Dörfer Niederwalgern und Wenkbach sehen die Initiatoren der Bürgerinitiative schwarz, wenn die von Bornmann befürchteten Pläne Realität würden. „Was passiert mit diesen Orten, wenn das hier ein Gewerbestandort für Logistik wird? Die Ortskerne werden leer stehen. Wer will denn hier herziehen?

Wer will das Elternhaus übernehmen, es renovieren? Würde von euch hier jemand noch ein Haus hier kaufen?“, fragte er. „Nein!“, antwortet die Menge.

Bornmann weiter: „Man will Gewerbe hier in Mittelhessen ansiedeln – dagegen ist nichts zu sagen. Aber es muss sozialverträglich sein.“ Er fürchtet: „Wir haben hier funktionierende Dörfer mit ­funktionierendem Vereinsleben, Niederwalgern hat sogar einen Entscheid gewonnen. Aber das wird veröden, die Dörfer werden zu reinen Wohngebieten und Schlafstätten degradiert werden.“

Florian Gediga appellierte an die Politik: „Wir würden uns sehr wünschen, mit der Politik in den Dialog zu treten. Wir möchten ja zusammenarbeiten und wir sind auch nicht gegen Gewerbe. Aber leider wird uns dieser Dialog verwehrt.“ 

von Lisa Rösser