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Südkreis Kaufkraft verzweifelt gesucht
Landkreis Südkreis Kaufkraft verzweifelt gesucht
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08:10 24.03.2018
Iris Banisch (links) und Claudia Kaletsch bedienen derzeit die Niederwälger in dem Laden. Quelle: Dominic Heitz
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Niederwalgern

Jetzt hat sich ein echter Profi mit dem ­Lebensmittelmarkt in Niederwalgern befasst: Klaus Hei­mann aus Wilnsdorf berät in ganz Deutschland Dörfer, die ihre Nahversorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs in die eigenen Hände nehmen wollen. In der Ortsbeiratssitzung präsentierte­ Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser in aller Kürze die Ergebnisse. Quintessenz: Der Umsatz reicht noch nicht für eine längerfristige Zukunft.

Bis zu 20 Prozent der Niederwälger Kaufkraft für Lebensmittel müssten in den Laden fließen, damit er sich rechnet, sagte­ Heuser. Das hatte Dorfladen-Experte Heimann vorgerechnet. Dann reichten auch die 1500 Einwohner des Ortes­ aus. Das bedeute, so Heuser, dass jede Familie wöchentlich für etwa 30 Euro dort einkaufen müsse, damit es funktioniert.

Zurzeit und übergangsweise­ wird der Laden vom St.-Elisabeth-Verein betrieben. Dass der Umsatz derzeit noch nicht ausreicht, damit sich ein solches Angebot in Zukunft rechnet, bestätigte auch Martin Kaufmann. Kaufmann ist der Geschäftsführer des Lebensmittelmarktes in Niederwalgern. Konkrete Zahlen wollte er noch nicht nennen, weil der Markt erst seit einigen Wochen geöffnet hat. Zudem seien Januar und Februar für solche Läden grundsätzlich nicht so umsatzstark. Mit den Zahlen aus März und April habe man eine verlässlichere Datenbasis und könne weitere Schlüsse ziehen, so Kaufmann.

Zehn Freiwillige haben sich gemeldet

Im Ortsbeirat in Niederwalgern diskutierten die Mitglieder gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden des Weimarer Parlaments das weitere Vorgehen. Zum einen soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden; Kunden sollen zurückgewonnen werden. Zum anderen wird noch immer an einer Lösung gearbeitet für die Zeit, nachdem sich der St.-Elisabeth-Verein zurückzieht. Heuser sagte, dass der Verein das Projekt weiter begleiten wolle, bis ein neuer Betreiber Fuß gefasst hat.

Wer den Laden in Zukunft betreibt, steht allerdings noch in den Sternen. Dabei setzt der Ortsbeirat auf das Engagement der Niederwälger. Die zukünftigen Betreiber sollen aus der Bürgerschaft rekrutiert werden. Eine Arbeitsgruppe hat sich formiert und treibt das Thema voran. Zehn Bürger hätten schon Bereitschaft signalisiert, sich in dem Projekt einzubringen, hieß es im Ortsbeirat. Doch es gibt noch viele unbeantwortete Fragen.

Bürger sollen sich für 
ihren Laden engagieren

Zum Beispiel, in welcher Rechtsform der Laden betrieben werden soll. Als Genossenschaft, Förderverein oder von einer Einzelperson? Eine klare­ Vorstellung hat Hans-Heinrich Heuser lediglich in Sachen Personal: „Eine Vollkraft soll den Laden schmeißen.“

Egal, wer sich von den Niederwälgern weiter in dem Projekt engagieren möchte – klar sei, so der Ortsvorsteher, dass es dabei um mehr geht, als „einfach nur die Hand zu heben“. Wichtig sei es auch, dass sich die Menschen im Ort über die Bedeutung eines solchen Angebotes im Klaren seien. Und es eben auch nutzen.
Die Arbeitsgruppe trifft sich am Montag, 26. März, um 20 Uhr im Bürgerhaus, um weiter an der Zukunft des Dorfladens zu feilen.

Einen kleinen Beitrag zur Nahversorgung hat kürzlich die Post geleistet. Seit Anfang der Woche bietet das Unternehmen in dem Dorfladen einige einfache Dienstleistungen an. Niederwälger können dort wieder Briefmarken kaufen oder ihre Briefe, Päckchen und Pakete aufgeben.

von Dominic Heitz

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