Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Waldbauern brauchen neue Strategie

Vermarktungspraxis: Waldbauern brauchen neue Strategie Waldbauern brauchen neue Strategie

Holzkartelle aufspalten: Der Ärger ist groß, die neue Regel zur wettbewerbsrechtlichen Holzvermarktung akzeptieren müssen die hessischen Waldbauern dennoch – das weiß auch die Kreisgruppe Marburg.

Voriger Artikel
Kaufkraft verzweifelt gesucht
Nächster Artikel
Bürgerinitiative sagt Forum-Teilnahme ab

Der Vorstand der Kreisgruppe Marburg des Hessischen Waldbesitzerverbands: Beisitzer Hans Georg Lapp (von links), Vorsitzender Heinrich Breitstadt und Stellvertreter Hans-Hermann Zacharias. Foto: Ina Tannert

Quelle: Ina Tannert

Wittelsberg. Der umkämpfte Hessische Holzmarkt und eine neue Vermarktungsregel, die das Bundeskartellamt durchsetzen will, war emotionales Thema auf der Versammlung der Kreisgruppe Marburg des Hessischen Waldbesitzerverbands.

Über die Auswirkungen auf die kommunalen Waldbesitzer und die Zukunft des heimischen Holzhandels informierte Carsten Wilke, Leiter der Abteilung Forsten und Naturschutz des Hessischen Umweltministeriums. Er warb im Namen des Ministeriums für ein Umdenken der Waldbesitzer.

Hintergrund: Das Bundeskartellamt bemängelt seit Jahren eine Vermischung des staatlichen, privaten und kommunalen Holzhandels – gebündelte Holzvermarktung genannt. Denn daran beteiligt sind neben nichtstaatlichen Anbietern ebenfalls Landesbetriebe der Bundesländer.

Mit dem Verkauf von Holz der nichtstaatlichen Betriebe verschaffe sich das Land als übergroße Wirtschaftsmacht unfaire Vorteile – das Kartellamt sieht darin einen Bruch wettbewerblicher und kartellrechtlicher Grundsätze, fordert einen höheren Anbieterwettbewerb und will diese Holzkartelle quasi aufspalten. Soll heißen: die landeseigenen Betriebe dürften künftig nicht mehr das Holz der privaten oder kommunalen Anbieter vermarkten noch deren Forst bewirtschaften. Dies war in den letzten Jahrzehnten jedoch gängige Praxis, gegen die das Bundeskartellamt gegen das Land Baden-Württemberg beim Oberlandesgericht Düsseldorf erfolgreich Klage erhob.

Nach der gerichtlichen Bestätigung erwarten die Wettbewerbshüter nun eine kartellrechtskonforme Umsetzung der  Holzvermarktung. Die Entscheidung hat ebenfalls große Auswirkungen auf andere Bundesländer.

Holzvermarktung muss neu organisiert werden

Auch Hessen ist betroffen und damit Hessenforst: um eine eigene Unterlassungsverfügung zu vermeiden, muss das Land umgehend reagieren. Der Landesbetrieb Hessenforst müsse sich aus einem großen Teil des Marktes zurückziehen, die heimischen Waldbauern nun konsequent umdenken und eine neue Vermarktung aufbauen. Der Wechsel sei „alternativlos – nicht zu handeln wäre fahrlässig. Wir alle haben das nicht gewollt, werden aber damit umgehen müssen“, betonte Wilke.

Kernpunkt dabei ist die Trennung der gebündelten Holzvermarktung der verschiedenen Waldgebiete ab einer gewissen Größe: getrennt werden müssen demnach die Vermarktung von Holz aus dem Staatswald und aus dem Kommunal- oder Privatwald. Betroffen sind Betriebe mit einer Holzbodenfläche von mehr als 100 Hektar. Diese darf Hessenforst künftig nicht mehr komplett betreuen, die Behörde will jedoch weiterhin forstwirtschaftliche Dienstleistungen anbieten.

Die gebündelte Holzvermarktung darf auch weiterhin auf den Markt, „die kann auch größer sein – nur der Staat darf nicht mehr im Boot sein“, erklärte Wilke. Damit müsse die Holzvermarktung auf allen Ebenen umfassend neu organisiert werden. Das Ministerium reagiert auf die neue Vorgabe und fordert die Waldbesitzer nun auf, wirtschaftlich leistungs- und wettbewerbsfähige Holzverkaufsorganisationen zu gründen. Ziel sei „eine Holzvermarktung auf zukunftsträchtiger Basis“.

Kleinwaldbesitzer haben das Nachsehen

Mit der Ankündigung hatten viele Anwesenden zwar gerechnet, verärgert reagierten dennoch die meisten Waldbesitzer, die sich nun mit einem Strukturwandel und neuen Aufgaben auseinandersetzen müssen. Größter Kritikpunkt ist, dass gerade kleine Privatwaldbesitzer zwar nicht betroffen seien, dennoch das wirtschaftliche Nachsehen hätten. Wie viele kommunale Gruppen sich letztlich an den neuen Forstbetriebsgemeinschaften beteiligen wollen und wie viele es hessenweit am Ende werden, bleibt abzuwarten.

Kritik zum Thema äußerte ebenfalls Christian Raupach vom hessischen Waldbesitzerverband. Er gab einen Überblick über den aktuellen Stand der Forstarbeiten, zeigte sich dabei erleichtert, dass mit dem späten Frost „nach einem fürchterlich nassen Winter“ die Holzwirtschaft mittlerweile auf Hochtouren laufe, auch wenn sich der Holzeinschlag wetterbedingt stark verzögerte.

Parallel würden auch endlich Sturmschäden beseitigt werden. Raupach hob klima- und umweltschutzrechtliche Belange von Forstwirtschaft und Waldbesitzern hervor. Die würden durch ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, für die Gesellschaft wie die Umweltpolitik leisten, „wir produzieren nicht einfach nur einen wichtigen Rohstoff“. Dies würde von der Politik indes nicht ausreichend honoriert, kritisierte der Referent unter anderem Stilllegungen von Wäldern im Rahmen des Naturschutzes, wodurch das Eigentum der Waldbesitzer „angegriffen“ würde. „Die Politik begibt sich auf sehr dünnes Eis, auf einen gefährlichen Weg“, mahnte Raupach.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr