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Südkreis Tod des Inquisitors weckt Interesse
Landkreis Südkreis Tod des Inquisitors weckt Interesse
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00:20 13.06.2015
Eine Besuchergruppe studiert die Inschrift des Gedenksteins, der an die Ermordung Konrad von Marburgs erinnert. Quelle: Hartmut Berge
Beltershausen

Denn dort geschah am 30. Juli 1233 ein Mord, der für große Aufregung sorgte, nicht nur in Deutschland, auch beim Papst in Rom. Zu Tode kam an diesem Tag Konrad von Marburg, einer der ersten Inquisitoren des Mittelalters, der erste in Deutschland. Über diesen höchst umstrittenen Mann der Zeitgeschichte wurden viele Bücher geschrieben, Aufsätze, Artikel und Doktorarbeiten verfasst. Auch heute noch befassen sich Historiker mit dem Ketzer-Richter. Sein Name taucht in vielen alten Dokumenten auf, in zahlreichen Ländern Europas.

Das verwundert nicht, denn „Richter Gnadenlos“ wie ihn „Die Zeit“ 2014 in einem Artikel nannte, war ein weit gereister Mann. Zwischen 1180 und 1190 kam er bei Marburg zur Welt, studierte dann wohl in Paris und erwarb dort den Magister-Titel. In den Kirchenbüchern taucht er als Prediger auf.

Papst Innozenz III. beauftragte ihn 1215, Menschen für den 5. Kreuzzug zu gewinnen.

Konrad war ein begnadeter Redner. Wie ein Morgenstern soll er vor allen Pfaffen gestrahlt haben, beschreibt der Chronist Johannes Rothe seine Fähigkeiten. Bei seinen Reisen quer durchs Land war er auf einem Esel unterwegs und führte ein asketisches Leben. All das führte dazu, dass er in dieser Zeit bei der Kirche und auch in weiten Teilen der armen Bevölkerung angesehen war. Auf der Wartburg wurde er zum Beichtvater der Landgräfin Elisabeth. Nach dem Tod Ludwigs kümmerte er sich unter anderem um die Wahrung von Elisabeths Rechten gegenüber deren Schwägern und um die materielle Sicherung ihrer Hospitalgründung in Marburg.

Papst Gregor gibt Auftrag zur Ketzerjagd

Der Gräfinwitwe wies er nun nur noch den Weg in Askese und Aufopferung für die Siechen und Gebrechlichen und dies derart streng, dass Elisabeth bereits mit 24 Jahren an Entbehrung und Erschöpfung starb.

Papst Gregor IX. hatte Konrad beauftragt, auf Ketzerjagd zu gehen. Schrecken und Verbitterung breiteten sich aus, denn er machte bei der Überführung von Ketzern im wahrsten Sinn des Wortes kurzen Prozess. Aus Todesangst beschuldigten Unschuldige andere der Ketzerei. Es kam zu vielen Grausamkeiten und Rechtsbrüchen.

Graf Sayn lässt Konrad von Rittern erschlagen

Ein Adeliger wurde dem Inquisitor zum Verhängnis. Heinrich III. Graf von Sayn setzte ein ordentliches deutschrechtliches Klageverfahren durch. Konrads Zeugen gaben zu, aus Angst gegen den Grafen ausgesagt zu haben. Die Verhandlung wurde vertagt. Während der Papst Konrad die verliehenen Vollmachten entzog, predigte der Inquisitor nach wie vor gegen den Sayner Grafen und rief zum Kreuzzug gegen dessen Stammburg auf. Als Konrad am 30. Juli 1233 von Main nach Marburg reiste und am Löhneberg saynisches Gebiet durchquert, ließ ihn Graf Heinrich von seinen Rittern, genannt sind die von Dernbach, Herborn und Schweinsberg und andere abfangen und kurzer Hand erschlagen. Die Mörder kamen mit milden Strafen davon, nach hartem Büßen vergab ihnen der Papst. Im Gedenken an Konrad von Marburg wurde am Tatort eine stattliche Marien-Kapelle errichtet. In der Reformationszeit verfiel sie, 1872 brach man sie ab. Ein Gedenkstein wurde gesetzt, den man 1911 durch einen mit eindeutiger Inschrift ersetzte. Dieser Stein steht im Garten des Wohnhauses eines Hofes, der mit einem zweiten Hof den Weiler „Hof Capelle“ bildet.

von Hartmut Berge

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