Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Pfarrer von Hachborn muss gehen
Landkreis Südkreis Pfarrer von Hachborn muss gehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 19.03.2019
Pfarrer Sven Kepper ist vor allem in der Wehrkirche in Hachborn als Seelsorger tätig. Die halbe Pfarrstelle wird gestrichen werden, allerdings in eine Übergangsstelle umgewandelt.  Quelle: Ina Tannert
Hachborn

Der Einspruch des Kirchenvorstandes gegen die Kürzung der Pfarrstelle von Sven Kepper wurde von der Landeskirche abgelehnt. Über den Ausgang der monatelangen Protestwelle innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde Ebsdorf berichten Pfarrer Eric Weidner und Konrad Bender, Vorsitzender des Kirchenvorstands von Ebsdorf, Leidenhofen und Hachborn.

Das Ergebnis des langen Verfahrens: Langfristig bleibt es bei der Stellenstreichung, allerdings wird die halbe Pfarrstelle umgewidmet in eine Übergangsstelle, die maximal drei Jahre Bestand haben soll. Rückwirkend zum ursprünglich angedachten Stellenwegfall, dem 31. Dezember 2017.

Monatelange Protestwelle: Kompromisslösung

Damit bleibt Kepper der Kirchengemeinde vorerst erhalten. Allerdings nicht dauerhaft, die Entscheidung sei von Seite der Landeskirche her als „weicher Übergang“ gedacht. Das Ganze stelle eine Kompromisslösung dar, die aus der monatelangen Protestwelle der Kirchengemeinde hervorging (die OP berichtete). Die Beteiligten hätten sich bis zur obersten Kircheninstanz durchgekämpft, sich Gehör verschafft, um für „ihren“ Pfarrer zu kämpfen.

Erreicht worden sei nun ein beachtlicher Teil-Erfolg: „Die Leute haben alles gegeben, jedes Gespräch, das Pfarrer Kepper führt, jedes Kind, das er tauft und jede Beerdigung, die er leitet – all das haben die Menschen der Kirchengemeinde erreicht“, betont Weidner.

Rückblick: In der betroffenen Kirchengemeinde gab es bislang eineinhalb Pfarrstellen, eine volle Stelle für Weidner, die halbe Stelle besetzte Kepper, der außerdem noch die Telefonseelsorge betreut. Im September 2017 erfuhr die Kirchengemeinde von der Stellenstreichung. Kepper, der vor allem in Hachborn als Seelsorger tätig ist, sollte ab dem 31. Dezember 2017 seine Gemeinde verlassen, die dann freie halbe Stelle gekürzt werden. Schnell regte sich Unmut unter den Bewohnern aller Dörfer, sie wehrten sich gegen die Entscheidung.

Protestbewegung ging bis zum Kirchenrat

„Wir wurden damals total überrascht, es war ja alles schon für Weihnachten vorbereitet – überall gab es Protest“, erinnert sich Bender im Rückblick. Es folgten Versammlungen und Protestschreiben. Der Aufstand reichte bis zur Androhung von Kirchenaustritten. Ihre Bedenken ob der Stellenkürzung trugen die Menschen auch an Dekan und Bischof ­heran und gingen noch weiter.

Die Kirchengemeinde und die im Zuge des Protestes gegründete Bürgerinitiative sammelten rund 1.500 Unterschriften von Bewohnern. Die Liste samt Petition im Gepäck fuhren laut Bender zahlreiche Gemeindemitglieder Ende 2017 zum Landeskirchenamt nach Kassel zur damaligen Prälatin Marita Natt. In intensiven Gesprächen entstand dort der Kompromissvorschlag, auf den die ganze Geschichte heute hinausläuft. ­

Gegen die Stellenkürzung hatte der Kirchenvorstand Einspruch bei der Landeskirche eingelegt. Die Sache ging durch verschiedene Gremien des Landeskirchenamtes und erreichte sogar den Rat der Landeskirche. Der lehnte im November letzten Jahres den Widerspruch ab. Fast zwei Jahre später seit Beginn der Proteste ist das Verfahren nun beendet, die Entscheidung ist seit Dezember rechtskräftig, sagt Weidner.

Er selber sei „enttäuscht und traurig, dass ich diesen Kollegen verlieren werde.“ Dennoch müsse er das Ganze „neutral, in einem größeren Zusammenhang betrachten.“ Die Zahl der Gemeindemitglieder sei zuletzt nicht spürbar angestiegen, was vielleicht ein schwerwiegendes Argument gegen die Kürzung hätte sein können. Auch verliere die Kirche in jedem Jahr weitere Mitglieder, die Zahl der Gläubigen geht zurück und damit auch die Einnahmen der Kirche.

Pfarrer muss eventuell noch vor Fristende gehen

Gespart werde in verschiedenen Kirchengemeinden, nun auch in Hachborn. „Es ist ein großer Reformprozess und wir sind leider Teil davon“, sagt Weidner bedauernd. Die letzte Möglichkeit wäre noch eine Klage vor dem Kirchengericht gewesen, die einerseits teuer und Erfolgs­aussichten standen jedoch ­„äußerst gering“.

Dennoch sei der durch den Protest sehr vieler Menschen erreichte Kompromiss ein Erfolg, wenn auch nicht ein voller Sieg. „Wir haben viel gekämpft und viel erreicht, immerhin drei Jahre – die Entscheidung ist zu akzeptieren“, betont auch Bender. Wie es die Kirche nun vorsieht, kann Kepper theoretisch bis zum 31. Dezember 2020 in seiner Stellung bleiben.

Allerdings sei es auch denkbar, dass der Pfarrer schon vor Ablauf dieser Frist die Gemeinde verlassen könnte, denn er müsse sich langfristig auf eine neue Stelle bewerben, daher eventuell früher gehen. Bis dahin bleibt er seiner Gemeinde erhalten. Danach übernimmt Weidner seine Aufgaben, der sich längerfristig in Familienzeit befindet und auf einer halben Stelle arbeitet. Daher wird er derzeit von Pfarrerin Jennifer Lackmann unterstützt, die im letzten Jahr zur Kirchengemeinde gestoßen ist.

von Ina Tannert